Ineffektive Kommunikation: Niedrigere Behandlungsqualität bei höheren Kosten

Experten vs. Laienwissen © cirquedesprit/AdobeStock

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Ärzte schätzen die Gesundheitskompetenz ihrer Patienten höher ein als sie tatsächlich ist. Eine Umfrage in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ zeigt, dass selbst bei deutschsprachigen Begriffen wie Darmspiegelung oder Sodbrennen Patienten nicht immer klar ist, was genau damit gemeint ist. Mediziner sollten besser noch einmal nachfragen, ob die Patienten sie tatsächlich verstanden hätten, so das Fazit. Eine ineffektive ärztliche Kommunikation gefährde nicht nur den Behandlungserfolg, sondern treibe auch die Kosten in die Höhe.

Viele glauben nur zu wissen

„Leiden Sie unter Angina pectoris?“ Für Mediziner ist das eine denkbar einfache Frage. Doch ein Drittel der knapp 200 Patienten, die Privatdozent Dr. med. Felix Gundling und Mitarbeiter vom Klinikum Bogenhausen in München befragten, wusste nicht, wovon der Arzt redete. Ein weiteres Drittel meinte zu wissen, was eine Angina pectoris ist. Bei einer genaueren Befragung konnten sie jedoch nicht erklären, dass es sich um anfallsartige Schmerzen in der Brust handelt, die auf schwere Durchblutungsstörungen im Herzmuskel hinweisen.

Der Begriff „Angina pectoris” ist dabei nur ein Beispiel von vielen: Etwa die Hälfte der Befragten glaubte zu wissen, was ein Body-Mass-Index, ein Teerstuhl, ein Ödem oder was Refluxbeschwerden sind. Auf Nachfrage konnten viele die Begriffe jedoch nicht erklären. Selbst bei deutschsprachigen Begriffen wie Verstopfung, Darmspiegelung oder Sodbrennen, die fast alle zu kennen glaubten, kamen einige ins Stolpern, wenn sie erklären sollten, was sie genau darunter verstehen.

Medienpräsenz von Fachbegriffen garantiert kein Wissen aufseiten der Patienten

Die Gesundheitskompetenz der Teilnehmer setzten Gundling und Kollegen in Beziehung zu den demografischen und sozioökonomischen Hintergründen der Patienten und kamen zu folgenden Ergebnissen:

  • Teilnehmer mit längerer Schulbildung konnten die Fragen häufiger richtig beantworten.
  • Frauen verfügten über mehr medizinisches Wissen als Männer. Privatversicherte waren besser informiert als Kassenpatienten.
  • Der Fernsehkonsum hatte keinen Einfluss auf den medizinischen Kenntnisstand.
  • Zeitungsleser kannten sich nur tendenziell besser aus.
  • Die Medienpräsenz vieler Fachbegriffe wie zum Beispiel Arteriosklerose oder Arterielle Hypertonie garantiert kein Wissen aufseiten der Patienten.
  • Auch häufige Arztbesuche scheinen die Patienten nicht zu bilden.
  • Ältere Menschen hatten größere Wissenslücken als jüngere.

Experten raten: Besser noch mal nachfragen

Ärzte schätzten die Kenntnisse ihrer Patienten häufig besser ein als sie sind, so Gundling. Die wenigsten würden sich deshalb durch Nachfragen vergewissern, ob die Patienten sie wirklich verstanden haben. Das sei aber für den Erfolg der Therapie wichtig: „Je besser ein Patient über seine Erkrankung informiert ist, desto größer ist seine Kooperation bei entsprechender Behandlung“, erklärt er. Nichtwissen habe aber nicht nur Folgen für das Wohl der Patienten, sondern auch auf die Versorgungskosten.

Ineffektive Kommunikation mindert Behandlungserfolg und treibt Kosten in die Höhe

„Eine ineffektive ärztliche Kommunikation führt häufig zu einer Fehleinschätzung der im Vordergrund stehenden Problematik oder zum Einsatz unnötiger diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen“, ist Gundling überzeugt. So beträgt nach Schätzungen des US-amerikanischen Institute of Medicine der Anteil unnötiger oder wiederholter Untersuchungen an den Gesamtausgaben des Gesundheitssystems 30 Prozent. Umgerechnet auf Deutschland entspräche dies laut Dr. Gundling unnötigen Ausgaben alleine für Laborleistungen in Höhe von rund 2,6 Milliarden Euro und für strahlendiagnostische Untersuchungen von rund 2,8 Milliarden Euro.

FZMedNews, Patienten verstehen Ärzte weniger gut als gedacht
Februar 2018, basierend auf:
Gundling et al.:
Defizite in der Gesundheitskompetenz stationär behandelter Patienten – eine Querschnittstudie.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2019; 144 (4); e21-e29

cp/KWM
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