Gesetzliche Hygienerichtlinien reichen laut Befragung nicht aus

Abwehr Bakterien und Viren © peterschreiber.media /Adobe.Stock.com

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Damit sich Patienten während eines Krankenhausaufenthaltes nicht mit Bakterien oder Viren infizieren und die weitere Ausbreitung multiresistenter Keime verhindert wird, gibt es eine Reihe von Gesetzen und institutionellen Empfehlungen. In ihrer jetzigen Form, bieten sie jedoch keinen ausreichenden Schutz für Patienten und Personal. Zu diesem Ergebnis kommt der „Hygieneradar 2018“. Im Rahmen einer Onlinebefragung gaben über 200 Klinikbeschäftigte ihre Einschätzung zu aktuellen Vorgaben ab.

Große Zweifel am Krankenhausstrukturgesetz (KHSG)

Die Studienteilnehmer hegen insbesondere Zweifel am Nutzen des Krankenhausstrukturgesetzes (KHSG) bei der Bekämpfung nosokomialer Infektionen: Nur rund 23 Prozent schätzen es als effektiv ein, etwa 39 Prozent der Studienteilnehmer wählten die Option „Weiß nicht“ und circa 38 Prozent „Nein“.

Bei weiteren Fragen zum KHSG zeigte sich jedoch auch, dass die Teilnehmer nicht über alle Aspekte des Gesetzes informiert waren. So kannte ein Drittel auch ein der Teil Befragten das Hygieneförderprogramm des KHSG nicht – und somit auch nicht die dort festgelegten Fördermöglichkeiten. Angesichts knapper Mittel in den Krankenhauskassen eine vertane Chance, so das Urteil der Studienautoren. Diejenigen, die das Förderprogramm und seine Maßnahmen kennen, sehen darin wiederum Optimierungsbedarf.

Auch KRINKO und IfSG überzeugen ein Drittel nicht

Ein ernüchterndes Bild zeigt sich bei der Beurteilung der Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) und der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut (KRINKO): Mehr als ein Drittel der Teilnehmer hält die Vorgaben für nicht ausreichend. Auch wenn die Mehrheit die Vorgaben ganz oder teilweise umsetzt.

Dass auch die KRINKO, die nach Einschätzung der meisten Studienteilnehmer (70 Prozent) die wichtigste Instanz bei der Bekämpfung nosokomialer Infektionen ist, nicht bestehen kann, stimmt die Studienautoren nachdenklich: Wenn selbst diese bedeutende Institution zur Eindämmung nosokomialer Infektionen daran scheitert, ausreichende Vorgaben aufzustellen, wie sollen es dann die einzelnen Kliniken schaffen, das Problem in den Griff zu bekommen?

Ergreifen Kliniken die Initiative?

Doch können Kliniken die Lücken mit eigenen freiwilligen Maßnahmen füllen? Jein, so das Ergebnis der Umfrage: So fördert zwar ein Großteil der Kliniken die Aus- und Weiterbildung von Hygienepersonal. Doch nur knapp die Hälfte testet Patienten vor der Aufnahme konsequent auf Erreger. Über die Hälfte der Antwortenden geben an, Patienten nicht oder nur teilweise zu screenen. Dennoch werten es die Studienautoren als positiv, dass sie diejenigen sind, die in der gegenwärtigen Situation aktiv werden müssen.

Die ausführlichen Ergebnisse des „Hygieneradar 2018“ finden Interessierte hier.

Zum Hygieneradar

Der WISAG Hygieneradar ist eine Onlinestudie zu aktuellen Hygiene-Herausforderungen im Gesundheitswesen. 2018 wurde sie zum zweiten Mal durchgeführt. Das Hygiene-Institut HYBETA begleitet das Projekt als wissenschaftlicher Partner. Die Befragung zu den gesetzlichen Hygienerichtlinien fand von März bis Mai 2018 statt. 210 Personen nahmen daran teil, wobei Krankenhäuser aller Größenklassen vertreten waren. Mehr als jeder zweite Studienteilnehmer kam aus dem Hygienemanagement (54,2 Prozent). 34,8 Prozent hatten eine Leitungsposition inne, 11 Prozent der Befragten gehörten keiner der beiden Gruppen an.

Quelle:
WISAG

cp/KWM
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