Gesund altern im Pflegeberuf: Training bietet Unterstützung

Pflegerin mit Patient © Kirsten Oborny/ Thieme Gruppe

© Kirsten Oborny/ Thieme Gruppe

Macht die Arbeit im Krankenhaus krank? Diese Frage stellen sich derzeit Experten in München. Im Rahmen der 58. Wissenschaftlichen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin (DGAUM) rücken sie die seelische und körperliche Gesundheit von Ärzten und Pflegenden in den Mittelpunkt. Die muss sich verbessern, sind sich die Wissenschaftler einig. Wie beispielsweise ältere Pflegende psychisch so gestärkt werden können, dass sie ihren Arbeitsalltag besser bewältigen, erklärten Mediziner und Arbeitspsychologen heute im Rahmen eines Satelliten-Symposiums im Klinikum Großhadern.

Wie Studien belegen, sind Störungen der psychischen Gesundheit, wie klinisches Burnout, Depression oder Angststörungen, bei Beschäftigten im Gesundheitswesen höher als in der Allgemeinbevölkerung. Neben den Auswirkungen für die Betroffenen gefährdet ein hoher Krankenstand, häufige Fehlzeiten sowie eine hohe Fluktuation des Personals die Behandlungsqualität an den Kliniken. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wird sich die Situation in den nächsten Jahren weiter zuspitzen. Die Suche nach möglichen Lösungsansätzen drängt.

Arbeiten bis zur Rente? Viele Pflegende schaffen das nicht!

Gerade Pflegekräfte tendieren dazu, ihren Beruf nicht bis zum gesetzlichen Rentenalter auszuüben – zu groß sind körperliche und psychische Belastungen. „Wenn es gelingt, den emotionalen Stress in der Pflege abzubauen und die Rahmenbedingungen zu verbessern, könnten wir einen Beitrag dazu leisten, dem Mangel an Pflegekräften entgegenzuwirken“, sagt Dr. med. Imad Maatouk, Psychosomatiker und Psychoonkologe am Klinikum Heidelberg. Einen möglichen Präventionsansatz hat er nun gemeinsam mit Kollegen aus Ulm, Düsseldorf und Duisburg-Essen in der PLOS one-Studie untersucht.

Studie prüft mögliche Interventionsmöglichkeiten

An der Studie, die parallel an vier deutschen Kliniken stattfand, nahmen insgesamt 115 überwiegend weibliche Pflegekräfte teil. Während die eine Hälfte der Teilnehmerinnen wöchentliche Präventionsseminare in kleinen Gruppen erhielt, wurde die andere Hälfte zunächst lediglich auf eine Warteliste gesetzt; sie diente als Vergleichsgruppe. Die Probandinnen waren im Schnitt 52 Jahre alt und hatten bereits 30 Berufsjahre hinter sich. „Wir haben gezielt Pflegende im fortgeschrittenen Erwerbsalter von über 45 Jahren angesprochen, da diese großflächigen Befragungen zufolge häufiger mit dem Gedanken beschäftigt sind, den aktiven Pflegeberuf aufzugeben“, erläutert Professor Dr. med. Harald Gündel, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Uniklinik Ulm und Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) e.V.. Auch er war an der Studie beteiligt.

SOK – Selektion – Optimierung – Kompensation

Die Präventionsgruppen trafen sich über einen Zeitraum von drei Monaten insgesamt acht Mal. Unter Anleitung eines Psychologen und eines Psychosomatikers wurden dabei unter anderem Risikofaktoren für Erschöpfung erörtert, die eigene Arbeitsbiographie reflektiert, aber auch das Augenmerk auf Schutzstrategien und Ressourcen gelenkt. Darüber hinaus stand das Thema „Altern im Pflegeberuf“ auf der Agenda, und es wurden die Vorteile der generationenübergreifenden Zusammenarbeit benannt. Großen Raum nahm ein Training gemäß dem SOK-Modell ein, nach dem man sich weniger, aber erreichbare Ziele setzt (Selektion), einen optimalen Weg sucht, um diese zu erreichen (Optimierung), und sich Alternativen für den Fall plötzlich auftretender Probleme überlegt (Kompensation). „Studien haben gezeigt, dass diese Handlungsstrategien älteren Beschäftigten helfen können, ihre Ressourcen gezielter einzusetzen und so ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Voraussetzung dafür sind allerdings genügend eigene Entscheidungsspielräume“, meint Professor Dr. phil. Andreas Müller, Arbeitspsychologe an der Universität Duisburg-Essen.

Teilnehmer können besser abschalten

Vor Beginn und nach Abschluss des Programms gaben die Teilnehmerinnen in ausführlichen Fragebögen Auskunft über ihr psychisches Wohlbefinden. Dabei zeigte sich, dass die Sitzungen dazu beitrugen, die subjektive Lebensqualität zu verbessern. Die hierfür ermittelten Werte lagen deutlich höher als bei den Personen der Warteliste. Bedeutend verbessert hatten sich auch die Werte für die sogenannte Irritation – also die emotionale und kognitive Beanspruchung durch den Beruf, quasi eine Vorstufe des Burnouts. Die Teilnehmerinnen gaben am Ende der Studie an, nach der Arbeit besser abschalten zu können und weniger müde und gereizt zu sein. „Unsere Studie belegt, dass alternde Mitarbeiter gut über solche Präventionsprogramme erreicht werden können“, folgern Maatouk und seine Kollegen. Die Inhalte ließen sich auch an andere Berufsgruppen anpassen.

Quellen:
„Macht Krankenhaus krank?“ – Gesundheitsförderliche und krankmachende Bedingungen im Klinikalltag, Pressemeldung der DGAUM, 21.2.2018
„Klar kann ich noch!“ – Wie ältere Pflegende sich die Motivation für den Beruf bewahren können, Pressemeldung der DGPM, 5.3.2018

cp/KWM
Bildquelle: ©
Kirsten Oborny/ Thieme Gruppe

 

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