Hat die Digitalisierung das Zeug dazu, den Pflegenotstand auszubremsen?

Digitalisierung in der Pflege © Minerva/Adobe.Stock.com

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Die deutsche Bevölkerung gibt der Pflege laut einer Befragung des Digitalverbands Bitkom im Durchschnitt nur die Note 4 – also ausreichend. Im Zuge des sich verschärfenden Fachkräftemangels befürchten sie sogar einen weiteren Abwärtstrend. Auch mangelnde Qualifizierung und fehlende technische Ausstattung gehören für sie zu den größten Pain Points im System. Die Digitalisierung – als Teilbereich des Wissensmanagements – hat das Potential, eine Kehrtwende einzuläuten.

Digitale Lösungen 4.0 im Kampf gegen den Fachkräftemangel

Videosprechstunden, intelligente Assistenzsysteme und sogar Pflegeroboter – die Deutschen sind digitalen Lösungen in der Pflege durchaus aufgeschlossen. Laut Bitkom sind 33 Prozent fest davon überzeugt, dass die Digitalisierung den drohenden Pflegenotstand zumindest lindern kann. 23 Prozent sehen sie sogar als zwingende Voraussetzung im Kampf gegen den Fachkräftemangel in der Pflege.

Rezepte aus dem Toolkasten des Wissensmanagements

Für die Umsetzung stehen zahlreiche Tools und Methoden aus dem Werkzeugkasten des Wissensmanagements bereit: von der Telemedizin über elektronische Rezepte und digitale Pflegeakten bis hin zur zeitlichen und körperlichen Entlastung der Pflegekräfte und einer damit einhergehenden Aufwertung des Pflegeberufs. Das bedeutet unter anderem auch eine leichtere Pflegedokumentation durch Automatisierung und Vernetzung sowie die Vermeidung von Haus- und Heimbesuchen dank digitaler Alternativangebote.

Die Politik in der Pflicht

Damit das gelingt, bedarf es zum einen politischer Interaktion. So müssen digitale Gesundheitslösungen zur Kassenleistung werden. Zudem dürfen digitale Versorgungswege weder im Leistungsumfang noch in der Vergütung schlechter gestellt sein als die klassische analoge Versorgung. Auch die weitere Liberalisierung von Fernbehandlungen gehört zu diesem Themenkomplex.

Auch die Gesundheitsdienstleister müssen ihren Teil leisten

Doch die Politik allein kann die Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht voranbringen. Auch die Dienstleister selbst sind in der Pflicht. So müssen beispielsweise Kliniken zunächst die technischen, organisationalen und kulturellen Voraussetzungen schaffen, die für die Digitalisierung zwingend erforderlich sind. Das heißt: weg von der bisherigen Zettelwirtschaft. Weg vom Silodenken. Und weg vom Wissen-ist-Macht-Anspruch.

Der Weg führt über das Wissensmanagement

Der Weg hin zur Digitalisierung führt über elektronische Datenhaltung, vernetzte Systeme und eine Klinikkultur, in der die Mitarbeiter ihr Wissen hierarchieübergreifend bereitstellen und aktiv teilen. Also über das Wissensmanagement.

Pflege 4.0 – eine Wunschliste

Laut Bitkom wünschen sich die Bürger, speziell für die Pflege ihrer Angehörigen:

  • automatische Notfall-Benachrichtigungen via Smartphone (85 Prozent)
  • die Ortung dementer Personen via GPS (82 Prozent)
  • intelligente Bettsysteme (80 Prozent)
  • eine sensorgestützte Überwachung (74 Prozent)
  • elektronische Pflegeakten (73 Prozent)
  • Video-Telefonate am Pflege- bzw. Krankenbett (71 Prozent)

Keine digitale Pflege ohne digitale Daten

Technisch ist das alles problemlos realisierbar. Allerdings bedarf es dafür einer zentralen Voraussetzung: digitale Daten. Alle Informationen, alle Fakten, Zahlen, Ergebnisse und sonstigen Wissensbausteine müssen elektronisch erhoben werden und damit Eingang finden in ein zentrales Wissenscockpit. Dieses Wissenscockpit – sei es ein Krankenhaus-Informations-System oder eine andere Lösung – dient als Ausgangspunkt, um das vorhandene Wissen nutzbar zu machen, zum Beispiel in Form digitaler Akten oder für Notfallsysteme. Die Anwendungsmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt.

nl/KWM
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