Experten empfehlen Diabetestest für Klinikpatienten über 50 Jahre

Diabetes © Michael Zimmermann – Thieme Gruppe

© Michael Zimmermann – Thieme Gruppe

Jeder vierte Patient einer Universitätsklinik leidet an Diabetes (22 Prozent), noch einmal so viele an Prädiabetes (24 Prozent). Das teilte das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung vor Kurzem mit und beruft sich dabei auf Ergebnisse einer aktuellen Studie. Tübinger Forscherinnen und Forscher des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und des Helmholtz Zentrums München hatten über vier Wochen hinweg 3733 Patienten des Universitätsklinikums Tübingen auf Diabetes und Prädiabetes untersucht. Dabei stellten sie auch fest, dass bei knapp vier Prozent der Betroffenen noch keine Diagnose vorlag. Die Experten schlagen daher vor, Patienten über 50 Jahre zu Beginn ihres Klinikaufenthaltes auf unerkannten Diabetes zu screenen.

Aufenthaltsdauer und Komplikationsrate ist bei Diabetespatienten höher

Die Untersuchungen zeigten zudem, dass Patienten mit Diabetes etwa 1,47 Tage länger in der Klinik behandelt werden mussten als Patienten mit der gleichen Diagnose ohne Diabetes oder Prädiabetes. Die Betroffenen hatten darüber hinaus ein höheres Risiko für Komplikationen: Insgesamt war das bei 24 Prozent der Patienten der Fall. Zum Vergleich: nur 15 Prozent der Patienten ohne Diabetes waren von Komplikationen betroffen.

Patienten über 50 auf unerkannten Diabetes screenen?

„Angesichts der hohen Diabetes-Prävalenz und der negativen Auswirkungen, die die Stoffwechselerkrankung hat, halten wir es für sinnvoll, über 50jährige Patienten in Kliniken auf unerkannten Diabetes zu screenen. Dann kann die Stoffwechselerkrankung gleich mit behandelt und so vielleicht Komplikationen oder verlängerte Krankenhausaufenthalte vermieden werden“, so Professor Andreas Fritsche, Diabetologe und Ernährungsmediziner an der Universität Tübingen und Professor Andreas Peter, Leiter des Zentrallabors in Tübingen und des zentralen Studienlabors des DZD, in dem die Untersuchung durchgeführt wurde.

Präsident des RKI stellt Kosten-Nutzen-Verhältnis des Screenings infrage

Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), äußerte sich im Rahmen eines Treffens mit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe zu den Aussagen der Experten jedoch kritisch. Seiner Ansicht nach könnten zehn bis 15 Prozent der Diabetes-Patienten, die in Krankenhäusern behandelt werden, auch ambulant versorgt werden. Zudem sei das Kosten-Nutzen-Verhältnis des sogenannten HbA1c-Tests noch nicht geklärt. Patienten in Kliniken wüssten oftmals bereits, dass sie Diabetiker seien.

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Quellen:
Fast jeder vierte Klinik-Patient hat Diabetes, Pressemeldung des DZD, idw online vom 21.8.2017

RKI: Viele Diabetes-Patienten müssen nicht ins Krankenhaus, bibliomendmanager.de vom 24.8.2017

cp/KWM
Bildquelle: © Michael Zimmermann – Thieme Gruppe

 

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