Führungskräfteentwicklung im Krankenhaus: Ein Interview mit dem Health Care Coach Matthias Barkhausen

© C. Prinz/ Matthias Barkhausen

Seit über 20 Jahren unterstützt der Diplom Psychologe Matthias Barkhausen als Coach im Krankenhaus die Entwicklung von Führungskräften. Im Interview verrät er, warum ein solches Coaching wichtig ist und wo er den meisten Bedarf dabei sieht:

Herr Barkhausen, was kann das Führungskräfte -Coaching im Krankenhaus grundsätzlich leisten?

Allgemein geht es darum, im Dialog mit einem Coach die eigene Führungswirkung zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Das Krankenhaus als personalintensive Expertenorganisation hat sich von einem Arbeitgeber- zu einem Arbeitnehmer-Arbeitsmarkt gewandelt. Dadurch sind für Führungskräfte nicht nur deren fachliche Kompetenzen erfolgskritisch, sondern auch, dass sie wertschätzende und gelingende Arbeitsbeziehungen zu ihren Mitarbeitern gestalten. Im Coaching können Führungskräfte daran arbeiten, gezielt ihr Führungsrepertoire zu erweitern und ihre Führungspersönlichkeit weiterzuentwickeln. Das hat letztendlich einen positiven Effekt auf die Zufriedenheit, Freude und Gesundheit der Mitarbeiter und die Qualität der Patientenversorgung.

Wo sehen Sie am meisten Coaching-Bedarf im Krankenhaus?

Von den Berufsgruppen im Krankenhaus sind meines Erachtens die Ärzte diejenigen mit dem größten Bedarf. Denn Pflegekräfte und Kaufleute können sich teilweise während ihrer Ausbildung mit Führungsthemen auseinandersetzen und haben aufgrund der Strukturen in Krankenhaus und Gesundheitswesen mehr Zeit für Führung. Beispielsweise müssen Führungskräfte in der Pflegedirektion nicht mehr oder nur noch in einem geringen Maße in der Patientenversorgung tätig sein. Wohingegen Chef- und Oberärzte einen großen Teil ihrer Tätigkeit patientennah arbeiten. Doch wer durchführt, kann nicht führen. Und wer führt, führt nicht durch. Inhaltlich sehe ich daher den größten Coaching-Bedarf bei allen Themen, die mit Führungsrolle, -haltung und -techniken zu tun haben. Coaching als exklusive Maßnahme für die Personalentwicklung kann hier zielgenauer auf die speziellen Fragen, Themen und Gegebenheiten des Klienten eingehen, als es in einem Führungstraining möglich ist.

In einem Artikel veröffentlicht auf healthrelations.de, heißt es: „Der neue Chefarzt eckt an, ihm laufen die Ärzte weg. Heute überlassen Kliniken die Führungskräfteentwicklung nicht mehr dem Zufall.“ Was hat sich beim Thema Führungskräfteentwicklung geändert?

Früher hing die Führungskräfteentwicklung meist vom individuellen Interesse der Chef- und Oberärzte ab. Wer wollte, konnte sich entsprechend weiterbilden. Wer daran kein Interesse hatte, musste es nicht. Außerdem wurden ärztliche Führungskräfte meist erst dann zu einem Coaching oder Führungstraining geschickt, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen war. Also wenn Kritik an den Führungskräften und der Führungskultur laut wurde. Heute nutzen Geschäfts- und Personalleitungen in Krankenhäusern systematische Führungskräfteentwicklung als ein wichtiges Mittel, um aktiv etwas für die Kompetenzentwicklung ihrer leitenden Ärzte und damit für die Führungskultur ihres Hauses zu unternehmen. Führungskräfte werden dadurch systematisch in die Lage versetzt, für die Mitarbeiter ein kompetenter Partner beim Meistern des Arbeitsalltags, bei auftretenden Konflikten und in der persönlichen Weiterentwicklung zu sein.

Können Sie uns einen kleinen Einblick geben, wie man sich ein solches Coaching vorstellen kann?

Klassisch wird ein solches Coaching individuell mit der jeweiligen Führungskraft durchgeführt. Im Rahmen von einer Reihe von Coaching-Sitzungen, die mit einer Analyse und Zieldefinition starten, werden die individuellen Themen der Führungskraft vor dem Hintergrund ihrer Persönlichkeit bearbeitet, z. B. auch mittels Transferübungen und Praxissimulationen. In letzter Zeit sind – auch aufgrund der COVID-19-Pandemie – Formen des Online-Coachings prominenter geworden. Ein solches Format haben wir auch speziell für die Führungskompetenz von Oberärzten und Oberärztinnen entwickelt. Dieses Online-Coaching besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil beinhaltet mehr als 20 Videotutorials zu den zentralen Führungsthemen im Krankenhaus, die sich die Teilnehmenden im Selbststudium erarbeiten können. Dies wird ergänzt durch wöchentliche Gruppencoaching-Angebote, die online stattfinden. Hier können Fragen zu den Trainingsthemen oder zu individuellen Führungsherausforderungen gestellt und bearbeitet werden.

Was bedeutet für Sie nachhaltiges Coaching und wie kann es gelingen?

Nachhaltigkeit bedeutet für mich, dass die gecoachte Führungskraft die Lernerfahrungen in ihrem Arbeitsbereich zunächst ausprobiert und so modifiziert, dass sie für ihren Kontext stimmig sind, um diese Weiterentwicklungen auch über einen längeren Zeitraum beizubehalten. Dafür braucht es ein passendes Zusammenspiel aus Führungskraft, Coach und kreativer Coachingmethodik.

Vielen Dank für das Interview, Herr Barkhausen!

Coaching im Krankenhaus

Weiterführende Informationen und Coaching-Angebote zur Führungskräfteentwicklung im Krankenhaus finden Sie unter:

https://www.klinik-kenner.de/ifg/

http://www.barkhausen.de

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