Frauen als Fachkräfte gewinnen

Im Wettbewerb um Fachkräfte müssen Unternehmen darüber nachdenken, wie sie sich nach außen präsentieren. Immer wichtiger wird in diesem Zusammenhang, welche Möglichkeiten das Unternehmen anbietet, damit zukünftige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Familie und Beruf miteinander vereinbaren können. Eine Online-Studie hat ergeben, dass die bildliche Darstellung von Geschlechterstereotypen weibliche Bewerber eher abschreckt. Angesichts dessen, dass immer mehr Frauen Medizin studieren, sollten auch Kliniken solche Aspekte im Hinblick auf ihre Außenwirkung berücksichtigen. Auch die Präsenz von Frauen in der Führungsetage spielt für weibliche Bewerber eine Rolle – Quotenfrauen kommen hier nicht gut an.

Eine Frau sitzt mit Kind auf dem Schoß am Laptop – und zeigt, wie sie Familie und Karriere verbindet. Wenn ein Unternehmen mit diesem Bild um neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirbt, hat er mehr Chancen, dass Frauen sich bewerben, als wenn es das Themenfeld der Vereinbarkeit ausklammert. Aber: Noch mehr, vor allem leistungsorientierte Frauen, bewerben sich, wenn statt einer Frau auf dem Bild ein Mann den Spagat zwischen Kind und Beruf darstellt. Das haben die Professorinnen Anja Iseke von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe (OWL) und Kerstin Pull von der Universität Tübingen im Rahmen einer Online-Befragung unter Studierenden der Wirtschaftswissenschaften herausgefunden.

Weibliche Bewerber möchten Familienfreundlichkeit nicht als Frauenthema verstanden wissen

„Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere leistungsmotivierte Studentinnen eher geneigt sind, sich bei einem Unternehmen zu bewerben, wenn es familienfreundliche Human-Ressource-Praktiken offeriert, indem es mit stereotypen Geschlechterrollen bricht“, sagt Professorin Iseke und erklärt: „Damit signalisiert das Unternehmen, dass es die Balance zwischen Familie und Beruf nicht als frauenspezifisches Thema versteht.“ Bei den männlichen Befragten hatte die Darstellung keinen Einfluss auf die Bewerbungsneigung.

Frauen nehmen die Präsenz weiblicher Führungskräfte genau wahr

Darüber hinaus hat die Präsenz weiblicher Führungskräfte Einfluss darauf, ob sich Frauen bewerben oder nicht. In diesem Teil der Studie erhielten die befragten Wirtschaftswissenschaftler drei Szenarien: eine rein männliche Führungsriege; eine Geschäftsführung mit fünf Männern und einer Frau, die für „Personal- & Sozialwesen“ zuständig ist; eine Leitung mit ebenfalls einer Frau, die jedoch für das Ressort „Finanzen & Controlling“ verantwortlich ist.

Leiterin des Personalwesens gilt als Quotenfrau

Im Gegensatz zu ihren männlichen Kommilitonen berücksichtigen Studentinnen die Präsenz von Frauen in der Geschäftsführung bei ihrer Bewerbungsentscheidung. Aber: Hat das Unternehmen einen weiblichen Personalvorstand, sinkt die Bewerbungsneigung der Studentinnen im Vergleich zu der rein männlichen Geschäftsführung. Steht die Frau für das Finanzressort, steigt die Bewerbungsneigung der Studentinnen.

„Ein weiblicher Personalvorstand in einer männerdominierten Geschäftsführung wird von den Studentinnen offenbar als Signal dafür interpretiert, dass Geschlechterstereotypen die Personalpraktiken des Unternehmens prägen“, sagt Iseke und verweist auf die ergänzend geführten qualitativen Interviews. „Die Personalchefin wird häufig als Quotenfrau wahrgenommen. Im Gegensatz dazu interpretieren die Befragten eine Frau als Leiterin einer männlich dominierten Funktion als Signal dafür, dass Geschlechterstereotypen in dem Unternehmen keine Rolle spielen und Beförderungsentscheidungen tatsächlich leistungsgerecht und geschlechtsneutral erfolgen“, so die Professorin für Betriebswirtschaftslehre.

Kliniken werben um mehr weibliche als männliche Fachkräfte

Auch wenn die Ergebnisse nicht eins zu eins auf den medizinischen Bereich übertragbar sind, so geben sie doch einen Eindruck davon, dass weibliche und männliche Bewerber sich in ihrer Wahrnehmung von Geschlechterstereotypen deutlich unterscheiden. Das ist für die Außenwirkung einer Klinik nicht unerheblich. Schließlich studieren seit Ende der 1990er Jahre jedes Jahr mehr Frauen als Männer in Deutschland Medizin. 2016 sahen sich 35.765 Männer 56.246 weiblichen Kommilitoninnen gegenüber. Wenn eine Klinik offene Arztstellen besetzen möchte, sollte sie sich der weiblichen Sichtweise auf die nach außen präsentierte Personalpolitik bewusst sein. Auch in der Pflege ist die Mehrheit des Personals weiterhin weiblich.

Quellen:
Geschlechterstereotype schrecken Frauen ab, Pressemeldung der Hochschule Westfalen-Lippe, idw online vom 13.11.2017
Angaben des Statistischen Bundesamtes zur Zahl der Medizinstudierenden von 1975 bis 2016

cp/KWM

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.