Gewalt gegen Klinikmitarbeiter nimmt zu! Das können Sie tun!

Gewalt gegenüber Klinikmitarbeitern © shocky – Fotolia.com

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Haben auch Sie schon darüber nachgedacht, Sicherheitspersonal vor dem Eingang der Notaufnahme zu postieren, weil verbale und körperliche Angriffe auf Ärzte und Pflegepersonal zunehmen? Immer mehr Klinikverantwortliche suchen nach Möglichkeiten, der wachsenden Gewalt zu begegnen. Aber woher rühren die Probleme und mit welchen Maßnahmen kann man ihnen begegnen? Hier einigen Beispiele aus der Praxis.

Problematisch: Überfüllte Notaufnahmen

Allein im Klinikverbund Nürnberger Land melden Mitarbeiter monatlich zwischen 30 und 40 Vorfälle, die mit Beleidigungen und körperlichen Übergriffen einhergehen. Günter Niklewski ist Ärztlicher Direktor am Klinikum Nürnberg und beobachtet die zunehmende Gewalt sehr genau. Die steigenden Patientenzahlen – gerade in den Notaufnahmen – sind für ihn ein Teil des Problems. Die Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) verzeichnet hier seit 2005 jährlich einen Zuwachs um vier bis acht Prozent. Die Wartezeiten sind deshalb häufig sehr lang, das birgt Konfliktpotenzial:

„Zu warten, scheinbar nicht beachtet zu werden und anderen schwerkranke Patienten leiden zu sehen – das schürt Angst und macht manchen aggressiv“, erklärt er gegenüber dem Gesundheitswirtschaftsmagazin „kma“.

Anspruchsdenken und Aggressivität unter Drogeneinfluss

Florian Demetz, der die Notfallaufnahme am Klinikum Ingolstadt leitet, bemerkt zudem, dass immer mehr Patienten das Krankenhaus mit dem Anspruch betreten, sofort behandelt zu werden. Da das nicht gewährleistet werden kann, kommt es zu Konflikten mit dem Personal. Andere Verantwortliche sprechen über „Gewaltexzesse“, die sie mit dem Konsum von synthetischen Rauschmitteln, wie Crystal Meth, in Zusammenhang bringen. Zudem scheint insgesamt die Hemmschwelle gegenüber Personen „mit ordnender Funktion“ zu sinken, wie Kirsten Gaede in ihrem Beitrag schreibt. So klagen zum Beispiel immer mehr Beschäftigte der Polizei, des Rettungsdienstes und auch der Deutschen Bahn über körperliche Übergriffe.

Wachschutz oder Deeskalationstraining?

Krankenhäuser reagieren unterschiedlich auf die Vorfälle. Während einige Einrichtungen einen Wachschutz engagieren und dafür tief in die Tasche greifen, setzen andere auf Deeskalationstraining für ihre Mitarbeiter. Ein bis zweimal im Jahr finden Veranstaltungen statt, in denen sie auf unangenehme Situationen vorbereitet werden und lernen, darauf besonnen zu reagieren. Die Anwesenheit ist Pflicht. Andere Häuser statten ihre Mitarbeiter mit Geräten aus, mit denen sie einen Notruf absetzen können, um Kollegen oder Sicherheitskräfte zur Hilfe zu rufen. Zudem etablieren manche Kliniken ein Meldesystem für das Klinikpersonal. Hier werden Art und Zusammenhang der Übergriffe aufgenommen. Das hilft der Geschäftsführung dabei, die Lage in ihrem Haus einzuschätzen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. In manchen Fällen bestärkt die Klinikleitung das Personal auch darin, Anzeige zu erstatten, und bietet den Betroffenen Rechtshilfe an.

Systematische Gefährdungsbeurteilung

Wie und in welchem Umfang Kliniken Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, obliegt der Leitung. Fest steht, dass kaum jemand das Thema noch ignorieren kann, konstatiert Kirsten Gaede in der „kma“. Vielen mangele es jedoch an einer systematischen Gefährdungsbeurteilung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen, wie Heike Schambortski von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) beklagt. Eine solche diene nicht nur der Sicherheit der Mitarbeiter, sondern sei auch für die rechtliche Absicherung Geschäftsführung notwendig. So überprüfe die Staatsanwaltschaft bei schweren Vorfällen durchaus auch, ob eine geeignete Gefährdungsbeurteilung vorliegt.

Wenn Sie noch nicht über eine solche Gefährdungsbeurteilung verfügen, die BWG hat auf Ihrer Internetseite zusammengefasst, welche sieben Schritte dazu notwendig sind.

Quelle:

fzmednews, Türsteher vor der Notaufnahme: Kliniken reagieren auf Gewalt gegen ihre Mitarbeiter, Oktober 2016, basierend auf:
K. Gaede: Mitarbeitersicherheit: Was tun?
kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin 2016; 21 (10); S.30–32.
K. Gaede: Sicherheitskonzept: Kliniken sind keine Flughäfen…
kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin 2016; 21 (10); S.32–35

cp/KWM
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