Forschungsministerium fördert Datenvernetzung im Gesundheitswesen

Big Data © wladimir1804 – Fotolia.com

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Am vergangenen Wochenende äußerte sich Angela Merkel in einem Videopodcast zu den Chancen der Digitalisierung in der Medizin. Im Gespräch mit dem Chirurgen Professor Dr. med. Igor Sauer betonte die Bundeskanzlerin die Notwendigkeit, bisherige Entwicklungsrückstände in Deutschland aufzuholen und Projekte wie die elektronische Patientenakte voranzutreiben. Kurz darauf erklärte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka, dass ihr Ministerium die Entwicklung der Medizininformatik in den nächsten vier Jahren mit rund 150 Millionen Euro fördern werde. Ziel ist es, die steigende Anzahl medizinischer Datensätze in einer nationalen Infrastruktur zu verknüpfen, um daraus neues Wissen für eine bessere Gesundheitsforschung und Versorgung zu gewinnen. Letztlich handelt es sich dabei um ein institutionsübergreifendes großangelegtes Wissensmanagementprojekt!

„Unsere Vision ist, dass jede Ärztin und jeder Arzt, egal ob in Kliniken, Haus- oder Facharztpraxen, alle verfügbaren Erfahrungswerte und Forschungsergebnisse auf Knopfdruck abrufen und in seine Therapieentscheidungen einbeziehen kann. Dadurch werden die Patientinnen und Patienten zukünftig noch besser beraten und therapiert“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka im Rahmen der Pressekonferenz am vergangenen Montag in Berlin.

Aufbau von Datenintegrationszentren

Im Rahmen dieser Medizininformatik-Initiative stellt das Forschungsministerium in den nächsten vier Jahren 120 Millionen Euro zur Verfügung. Vier Konsortien, also zweckgebundene Zusammenschlüsse, bestehend aus 17 Universitätskliniken und rund 40 weiteren Partnern aus Forschung und Industrie, werden dadurch beim Aufbau sogenannter Datenintegrationszentren unterstützt. Über diese sollen sie sich vernetzen und letztlich Daten austauschen können. Um das zu ermöglichen, müssen im ersten Schritt verschiedenste Arten von Daten aus der Krankenversorgung und der Forschung harmonisiert, integriert und analysiert werden.

Die vier Hauptprojekte auf einen Blick

DIFUTURE
Beteiligte: Technische Universität München, Ludwig-Maximilians-Universität München und Eberhard-Karls-Universität Tübingen mit ihren Universitätsklinika und weiteren Partnern
Vorhaben: Vergleichbarkeit, Integration und Analyse von Daten aus Krankenversorgung und Forschung mit dem Ziel, Krankheitsursachen und Verläufe besser zu verstehen. Die ersten Anwendungsfälle betreffen neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose und die Parkinson’sche Erkrankung sowie Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

HIGHmed
Beteiligte: Medizinische Fakultäten und Universitätsklinika Heidelberg, Göttingen und Hannover gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Sana Kliniken AG
Vorhaben: Durch neue medizininformatische Lösungen soll auch hier ein übergreifender Datenaustausch die Forschung und Versorgung verbessern. Ganz konkret möchte das Konsortium Krankenhausinfektionen besser bekämpfen sowie Krebs- und Herz-Kreislauferkrankungen durch personalisierte Ansätze wirkungsvoller behandeln.

SMITH
Beteiligte: Universitätsmedizinische Standorte in Leipzig, Jena und Aachen in Kooperation mit externen Partnern
Vorhaben: Entwicklung datenanalytischer Methoden und Werkzeuge, die aus elektronischen Patientenakten automatisiert medizinische Informationen gewinnen. Auch hier steht im Mittelpunkt Versorgungsabläufe zu erforschen und zu verbessern. Konkret geht es hier um zwei klinische Anwendungsfälle: Zum einen sollen auf Intensivstationen Patienten-Management-Systeme kontinuierlich ausgewertet werden, um den Zustand der Patienten automatisiert zu überwachen. Zum anderen soll ein computerbasiertes Entscheidungshilfesystem Mediziner beim leitliniengerechten Einsatz von Antibiotika unterstützen. Dies soll die frühzeitige und gezielte Bekämpfung bakterieller Infektionen verbessern und das Auftreten von Antibiotikaresistenzen reduzieren.

MIRACUM
Beteiligte: Acht Universitätsklinika aus fünf Bundesländern: Erlangen, Frankfurt/Main, Freiburg, Gießen, Magdeburg, Mainz, Mannheim und Marburg
Vorhaben: Bildgebende Diagnostik, genetische und molekulare Untersuchungen gehören zu den Informationen aus der Klinik, die MIRACUM vernetzt, um beispielsweise Hirntumoren künftig wirkungsvoller behandeln zu können. Außerdem wird das Konsortium Datenabfragen für die Rekrutierung von Patientinnen und Patienten für klinische Studien erleichtern.

Der Entscheidung für die genannten Zusammenschlüsse war eine neunmonatige Konzeptphase der Initiative vorausgegangen: 28 der 33 deutschen Universitätskliniken und viele weitere Partner hatten sich daran beteiligt. Die Universitätskliniken und Standorte, die nun nicht Teil dieser vier Konsortien sind, sollen sich jedoch auch weiter an der Initiative der Bundesregierung beteiligen. Hierfür investiert das BMBF zusätzlich weitere 30 Millionen Euro.

Erste Ergebnisse gibt es schon jetzt

Für das Projekt „DIFUTURE“ unter Leitung der Technischen Universität München (TUM) liegen schon jetzt erste Ergebnisse vor. Für die neurologische Erkrankung Multiple Sklerose (MS) haben die Verantwortlichen bereits Daten aus verschiedenen Datenquellen zusammengeführt und harmonisiert. Die Fragen, die bearbeitet werden sollen, zielen auf Krankheitsverläufe, Präzisionstherapie, aber auch mögliche Muster von Vor- und Begleiterkrankungen ab.

Quellen:
Merkel will Chancen bei der Digitalisierung in der Medizin nutzen, aerzteblatt.de vom 10.7.2017
Forschungsministerium fördert Medizininformatik mit 150 Millionen Euro, aerzteblatt.de vom 10.7.2017
Bessere Therapien dank Medizininformatik, Pressemitteilung des BMBF vom 10.7.2017
TUM führ neues Großprojekt in der digitalen Medizin, Pressemeldung der TUM vom 10.7.2017

cp/KWM
Bildquelle: © wladimir1804 – Fotolia.com

 

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