Green Hospital: Nachhaltiger dank Wissensmanagement

Der Gesundheitssektor trägt mit durchschnittlich fünf bis zehn Prozent zum weltweiten CO2-Ausstoß bei. Zumindest in den Industrienationen. Ein Großteil davon geht auf das Konto von Krankenhäusern. Vielerorts versuchen Kliniken daher, mit innovativen Heizsystemen, dem Einsatz erneuerbarer Energien und intelligenter Wärmedämmung „grüner“ zu werden. Auch das Wissensmanagement bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte, um nicht nur den CO2-Ausstoß zu reduzieren, sondern gleichzeitig auch wertvolle finanzielle und personelle Ressourcen einzusparen.

Lichtenfels – Leuchtturmprojekt auf dem Weg zum Green Hospital

Niedriger Energieverbrauch durch nachhaltige Stromversorgung und eine am Passivhausstandard ausgerichtete Gebäudehülle machen das Klinikum Lichtenfels zum Leuchtturmprojekt von Green-Hospital-Initiativen und damit zum Vorbild für andere Einrichtungen im Gesundheitswesen.[1] Bei dem ausgezeichneten Projekt handelt es sich allerdings um einen Neubau, bei dem sich Planung, Umsetzung und Inbetriebnahme konsequent am Nachhaltigkeitskonzept ausgerichtet haben. Wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung inklusive. Lichtenfels ist damit zweifelsohne ein Vorreiter für mehr Nachhaltigkeit im Krankenhaus. Allerdings ist die Umsetzung mit hohen Kosten verbunden. Und nicht überall steht gerade ein Neubau an. Budgets für nachhaltige Umstrukturierungen fehlen in der Regel.

Doch für mehr Nachhaltigkeit braucht man nicht unbedingt Architekten oder Bauherren. Es gibt darüber hinaus in jedem Krankenhaus zahlreiche Möglichkeiten, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und damit nachhaltiger zu werden. Das Hauptaugenmerk gilt dabei den Chancen rund um die Digitalisierung. Gerade für digitale IT-Anwendungen und Prozesse werden derzeit vielerorts Gelder in die Hand genommen, um den Weg hin zum Krankenhaus 4.0 gehen: Prozesse automatisieren und dadurch Ressourcen einsparen, ist die oberste Devise der Vorhaben. Eine brandaktuelle Studie des Beratungshauses McKinsey[2] hat die möglichen Einsparpotenziale, die Krankenhäuser durch die Digitalisierung erreichen können, auf 42 Milliarden Euro beziffert. Und zwar pro Jahr. Das sind – grob gerechnet – zwölf Prozent der gesamten Gesundheits- und Versorgungskosten, die in Deutschland jährlich anfallen.

Auch Blue Hospitals haben die Nachhaltigkeit im Visier

Doch die Digitalisierung einzelner Klinikprozesse und ganzer Krankenhauslandschaften spart nicht nur Kosten. Es werden zudem Zeitressourcen freigesetzt. Das Personal wird nachhaltig entlastet. Zudem hat die Digitalisierung das Potenzial, den CO2-Fußabdruck von Gesundheitseinrichtungen maßgeblich zu beeinflussen. Aufgrund von Papier-, Strom- und Farbverbrauch verursacht ein Standardbrief – abhängig von der gewählten Berechnungsmethode – einen CO2-Ausstoß von 20 Gramm. Und zwar pro einzelnem Brief. Eine E-Mail hingegen ist nur für 4 Gramm verantwortlich. Natürlich kann man diskutieren, dass dieser Wert je nach Größe des Dateianhangs sowie der Art und Dauer der Speicherung durchaus großen Schwankungen unterliegen kann. Dennoch veranschaulicht dieses vermeintlich kleine Beispiel, welche Wirkung die Digitalisierung auf dem Weg zu nachhaltigerem Agieren hat.

Und genau hier kommt das Konzept des „Blue Hospitals“[3] ins Spiel: Es zielt darauf ab, wirtschaftlicher zu werden und die Patientenversorgung zu verbessern – realisiert durch ein Mehr an Energieeffizienz und einen bewussteren Umgang mit den vorhandenen Ressourcen. Bei der Umsetzung kommen wissensbasierte Methoden zum Einsatz, die das Krankenhaus und dessen Ressourcen ganzheitlich betrachten. Dabei stehen unter anderem Prozesse zur Datenerfassung im Fokus der Bestrebungen. Und Datenerfassung sowie -verarbeitung sind wichtige Aspekt, der im Zuge von bevorstehenden Digitalisierungs- und damit Wissensmanagement-Vorhaben immer mit berücksichtigt werden müssen. So gelingt es Kliniken, auch ohne zusätzliche Investitionskosten nachhaltiger zu werden.


Quellen:

[1] https://www.stmgp.bayern.de/presse/huml-green-hospital-lichtenfels-setzt-neue-standards-bayerns-gesundheitsministerin-idee/

[2] https://www.mckinsey.de/~/media/mckinsey/locations/europe%20and%20middle%20east/deutschland/news/presse/2018/2018-09-25-digitalisierung%20im%20gesundheitswesen/langfassung%20digitalisierung%20im%20gesundheitswesen__neu.ashx

[3] www.vde.com/de/fg/dgbmt/arbeitsgebiete/projekte/blue_hospital

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