Familie & Beruf: Führungskräfte erleben Doppelbelastung via App

Professor Claus-Dieter Heidecke hat als Ärztlicher Vorstand und Direktor der Chirurgischen Klinik der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) einen vollen Terminkalender. Ab sofort stellt er sich einer zusätzlichen Herausforderung: Als Erster testet er „PapalapApp“. Die Anwendung für das Smartphone ist eine Initiative der UMG. Sie soll Führungskräften ein Gefühl dafür vermitteln, was es heißt, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Der Gedanke dahinter: Wer weiß, welche Herausforderungen mitunter damit verbunden sind, wird eher nach familienfreundlichen Lösungen für seine Mitarbeiter suchen als ohne diese Erfahrung.

Wie organisiere ich eine Kinderbetreuung für meinen nächsten Nachtdienst? Was mache ich, wenn die Kita anruft und mich bittet, mein Kind abzuholen, weil es hohes Fieber bekommen hat? Mit diesen und weiteren Fragen wird sich Professor Claus-Dieter Heidecke ab sofort auseinandersetzen müssen. Der Vater von drei erwachsenen Kindern testet als Erster die „Papa-App“ namens PapalapApp. Gleich zu Beginn muss er eine Einführungsaufgabe lösen, anschließend benachrichtigt PapalapApp über die anstehenden Pflichten: für Mahlzeiten sorgen, ein Kind zum Musikunterricht oder ein krankes Kind zum Arzt bringen. PapalapApp prüft, ob die Aufgaben erledigt oder die angegebenen Orte, die als GPS-Daten hinterlegt sind, erreicht wurden. Am Ende eines jeden individuellen PapalapApp-Projektes bekommen die Nutzer eine übersichtliche Auswertung. Zeigt die App viele nicht erledigte Aufgaben an, wächst die Vorstellung davon, was Mitarbeiter außerhalb des Klinikalltags leisten.

Tägliche Herausforderung soll spürbar werden

„Wenn die App meldet, dass das Kind aufgrund einer Erkrankung aus dem Kindergarten abgeholt werden muss, ist die Aufgabe nur erfüllt, wenn tatsächlich die Kita aufgesucht worden ist“, erläutert die Gleichstellungsbeauftragte der UMG, Dr. Astrid Petersmann. Das soll gerade den überwiegend männlichen Universitätsprofessoren einen Einblick in die nicht immer leichte Vereinbarkeit von Beruf, Forschung und Familie ermöglichen. Familiäre Aufgaben wie Mahlzeiten zubereiten oder Hausaufgaben der Kinder zu kontrollieren, zeigt die App mit einem entsprechenden Bild an und muss durch den Nutzer bestätigt werden. „Die Simulation des Familienalltags dient dazu, bei Führungskräften ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welche Verpflichtungen außerhalb des Klinikalltags immer mehr auch auf ihre männlichen Mitarbeiter warten.“

Die Idee zur App kam Dr. Astrid Petersmann im Rahmen ihrer Arbeit: „Das Familienleben hat sich erfreulich gewandelt, Väter übernehmen heute viel mehr Verantwortung. Allerdings treffen im Klinikbetrieb verschiedene Generationen aufeinander. Anders als heute war es früher üblich, dass die Frau dem Mann den Rücken freigehalten hat. Unser Anliegen war eine spielerische und konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema, um auch den älteren Führungskräften die veränderten Rahmenbedingungen für ein modernes Familienleben nahezubringen.“

Entscheidungen basieren auf eigenen Erfahrungen

„Wir brauchen neben den Müttern mehr Väter, die familiäre Verantwortung übernehmen, vor allem mehr Führungskräfte, die aus eigener Anschauung wissen, was es bedeutet, täglich den Spagat zwischen Familie und Beruf zu leben“, so Professor Claus-Dieter Heidecke. „Das ist auch ein wichtiger Punkt für die Mitarbeiterzufriedenheit und ein gewichtiges Argument im Wettbewerb um die besten Fachkräfte. Schließlich suchen sich junge Leute heute ihr berufliches Umfeld auch danach aus, wie familienfreundlich es aufgestellt ist. Dafür braucht es unter anderem Vorgesetzte, die gute Entscheidungen treffen, am besten auf der Basis eigener Erfahrungen. So hilft es Führungskräften in ihrer täglichen Arbeit, wenn sie bereits selbst familiäre Verantwortung, beispielsweise für die Betreuung von Kindern, getragen haben.“

Mehr Empathie dank App?!

Gerade in der universitären Medizin haben viele Führungskräfte für sich einen anderen Lebensentwurf gewählt als ihre jüngeren Mitarbeitenden. Daher fehlt es nicht selten an Verständnis, Wertschätzung und Unterstützung von und durch die Vorgesetzten; kurz: einer familienfreundlichen Unternehmenskultur. Diese kann nach Auffassung von Dr. Petersmann kaum von oben verordnet werden, sondern sollte im täglichen Miteinander gelebt werden.

Die PapalapApp kann in den üblichen App-Stores für IOS und Android oder über den QR-Codes geladen werden.

Quellen:
PapalapApp soll Verständnis für die vielfältigen Herausforderungen des Familienlebens schaffen, Pressemeldung der Universitätsmedizin Greifswald, idw online vom 3.11.2017

cp/KWM

 

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