Generalistik in der Pflege – ein wissensfokussiertes Zwischenfazit

Seit einem Jahr gibt es sie: die generalistische Pflegeausbildung. Seither ist viel passiert. Schulen sprechen von weniger Abbrechern und einer deutlich höheren Diversität unter den Lernenden. Aber Generalistik auf der einen und mehr Heterogenität auf der anderen Seite stellen auch neue Anforderungen an die Wissensvermittlung. Es geht folglich nicht um neuen Wein in alten Schläuchen, sondern um eine grundlegende Veränderung beim Know-how-Transfer.

Pflegeberufe in spe: Was ist anders?

Statt zwischen den drei bisherigen Pflegeberufen – Gesundheits- & Krankenpflege, Gesundheits- & Kinderkrankenpflege sowie Altenpflege – wählen zu müssen, strebt die Pflege der Zukunft einen generalistischen Ansatz an. Die entsprechende Ausbildung zum Pflegefachmann bzw. zur Pflegefachfrau ist vor einem Jahr gestartet. Zwar wird es weiterhin möglich sein, sich im dritten Ausbildungsjahr zu spezialisieren. Erklärtes Ziel ist aber explizit nicht die Spezialisierung. Vielmehr soll die Generalisierung im Fokus stehen, die ein besonders breites Einsatzspektrum der Pflegeexperten ermöglicht.

Generalistische Pflegeausbildung erfordert generalistisches Lernen

Wenn drei Ausbildungsstränge zusammengelegt werden, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sich der zu lernende Stoff verdreifacht. Allerdings müssen sich die generalistischen Pflegeschüler definitiv mehr Wissen aneignen als bisher. Das stellt einerseits hohe Anforderungen an die pädagogische Kompetenz der Lehrkräfte, andererseits auch an das persönliche Wissensmanagement der Lernenden. Selbstorganisation ist das Stichwort.

Wie kann generalistisches Lernen gelingen?

Der Schlüssel zum Generalisten liegt im Transferlernen. Den Lehrkräften muss es gelingen, Wissen exemplarisch zu vermitteln. Nur so werden die Schüler in die Lage versetzt, einmal Gelerntes zu adaptieren und situativ anzuwenden. Das bedeutet für die Wissensvermittlung zum einen, dass zentrales Know-how stets in einem konkreten Praxiskontext stehen sollte. Stichwort: Case Studies & Best Practices. Zum anderen hilft jede Form von Visualisierung, das Erlernte (be-)greifbar zu machen. Gerade der interaktive Medieneinsatz, Simulationen und die Nutzung von Virtual sowie Artificial Reality werden dabei an Bedeutung gewinnen.

Lebenslanges Lernen im Sinne der Generalistik

Zudem kommt dem lebenslangen Lernen eine noch größere Bedeutung zu als bisher. Gerade Generalisten haben niemals ausgelernt. Sie müssen sich – je nach aktuellem Einsatzgebiet – permanent auf dem aktuellen Stand halten und spezielles, kontextbezogenes Wissen hinzugewinnen. Vor diesem Hintergrund erhält das Thema Weiterbildung für Pflegeberufe einen ganz neuen Stellenwert: Weiterbildung muss zum Must-have im Pflegealltag avancieren und idealerweise bedarfsgerecht in der konkreten Pflegesituation vor Ort stattfinden. Der Weg dorthin führt über E-Learning, virtuelle Learning Nuggets und vergleichbare Angebote.

 

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