Hygiene ist Chefsache

Hygiene ist Chefsache

© Fotolia – Antonio Gravante

Immer wieder machen Hygienedefizite in Deutschlands Krankenhäusern Schlagzeilen. Oft tragen strukturelle Probleme oder fehlerhafte Schnittstellen dazu bei, dass sich Erreger ausbreiten oder OP-Besteck mangelhaft gereinigt ist. In immer mehr Kliniken arbeiten Hygieneverantwortliche deshalb eng mit der Leitung zusammen. Aufmerksame Chefs stehen in direktem Kontakt zu ihnen. Gemeinsam stellen sie die Weichen für mehr Transparenz und eine gute Hygiene. Im besten Fall können sie so mit ihren Leistungen werben und Patienten für sich gewinnen.

Es sind oft einfache Dinge, die Hygieneverantwortliche in Kliniken überprüfen: Sind die Patientenzimmer alle mit Desinfektionsspendern ausgestattet? Funktionieren sie? Sind sie gefüllt? Wie hoch ist der Verbrauch? Die Voraussetzungen für die Händedesinfektion sind denkbar einfach, entziehen sich aber oft dem Blick der Klinikverantwortlichen.

Handlungsanweisungen geben Sicherheit

Ungleich schwerer ist es, die Umsetzung von Vorschriften durch Ärzte und Pfleger zu gewährleisten. Henning Rüden leitet die Zentrale Krankenhaushygiene des Helios Klinikkonzerns. Gegenüber der Fachzeitschrift „kma“ berichtet er zum Thema Hygiene, wie wichtig ein Leitfaden für die Mitarbeiter ist, an dem sie sich orientieren können. Er selbst hat darüber hinaus einen speziellen Erregerleitfaden entwickelt: Dieser enthält genaue Informationen zu Übertragungswegen, Isolationsmaßnahmen, Reinigungsregeln und Meldepflichten bei 23 verschiedenen Bakterien und Viren. Das Dokument ist gleichzeitig eine Dienstanweisung und damit für alle Mitarbeiter bindend.

Fehler offen ansprechen

Das entbindet Hygienefachkräfte in den einzelnen Häusern oder Stationen jedoch nicht von der Verantwortung genau hin zu schauen. Bemerken sie Verstöße gegen die geltenden Richtlinien, sollten sie die Mitarbeiter in einem direkten Gespräch darauf aufmerksam machen. Darauf weist auch Juliane Pett in der „kma“ hin. Als Leiterin der Kompetenzstelle Hygiene des Landeskrankenhauses, mit Hauptsitz in Andernach, kümmert sie sich um die Hygienefachkräfte der 14 Verbundeinrichtungen, schult Ärzte und Pflegekräfte.

Keime sichtbar machen – für alle

In den 112 Helios Kliniken ist zudem eine Hygienefachschwester täglich damit beauftragt, die mikrobiologischen Befunde der Patienten auf Besiedlungen oder Infektionen auf Erreger zu untersuchen. Alle Keime, ob mitgebracht oder in der Klinik erworben, werden dokumentiert. Seit 2012 wird die Keimbelastung der einzelnen Häuser sogar veröffentlicht. „Zudem nehmen wir an KISS, einer deutschlandweiten Initiative zur Erfassung von Keimen teil“, erklärt Henning Rüden in der „kma“. Hierbei werden alle Infektionen auf chirurgischen Stationen, Intensivstationen sowie in der Neonatologie gemeldet. Die Teilnahme ermöglicht es jedem Mitarbeiter im Intranet die Ergebnisse seiner Klinik abzurufen und mit anderen zu vergleichen. Henning Rüden ist sich sicher:

„Das motiviert, es besser machen zu wollen.“

Verantwortliche, wie Henning Rüden, tauschen sich regelmäßig mit der Klinikleitung sowie dem Hygienepersonal aus. Damit gewährleisten sie den Informationsfluss zwischen Station und Chefetage. Mögliche Probleme können so schneller gelöst und das Hygienemanagement verbessert werden. Wer Hygiene groß schreibt, kann damit auch bei Patienten für sich werben. Das ist nicht unerheblich, denn laut einer Studie haben Patienten mehr Angst vor Erregern als vor Behandlungsfehlern (wir berichteten). So präsentiert Helios auf seiner Internetseite ein eigenes Hygieneportal. Das Landeskrankenhaus stellt seine Hygienekompetenzstelle als Bestandteil seiner Leistungen ebenfalls online dar.

Quelle:

R. König:
Hygiene: Ab jetzt Chefsache
kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin 2016; 21 (6); S.26–32

cp/KWM
Bildquelle: © Fotolia – Antonio Gravante

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