Healing Art: Tipps zur Umsetzung in der Klinik

© enterlinedesign/Adobe.Stock

© enterlinedesign/Adobe.Stock

Was bewirkt Kunst im Krankenhaus? Wie können Kliniken Healing-Art-Projekte realisieren? Antworten darauf gibt Isabel Grüner, Kunstbeauftragte am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) in Stuttgart.

Im RBK wird seit 1998 zeitgenössische Kunst für die verschiedensten Bereiche des Hauses eingesetzt, unter anderem für Patientenzimmer und Intensivstationen. Von der Robert Bosch Stiftung als Pilotprojekt finanziert, umfasst die Maßnahme inzwischen 48 Kunst-am-Bau-Projekte und findet deutschlandweit großen Zuspruch.

Frau Grüner, was spricht für Kunst im Krankenhaus?

Isabel Grüner: Kunst ist ein wichtiger Bestandteil des „Healing Environment“. Das belegen zahlreiche Studien, die seit den 1980er Jahren vorwiegend im englischsprachigen Raum erschienen sind.

Auch wir konnten 2004 mit einer stationsinternen Studie auf der Intermediate Care Station (IMC) die Heilungswirkung von Kunst belegen. Damals hatten wir auf Anregung des medizinischen Personals erstmalig Decken künstlerisch gestalten lassen. Durch diese optischen Reize tragen wir im Rahmen des Pflegekonzepts der Basalen Stimulation zur Delirprävention bei.

Kunst bildet durch ihre sinnliche Qualität einen Gegenpol zur meist funktionalistischen Architektur, hilft durch optische Blickpunkte bei der Orientierung, schafft Aus- und Einblicke und trägt nicht zuletzt zu einer wertschätzenden Atmosphäre bei. Diese unterstützt nicht nur den Heilungsprozess der Patienten, sondern verschönert auch das Arbeitsumfeld der Mitarbeiter, fördert deren Gesunderhaltung und Kreativität. Auch für Besucher ist ein Krankenhaus mit Kunst attraktiver.

Was ist Voraussetzung, um ein derartiges Projekt erfolgreich durchführen zu können?

Isabel Grüner: Die Entscheidung, Kunst in den Krankenhauskontext zu integrieren, muss von der Krankenhausleitung unterstützt werden. Diese sollte vom Mehrwert der Healing Art im Krankenhaus überzeugt sein. Sonst läuft dieser Ansatz Gefahr, in den hierarchischen Interessensstrukturen und kleinteiligen Kostenzwängen zerrieben zu werden.

Bei Neubauten sollte das Projekt direkt im Leistungskatalog der Architekten verankert werden. Nur so können Künstler und Planer auf Augenhöhe kommunizieren, Kunstkonzepte maßgeschneidert in die Krankenhausarchitektur eingepasst und die Wirkung des Raums optimiert werden.

Wie gehen Sie bei einem Kunst-Projekt vor?

Isabel Grüner: Grundsätzlich führe ich bei allen Kunstprojekten im RBK zunächst intensive Gespräche mit den Nutzern der Bereiche. Dadurch können wir die Kunst besser auf die Bedürfnisse der Patienten und die funktionalen Begebenheiten abstimmen. Bei der Auswahl der Projekte garantiert eine Kunstkommission mit Vertretern verschiedener Berufsgruppen die Berücksichtigung medizinischer, psychologischer und kunsthistorischer Aspekte. So vermeiden wir Fehlentscheidungen und unerwünschte Nebenwirkungen von Kunst auf Patienten.

Lässt sich Healing Art auch in Kliniken ohne Kunstbeauftragte und Stiftung umsetzen?

Isabel Grüner: Davon bin ich überzeugt! Kunstprojekte können durch Fundraising, Sponsoring oder Freundes- und Fördervereine finanziert werden. In England ist Fundraising ein etabliertes Mittel, um Geld zu beschaffen – nicht nur für einzelne Kunstprojekte, sondern sogar für ganze Institute.

Kunst im Gesundheitssektor ist ein emotional und ästhetisch berührendes und damit öffentlichkeitswirksames Thema. Firmen und Privatpersonen, die sich auf diesem Gebiet engagieren, demonstrieren damit gesellschaftliche Verantwortung. Das wirkt sich wiederum positiv auf ihr Image aus. In sich abgeschlossene Klinikbereiche, wie etwa eine Pflegestation können je nach verwendeten Materialien und Bekanntheitsgrad der Künstler ab einem Betrag von € 500 pro Zimmerkünstlerisch ausgestattet werden. Der Name der Förderer oder Sponsoren ließe sich im Eingangsbereich der Station namentlich aufführen und in begleitenden Textmaterialien erwähnen.

Für die fachliche Unterstützung können Kliniken freiberufliche Kunstberater engagieren, die Kunstprojekte in Krankenhäuser vermitteln und diese auch konservatorisch betreuen.

ep/kwm

© Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart

© Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart

Isabel Grüner

ist seit 2001 Kunstbeauftragte am Robert-Bosch-Krankenhaus. Die Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin hat dieses Jahr das Buch „Healing Art. Wie Kunst im Krankenhaus Heilung fördert“ herausgegeben, in dessen Mittelpunkt das RBK-Projekt steht.

Hier geht es zum Titel Healing Art

Hinterlassen Sie einen Kommentar