Gemeinsam zum Ziel: Interprofessionelle Zusammenarbeit im Krankenhaus stärken

Für eine optimale Patientenversorgung ist es essentiell, dass alle Berufsgruppen im Krankenhaus Hand in Hand agieren. Zudem gewinnt die interprofessionelle Zusammenarbeit auch angesichts von demografischem Wandel und wachsenden Effizienz-Anforderungen an Bedeutung. Für das tägliche Miteinander gilt es daher, Sektorengrenzen zu überwinden und Brücken zwischen den verschiedenen Gesundheitsberufen zu bauen. Eine kommunikations- und wissensintensive Herausforderung!

Wer arbeitet mit wem?

Traditionell haben im medizinischen Bereich die Ärzte den Hut auf. Sie tragen die Verantwortung, sie fällen die Entscheidungen und sie geben den Takt vor. Alle anderen Akteure müssen sich – mehr oder weniger – unterordnen. Doch die klassische Rollenverteilung im Krankenhaus bröckelt. Grund dafür ist unter anderem der demografische Wandel: Immer mehr (multimorbide) Patienten müssen von immer weniger Medizinern versorgt werden. Hinzu kommen Kostendruck und wachsender Wettbewerb. Die Patientenzufriedenheit wird zum zentralen Gradmesser und spiegelt auch die interprofessionelle Zusammenarbeit wider. Schließlich wünschen sich Patienten eine ganzheitliche Betreuung, bei der eine Hand weiß, was die andere tut, und Versorgungslücken von vornherein vermieden werden.

Interprofessionelle Zusammenarbeit bei der Krankenhaus Märkisch-Oderland GmbH

Wie interprofessionelle Zusammenarbeit gelingen kann, zeigt beispielsweise die Krankenhaus Märkisch-Oderland GmbH (KHMOL) [1]: Zur Behandlung von Diabetes mellius, die – als Nebendiagnose – besonders häufig zu Komplikationen führt, arbeiten Mediziner, Pflegekräfte und Diabetologen von Anfang an zusammen. Mit Hilfe von kontinuierlicher Kommunikation und Weiterbildung ist es so gelungen, die verschiedenen Fachabteilungen, von der Chirurgie über die Urologie bis hin zur Anästhesie, mit ins Boot zu holen und alle anderen relevanten Berufsgruppen gleichberechtigt zu beteiligen. Entstanden sind vernetzte Strukturen, die das gemeinsame Erkennen einer Diabetes mellius stets im Blick haben. Infolgedessen sind die sonst häufigen Komplikationen vor, während und nach einer Operation sowie die Verweildauer im Krankenhaus signifikant gesunken.

Hürden auf dem Weg zur berufsgruppenübergreifenden Zusammenarbeit

Prädestiniert für eine interprofessionelle Zusammenarbeit ist beispielsweise das Entlassmanagement. Hier arbeiten traditionell mehrere Berufsgruppen darauf hin, die Patienten optimal auf die Post-Klinik-Zeit vorzubereiten. Eine genaue Abstimmung ist dafür unerlässlich, denn Informationsdefizite führen ansonsten schnell zu Versorgungslücken. Doch eine enge Zusammenarbeit lässt sich gerade im Krankenhaus nicht ohne weiteres realisieren: Unterschiedliche Arbeitszeiten und Schichtdienste verhindern das persönliche Gespräch. Heterogene Informationsquellen und abweichende Informationsbedarfe sorgen für uneinheitliche Wissensstände. Darüber hinaus erschweren berufsgruppenspezifische Ansprechpartner und Entscheidungsträger sowie interprofessionelle Macht- und Konkurrenzkämpfe das Miteinander.

Gemeinsam zu Ziel

Der Weg zur berufsgruppenübergreifenden Zusammenarbeit sollte als Wissensmanagement-Projekt aufgesetzt werden, das Vertreter aller relevanten Professionen umfasst und aktiv einbindet. In Form einer Reifegradanalyse lässt sich die bisherige Zusammenarbeit evaluieren: Welche Informationen werden benötigt? Wer greift auf die Daten zu? Und welche IT- und Ablagesysteme sind relevant? Ausgehend vom existierenden Ist- lässt sich dann der Weg zum gewünschten Soll-Zustand skizzieren. Dabei geht es unter anderem darum, wie sich die genutzten Informationsquellen vernetzen lassen, damit alle stets auf dem gleichen Wissensstand sind. Zudem müssen Möglichkeiten gefunden werden, um sich abzustimmen – selbst dann, wenn sich die Arbeitszeiten nicht überschneiden. Digitale Methoden können dabei Zeit und Raum überwinden. Auch Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, zu einer wichtigen Schnittstelle in der interprofessionellen Zusammenarbeit zu werden – beispielsweise in Form virtueller Assistenten, die Wissen und Wissenszuwächse konsumieren und zentral abrufbar machen.

 

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Quelle:

[1] https://www.aerzteblatt.de/archiv/214630/Interprofessionelle-Zusammenarbeit-Viel-Eigeninitiative-gefragt

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