Ich weiß, was Du nicht weißt: Effizienter dank kollektiver Intelligenz in der Medizin

© clipdealer

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Warum gibt es die Empfehlung zur Zweitmeinung? Weshalb werden Diagnosen und mögliche Behandlungswege bei Tumorkonferenzen diskutiert? Die Antwort ist einfach: Weil mehrere Experten in der Regel auch mehr wissen, als nur einer – und weil durch dieses „Mehr“ an Expertenmeinungen auch die Gefahr von Fehlentscheidungen minimiert wird. Es ist also die kollektive Intelligenz (in der Medizin), die Entscheidungen noch besser machen sollen. Wir alle kennen diese Form der Wissensentwicklung. Ein Beispiel: Wikipedia-– ein Ansatz, der sich auch in Krankenhäusern nutzen lässt.

Wie funktioniert kollektive Intelligenz in der Medizin?

Statt nur auf den eigenen – auch bei Experten – oft begrenzten Wissenshorizont zu vertrauen, können verschiedene Fachspezialisten eine These optimieren, indem sie diese durch ihr individuelles Know-how bereichern. Sie gelten einerseits als „Add-on“, da sie neue Aspekte hinzufügen können. Anderseits nehmen sie eine Kontrollfunktion ein, um eventuelle (Denk-)Fehler zu entlarven. So funktioniert beispielsweise Wikipedia: Jeder Eintrag in dieser frei zugänglichen Wissensdatenbank stammt originär von einem Autor. Fällt einem Leser ein Fehler auf oder kann er ein zusätzliches Detail ergänzen, steht es im frei, die ursprüngliche Textversion einfach zu bearbeiten. Auf diese Weise werden die Artikel in Wikipedia kontinuierlich überprüft und verbessert.

Dieses Prinzip der kollektiven bzw. der Schwarm-Intelligenz ist dabei allerdings muss nicht zwangsläufig auf die Textform beschränkt sein, sondern kommt ebenso auch in mündlichen Diskussionen zum Einsatz.

Wie lässt sich Schwarmintelligenz im Klinikbetrieb nutzen?

Laut Expertenauffassung erreicht man in medizinischen Fragen die höchste Fachkompetenz unter Einbeziehung von drei bis zehn fachspezifischen Meinungen. Alles, was darüber liegt, führt in der Regel nur zu Redundanzen. Um eine solche Exaktheit im Klinikbetrieb allerdings gewährleisten zu können, bedarf es wissensintensiver Tools und Methoden. Alle relevanten Ärzte an einen Tisch zu bringen, ist angesichts der demografischen und wirtschaftlichen Herausforderungen im Krankenhaus weder realisierbar noch sinnvoll. Kollaborative Ansätze und vernetztes Arbeiten machen es jedoch möglich, an mehreren Orten gleichzeitig zu sein – und wenn es nur der Blick durch eine Tablet-Kamera ist. Die Herausforderungen, die es dabei zu bewältigen gibt, sind zunächst:

  • technischer Art: Welche Endgeräte eignen sich am besten? Oft benötigen Ärzte ungehinderte Sicht auf den Patienten, seine Labordaten und eventuellen Ergebnisse aus bildgebenden Verfahren.
  • Hinzu kommen organisationale Fragen: Wann können sich Ärzte zu solchen schwarmintelligenten Treffen verabreden? Gibt es dafür feste Zeiten? Wie funktioniert die Terminfindung? Wer koordiniert Zu- und Absagen?
  • Auch der Datenschutz spielt eine große Rolle: Wie müssen die Verbindungen verschlüsselt sein? Wer hat Zugriff? Wie erfolgt die Datenübermittlung? Gibt es Aufzeichnungen? Wenn ja, in welcher Form? Wessen Zustimmungen und welche Einverständniserklärungen sind erforderlich?

Entscheidungsprozesse aufteilen und definieren

Das klingt zunächst nach viel Aufwand – ist es aber nicht. Der einzige Aufwand ist, den Prozess einmal langfristig aufzusetzen. Die kollektive Intelligenz in der Medizin benötigt klar definierte Abläufe und Aufgabenverteilung. Letztliche profitieren alle Beteiligten von einer gemeinsamen Lösung: Patienten, weil sie die bestmögliche Diagnose erhalten und das medizinische Fachpersonal. Ärzte werden so nachhaltig entlastet, wenn sie ihre Entscheidungen nicht immer nur allein treffen müssen, sondern die Verantwortung teilen können.

 

nl/KWM

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