Facebook-Bewertungen bilden nicht die klinische Versorgungsqualität ab

Klinikbewertungen © Ivan Kopylov/ Adobe.Stock.com

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Viele deutsche Krankenhäuser sind inzwischen in Sozialen Medien, wie Facebook, vertreten. Patienten nutzen diese Netzwerke, um ihre Krankenhauserfahrung zu bewerten. Wissenschaftlich stellt sich die Frage, inwieweit Facebook-Bewertungen die veröffentlichten Qualitätsberichte der Krankenhäuser widerspiegeln. Genau das wurde im Bereich der Geburtshilfe der Universität Erlangen von Dr. Martin Emmert und seinem Team untersucht (erschienen in Das Gesundheitswesen, 2018).

Der Untersuchungsfokus lag auf dem Fachbereich der Geburtshilfe, weil die Patientinnen am ehesten dem Alter von Facebook-Nutzern entsprachen. „Außerdem handelt es sich um einen elektiven Eingriff, für den es aussagekräftige Qualitätskriterien gibt, die zum Vergleich herangezogen werden können“, erläutert Martin Emmert. Die Facebook-Bewertungen wurden anschließend der esQS (externen stationären Qualitätssicherung) gegenübergestellt. Seit 2005 werden diese kontinuierlich erfasst und bilden die Grundlage der gesetzlich verpflichtenden Qualitätsberichte von Kliniken und Krankenhäusern.

Für die Geburtshilfe werden demnach erhoben:

  • Zahl der Kaiserschnitte
  • Anwesenheit eines Kinderarztes bei Frühgeburten
  • vorbeugende Gabe von Antibiotika bei einem Kaiserschnitt

Bewertungen korrelieren nicht mit Daten aus den Qualitätsberichten

Die Ergebnisse von 2015 der esQS verglich das Team um Dr. Martin mit den Facebook-Bewertungen der jeweiligen Kliniken. Fast jede Einrichtung mit einer Geburtsstation ist auch auf Facebook zu finden (ca. 97 Prozent).  Hier können die Patientinnen ihren Aufenthalt in der Klinik bewerten. Dabei kann ein Stern (schlecht) oder bis zu fünf Sterne (ausgezeichnet) vergeben werden. Der Fachbereich Geburtshilfe hat eine sehr gute Bewertung mit 4,7 Sternen. „Die Beurteilungen korrelierten aber in keiner Weise mit den fachlich begründeten esQS-Urteilen“, sagt Emmert. Demnach sind sie nicht geeignet, um als Maß für die Versorgungsqualität in Kliniken und Krankenhäusern zu fungieren.

Social-Media-Bewertungen zeigen Übereinstimmungen mit Befragungen durch Krankenkassen

Zudem verglichen die Wissenschaftler die Bewertungen in dem Sozialen Medium mit Ergebnissen aus Umfragen der Krankenkassen (AOK und BARMER). Seit 2011 kann mit Hilfe des Fragebogens Patients‘ Experience Questionnaire (PEQ) Erfahrungen nach einem Krankenhausaufenthalt abgebildet werden. Zu diesem Zweck wird die Behandlungszufriedenheit und Mutter-Kind-Betreuung erfragt. Zusätzlich können auch Einschätzungen zur Essensqualität und der Hygiene erfasst werden. „Hier zeigte sich, dass Facebook-Bewertungen signifikant mit offline erhobenen Ergebnissen (PEQ-Befragung) korrelieren“, erklärt Emmert.

Kliniken sollten die Bewertungen dennoch ernst nehmen

Es ist denkbar, dass Facebook für Patientinnen eine Orientierungshilfe darstellt, um sich für ein Krankenhaus zu entscheiden. Der Fokus der zukünftigen Patientinnen liegt dann mehr auf den Erfahrungen anderer Patientinnen als auf der eigentlichen klinischen Versorgungsqualität. Überdies sind weitere Studien notwendig, um herauszufinden, wie Onlinekommentare traditionelle Befragungsergebnisse bereichern können, um letztendlich die qualitative Versorgung zu verbessern, so die Empfehlung des Wissenschaftlers.

Quelle:

Das Gesundheitswesen 2018; online erschienen am 26.11.2018

KWM

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