Fachkräftemangel: Dem Pflegenotstand vorbeugen

Pflegenotstand © Zerbor/adobe.stock.com

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Krankenhäuser haben ein Demografie-Problem: Eine zunehmend älter werdende Gesellschaft wird von immer weniger medizinischen Fachkräften betreut. Es mangelt an Ärzten, aber vor allem an Pflegepersonal. Laut der Gewerkschaft ver.di fehlen in Deutschland derzeit mehr als 100.000 Pfleger. In den nächsten zwölf Jahren wird sich diese Zahl fast verdreifachen. Kliniken sind also gut beraten, in ihre bestehenden Mitarbeiter zu investieren. Das scheint derzeit die einzige Stellschraube, die nachhaltigen Erfolg verspricht.

Bestehendes Personal binden

Gelernte Pflegekräfte arbeiten immer kürzer in ihrem Beruf. Maximal zehn Jahre, dann wechseln sie in Call Center oder an die Supermarktkasse. Bevor es soweit ist, werden sie häufig krank und verkürzen ihre Wochenstunden. Nur so lassen sich die Anforderungen kompensieren. Doch neues Personal zu finden, wird für Krankenhäuser immer schwieriger und vor allem teurer. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, bleibt nur eins: in das vorhandene Personal zu investieren. Das klingt zunächst kostenintensiv. Und das ist es ohne Zweifel auch. Aber langfristig gesehen ist es die einzige Möglichkeit, den Krankenhausbetrieb aufrecht zu erhalten.

Sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren

Genau an der Stelle setzt Wissensmanagement an: Es geht um den Aufbau einer attraktiven Arbeitgebermarke. Und genau der beginnt zunächst im Inneren. Die Klinikleitung muss Rahmenbedingungen schaffen, die die Mitarbeiter an das Krankenhaus binden. Angesichts wachsender Patientenzahlen und abnehmender Personalschlüssel, kombiniert mit Schichtdienst und hoher psychischer Belastung sind entsprechende Maßnahmen leicht gefunden: angemessene Bezahlung, reduzierte Belastung und flexible Arbeitszeitmodelle können Wunder bewirken.

Hier haben Kliniken einen echten Vorteil gegenüber der Wirtschaft: Wo 9-to-5-Jobs, Home Office und leistungsabhängige Bezahlung längst Standard sind, müssen die Mehrwerte schon besonders ausgefallen sein, um sich von anderen Arbeitgeber abzuheben. Im Gesundheitssektor hingegen geht es um elementare Leistungen, die wenig Kreativität verlangen. Aber, das muss man zugeben, sie kosten Geld. Geld aber, das gut investiert ist. Denn wenn sich die Mitarbeiter, speziell die Pfleger, wohl fühlen, wenn sie ihrer eigentlichen Profession nachkommen und sich tatsächlich wieder um Einzelschicksale kümmern können, dann bleiben sie gern bei ihrem Arbeitgeber. Schließlich ist das ihr gelernter Beruf und viele wollen, können aber derzeit nicht mehr, in ihrer Profession arbeiten.

Employer Branding mit Außenwirkung

Doch damit nicht genug. Machen Sie durch Ihre Arbeitsbedingungen von sich Reden, wirkt das nach außen. Im Sinne von Employer Branding werden andere Pfleger auf Sie aufmerksam. Sie wechseln nicht nur die Klinik, sondern kommen auch aus anderen Tätigkeiten zurück in ihren eigentlichen Beruf. Und bei allen entstehenden Kosten, zahlt sich das dennoch aus. Schon allein deshalb, weil der Krankenhausbetrieb aufrechterhalten wird. Auch über die nächsten zehn oder fünfzehn Jahre hinweg. Und weil gute Pflege auch viele Patienten anzieht. Auf diese Weise lässt sich die gegenwärtige Abwärtsspirale in einen Aufwärtstrend umkehren.

Klinikleitung in der Pflicht

Der Pflegenotstand ist akut. Und er ist demografisch bedingt. Doch derzeit halten die Klinikverantwortlichen noch das Ruder in der Hand – und können es herumreißen. Schon kleine Veränderungen dürften dabei Großes bewirken.

Laut Deutschem Pflegerat wurden in den vergangenen Jahren 70.000 Pflegestellen in den Krankenhäusern abgebaut. Jetzt gilt es, diese Entwicklung zunächst zu stoppen und angesichts des demografischen Wandels und des steigenden Pflegebedarfs sogar umzukehren. Die Werkzeuge dafür kommen aus dem Employer Branding und erfordern das gemeinsame Handeln von Klinikleitung, HR-Abteilung und Wissensmanagement.

nl/KWM
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