Gesundheit im Wandel: Chancen und Risiken digitaler Medizin

Videosprechstunden werden immer beliebter, ebenso wie Online-Terminbuchungen und Gesundheits-Apps. Auch das Interesse an der elektronischen Patientenakte ist groß. Und 9 von 10 Patienten würden ihre Daten für Forschungszwecke zur Verfügung stellen. Die Digitalisierung verändert das Gesundheitswesen nachhaltig. Wir sind mittendrin in einem fundamentalen Wandel. Viele digitale Services erfreuen sich in der Bevölkerung hoher Akzeptanz – mit steigender Tendenz. Welche weiteren Möglichkeiten im Smart-Health-Bereich gibt es? Und ist deren Realisierung auch ethisch vertretbar?

Digitalisierung mit zunehmender Akzeptanz

Bessere Vernetzung, höhere Transparenz und effizientere Prozesse – die Digitalisierung trägt nachhaltig zu Effizienzsteigerungen bei. Auch und gerade im Gesundheitswesen. Die Corona-Pandemie war diesbezüglich ein regelrechter Weckruf. Unter den Patienten ist die Akzeptanz für die Digitalisierung im Gesundheitswesen schlagartig gestiegen: von 53 Prozent vor der Pandemie auf 75 Prozent während der Pandemie. Der Großteil mahnt sogar ein schnelleres Tempo bei der Umsetzung an.

Die Akzeptanz unter den Nutzern – in dem Fall unter den Patienten bzw. in der Bevölkerung – ist ein elementarer Erfolgsfaktor für den digitalen Wandel im Gesundheitswesen generell. Der Nutzwert digitaler Lösungen übersteigt mittlerweile die früher vorherrschenden Sorgen um Datenschutz und Datensicherheit. Das belegt auch die große Offenheit für Datenspenden, selbst für private Forschungszwecke.

Wie weit darf Digitalisierung gehen?

Doch Digitalisierung ist facettenreich. Technisch gibt es nahezu keine Grenzen mehr. Momentan sind die Patienten mit Themen wie digitalem Impfnachweis, elektronischer Terminvereinbarung oder Video-Konsultationen konfrontiert. Auch mit dem E-Rezept und der elektronischen Patientenakte setzen sie sich auseinander. Zurecht. Aber was ist mit Themen wie OP-Robotern oder der auf künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Auswertung von Krankheitssymptomen? Können sich die Pflegebedürftigen von morgen vorstellen, im hohen Alter von einem Pflegeroboter versorgt oder einem KI-gesteuerten Kuscheltier – wie der Therapie-Robbo „Paro“ – unterhalten zu lassen?

Laut einer Caritas-Umfrage liegt die Zustimmung für Pflegeroboter bei zirka 50 Prozent. Aber bisher geht es dabei um die reine Theorie. Wie sieht das künftig in der Praxis aus? Und ist das ethisch überhaupt vertretbar? Diese Frage stellt sich insbesondere bei weitergehenden Möglichkeiten der modernen Medizin – bis hin zum Einsatz der Genschere. Gefragt nach deren Akzeptanz lehnt weltweit ein Drittel den Einsatz ab, ebenso viele sind aber dafür. Ein weiteres Drittel hat sich noch keine Meinung gebildet. Wobei es globale und thematische Unterschiede gibt: So wird die Herbeiführung von Krankkheitsresistenzen eher begrüßt als der Einsatz für Leistungssteigerungen. Und in Kanada gibt es mehr Befürworter als im deutschsprachigen Raum.

Projekt „DiMEN“: Der Bedeutung von Medizinethik Rechnung tragen

Aber wo liegen die ethischen Grenzen? Hier ist ein öffentlicher Diskurs erforderlich. Und eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema durch all diejenigen, die aktiv im Gesundheitswesen tätig sind. Allen voran heutige und künftige Mediziner. Aber noch immer ist Medizinethik in der Ausbildung eher die Ausnahme als die Regel. Das Digital Medical Ethics Network (DiMEN) soll das ändern. Gefördert von der Volkswagenstiftung und initiiert durch die Medizinethiker Prof. Dr. Robert Ranisch von Universität Potsdam sowie Prof. Dr. Dr. Urban Wiesing und Prof. Dr. Hans-Jörg Ehni von der Universität Tübingen soll das Thema Medizinethik – gerade vor dem Hintergrund der Digitalisierung – verstärkt in den Fokus der modernen Medizin und insbesondere der Ausbildung rücken. Denn mit der digitalen Transformation ändern sich nicht nur die Möglichkeiten des Machbaren, auch die eigenen Werte und Gewissheiten sind einem Wandel unterworfen und müssen entsprechend thematisiert werden (können).

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