Herausforderung der Zukunft: Geriatrische Patienten

Es wird viel diskutiert über den „demografischen Wandel“. Die Tatsache, dass bei einer höheren Lebenserwartung gleichzeitig weniger Kinder geboren werden, ist eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen heute und in den kommenden Jahrzehnten. Dazu gehört auch die fachspezifische Versorgung von älteren Patienten in den Kliniken. Der Bundesverband Geriatrie e.V. fasst in der nunmehr dritten Auflage seines „Weißbuch Geriatrie“ aktuelle Zahlen und Handlungsempfehlungen zusammen.

Steigende Fallzahlen und notwendige Bettenkapazitäten

Die Zahlen sprechen für sich: 2013 erfasste das Statistische Bundesamt 274 Krankenhäuser mit geriatrischen Abteilungen. Bis 2015 stieg die Zahl der Fachabteilungen auf 406, wie eine Umfrage des Bundesverbandes Geriatrie belegt. Des Weiteren sind die Fallzahlen in geriatrischen Krankenhausabteilungen zwischen 2007 und 2013 um 43 Prozent gestiegen. Die Auslastung der Bettenkapazität lag 2013 bei 92 Prozent, ist also als Vollauslastung zu werten. Mit einem Blick auf die Bevölkerungsentwicklung rechnen die Autoren damit, dass der Bedarf bis 2025 und darüber hinaus noch weiter steigen wird. Allein für den Krankenhaussektor prognostizieren sie einen Mehrbedarf an 3.623 Betten für ältere Patienten im Jahr 2025.

Geriatrische Patienten bei Aufnahme identifizieren

„Der geriatrische Patient im Mittelpunkt“, so ist das zweite Kapitel im Weißbuch überschrieben. Es weist auf die Besonderheiten dieser wachsenden Patientengruppe hin:

  • Ältere Patienten leiden meist unter mehr als einer Krankheit (Multimorbidität).
  • Krankheiten im Alter präsentieren sich unterschiedlich, häufig wird eine eindeutige Diagnose dadurch erschwert.
  • Bei ihnen treten häufiger Komplikationen und Folgeerkrankungen auf.
  • Ältere Patienten sprechen häufig verzögert auf die Behandlung an.
  • Aufgrund ihres Alters haben sie ein erhöhtes Risiko, infolge einer Krankheit ihre Selbstbestimmtheit einzubüßen.
  • Geriatrische Patienten benötigen daher nicht nur medizinische, sondern auch soziale Unterstützung.

Damit die Versorgung geriatrischer Patienten gelingt, ist es wichtig, sie als solche zu erkennen, betonen die Autoren und empfehlen entsprechende Untersuchungen bei der Patientenaufnahme. In einem solchen Geriatrischen Assessment ermitteln Ärzte bereits zu Beginn des Krankenhausaufenthaltes, inwieweit ältere Patienten ihren Alltag noch allein bewältigen (Barthel Index), wie mobil sie sind (Time-up & Go-Test) und wie es um ihre kognitiven Leistungen bestellt ist.

Ärzte mit der Weiterbildung Geriatrie werden in Zukunft daher eine wichtige Rolle spielen. Nicht nur aufgrund ihres medizinischen Fachwissens, sondern auch, weil ihnen obliegt, die interdisziplinäre Versorgung der Patienten in der Klinik zu koordinieren und eine bedarfsgerechte Anschlussbehandlung in die Wege zu leiten.

Daraus ergeben sich nicht zu unterschätzende ökonomische Effekte: „Eine leistungsfähige Geriatrie hilft dem älteren Patienten, seine Potenziale für ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben möglichst optimal auszuschöpfen und kann so nachfolgend Kosten in angrenzenden Sektoren des Gesundheitswesens vermeiden; die Effekte sind von gesamtgesellschaftlichem Interesse“, betonen die Autoren.

Wer sich über die Versorgungsstrukturen und -konzepte in den einzelnen Bundesländern informieren und mehr über die Vergütung und Finanzierung geriatrischer Einrichtungen erfahren möchte, wird im „Weißbuch Geriatrie“ fündig werden.

Zum Bundesverband Geriatrie e.V. (BVG)

Der BVG vertritt als Spitzenverband die Träger der Einrichtungen, die sich unter fachärztlicher Leitung der medizinischen Versorgung geriatrischer Patienten widmen. Dazu gehören unter anderem geriatrische Fach- und Rehabilitationskliniken, Krankenhausabteilungen sowie Einrichtungen der Ambulanten und der Mobilen Geriatrischen Rehabilitation.

Quellen:
Bundesverband Geriatrie e.V. (Hrg.):
Weißbuch Geriatrie
Band I: Die Versorgung geriatrischer Patienten – Strukturen und Bedarf
Verlag W. Kohlhammer
Stuttgart, 3. Auflage 2017

cp/KWM

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