Healing Architecture unterstützt die Genesung der Patienten

Healing Architecture © Evoque/AdobeStock

© Evoque/AdobeStock

Lange gerade Flure, kaltes Licht und sterile Zimmer. Das verbinden viele Menschen mit dem Krankenhaus. Gleichzeitig setzt ein gewisses Unbehagen ein. Immer mehr Kliniken möchten jedoch, dass sich Patienten wohlfühlen und dadurch rascher genesen. Sie setzen auf Healing Architecture: Das bedeutet, Gebäude und Räume werden so gestaltet, dass sich Patienten, Angehörige und Arbeitskräfte gleichermaßen wohlfühlen. Studien belegen den Erfolg dieses Ansatzes. Demnach erholen sich beispielsweise frisch Operierte schneller, wenn neben der medizinischen Versorgung auch das Ambiente stimmt.

Lebenszeit statt Wartezeit

Farben, Materialien, Licht und Temperatur haben Auswirkungen auf den Genesungsprozess. Entsprechend gibt es für Kliniken viele Möglichkeiten ihren Patienten den Krankenhausaufenthalt angenehmer zu machen.

Bereits im Wartebereich können Nischen für etwas mehr Privatsphäre sorgen, statt die Sitze an der Wand entlang auszurichten. Gleichzeitig schafft der Abbau von Barrieren an anderer Stelle eine offene Atmosphäre in Warteräumen: Wenn unnötige Sichtblockaden wie Tresen oder hohe Regale weichen, erlangen die Wartenden ein Gefühl von Weite und können durchatmen.

Körperliches und seelisches Wohlbefinden

Schwererkrankte, wie Krebspatienten, können von den Ansätzen der Healing Architecture besonders profitieren. Während der Chemotherapie befinden sich oft mehrere Patientinnen und Patienten über viele Stunden in einem großen Raum. Wenn hier räumliche Nischen Rückzugsmöglichkeiten bieten, kommt dem Schutzbedürfnis des einzelnen Patienten entgegen.

Eine weitere wichtige Komponente ist das Licht. Untersuchungen zufolge nehmen Kranke Räume dunkler wahr als Gesunde. Individuell regulierbare Lampen in den Patientenzimmern sorgen für die gewünschte Helligkeit und ein Gefühl der Kontrolle. Neben genügend Licht, im besten Falle Tageslicht, sorgen auch warme Farben für eine entspanntere Atmosphäre.

Zudem empfinden Erkrankte ihre Umgebung oft als kälter, als sie tatsächlich ist. Lässt sich die Temperatur individuell regulieren, erleben die Menschen ihre Behandlung stressfreier. Das trägt zum Wohlbefinden bei.

Auch die Nähe zur Natur, ein Park, begrünte Innenhöfe oder Pflanzen, fördert die Regeneration. Bereits in den 1980er Jahren haben Umweltpsychologen den positiven Einfluss der Natur auf den Heilungsprozess untersucht. Die Wissenschaftler verglichen zwei Patientengruppen nach einer Gallenblasen-OP. Während die einen von ihrem Zimmer aus auf eine Steinmauer schauten, blickten die anderen in die Natur. Das Ergebnis: Mit Blick ins Grüne beklagten sich die Patienten weniger beim Pflegepersonal und benötigten weniger Schmerzmittel. Darüber hinaus hatten sie weniger post-operative Komplikationen und eine insgesamt verringerte Verweildauer.

Auch beim Verlassen eines Arztzimmers hilft der Blick auf ins Grüne statt in den kahlen Krankenhausflur. Generell stärken Innenhöfe die Verbindung zwischen Innen- und Außenraum. Patienten, Mitarbeiter und Angehörige erhalten so die Möglichkeit, schnell nach Draußen zu gelangen. Auch kurze Pausen können dann zur Erholung genutzt werden.

Das Arztzimmer: Sprech- und Untersuchungsraum trennen

Im Arztzimmer ist es gut, wenn Sprech- und Untersuchungsbereich voneinander getrennt sind. Die Untersuchung, bei der sich Patienten häufig entkleiden müssen, verunsichert sie oft. Da ist es gut, wenn das anschließende Gespräch in einem anderen Raum stattfindet. Negative Gefühle wie Angst und Scham können so reduziert werden, sodass ein Arzt-Patienten-Gespräch auf Augenhöhe möglich ist.

Beim Besprechen der Diagnose oder Therapie ist es wiederum wichtig, einen Ort ohne Barrieren zu schaffen. Durch einen großen Schreibtisch vom Patienten getrennt, wirkt ein Arzt gegebenenfalls distanziert. Eine Sitzecke mit einem kleinen Tisch schafft mehr Nähe und Vertrauen. Ebenfalls wichtig: Beim Gespräch sollte weder der Arzt noch der Patient durch Gegenlicht gestört werden, um gegenseitig Blickkontakt halten zu können.

Buchtipp
Sylvia Leydecker
Das Patientenzimmer der Zukunft
Birkhäuser Verlag, 2017

 

 

 

Quellen:
www.healthcare-tub.com
Gut geplante Krankenhäuser: Wie Architektur unsere Psyche beeinflusst, SWR Odysso, März 2018
Healing Architecture: Wenn Architekten Ärzten helfen. Interview mit Prof. Christine Nickl-Weller, kma Report Bauen Planen Technik, Juli/August 2019
Dr. Tanja Vollmer und Gemma Koppen: Healing Architecture in der Klinik, Klinik Wissen Managen, Juni 2015

wrm/KWM
Bildquelle:
© Evoque/AdobeStock

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar