Infektionsschutzgesetz: Administrativer Mehraufwand bedroht die Patientensicherheit

Der Herbst kommt: Die Temperaturen sinken, die ersten Erkältungskrankheiten breiten sich aus. Und auch die Infektionen mit SARS CoV-2 nehmen wieder zu. Trotz vergleichsweise geringer Testquoten steigen die Fallzahlen schon seit Mitte September wieder an. Während das öffentliche Leben aber weitgehend uneingeschränkt stattfindet, ächzen insbesondere Pflegeeinrichtungen unter den nach wie vor hohen Mehrbelastungen in Folge der erforderlichen Tests und den damit einhergehenden Dokumentationspflichten. Droht mit der nächsten Corona-Welle ein Personalausfall in der ohnehin schon dünnen Personaldecke, könnte die Patientenversorgung ernsthaft in Gefahr sein.

Das neue Infektionsschutzgesetz

Das seit Oktober gültige Infektionsschutzgesetz für die Wintermonate 2022/2023 sieht für Pflegeeinrichtungen einen FFP2-Maskenpflicht und ein Testkonzept vor. Nicht nur die Besucher, auch die Mitarbeiter müssen demnach weiterhin negative Tests vorlegen. Doch die Testung allein reicht nicht aus, alle Prozesse und deren Ergebnisse müssen nachweisbar dokumentiert werden – und zwar unter Berücksichtigung der im Gesundheitswesen üblichen hohen Datenschutzvorgaben. Der damit einhergehende administrative Aufwand für das Fachpersonal ist immens. Immer mehr Zeit wird in Verwaltungsprozessen gebunden – und das, obwohl die Bewohner von Pflegeheimen ohnehin schon unter der angespannten Personallage leiden. Das Infektionsschutzgesetz will diesem Mehraufwand mit möglichen Zahlungen von bis zu 1.000 Euro pro Monat entgegenwirken. Allerdings löst dieser Zuschuss das Pflegedilemma keinesfalls auf.

Employer Branding und Automatisierung als Auswege

Das Wissensmanagement kennt zwei Lösungsansätze für die aktuelle Situation:

  1. Der Pflegeberuf muss attraktiver werden. Es gilt, Pflegeeinrichtungen als attraktive Arbeitgeber zu positionieren. Das gelingt durch Employer Branding: Die Unternehmen müssen die positiven Mehrwerte ihrer Firmenkultur, der dort herrschenden Arbeitsbedingungen und des Arbeitsklimas authentisch nach außen kommunizieren. Allerdings stehen aktuelle Entlohnung, Arbeitszeiten und Arbeitsbelastung einem positiven Außenbild vielerorts entgegen. Der dokumentarische Mehraufwand kommt erschwerend hinzu.
  2. Gelingt es, die administrativen Arbeiten durch intelligente Automatisierungslösungen deutlich zu reduzieren und damit Zeit für die Pflege der Patienten freizusetzen, ist das ein gewichtiges Argument und ein maßgeblicher Mehrwert im Kampf um die heiß begehrten Talente. Denn Pflegekräfte entscheiden sich für ihren Beruf, weil sie vulnerablen Gruppen helfen wollen – und nicht wegen des „Papierkrams“. Vor allem IT-Lösungen aus dem Bereich des Wissensmanagements und der Digitalisierung haben das Potenzial, genau hier anzusetzen: Postverarbeitung und Rechnungsein- bzw. -ausgang sowie die Abrechnung lassen sich ebenso automatisieren wie die Dokumentation von Behandlungsverläufen. Unified Communications verschlankt die Kommunikationsprozesse und smarte Bedside Services machen es selbst bettlägerigen Menschen möglich, in einem gewissen Rahmen eigenständig zu agieren. Beispielsweise weil sie per Zuruf das Licht dimmen oder das Fernsehprogramm ändern können.

Mit der Reifgradanalyse die richtigen Stellschrauben beziffern

Der Schutz von Pflegeheimbewohnern vor Corona und anderen Infektionskrankheiten hat oberste Priorität. Allerdings dürfen durch die erforderlichen Maßnahmen nicht mehr Ressourcen gebunden werden als überhaupt verfügbar sind. Der Weg zu einer Patientenversorgung auf hohem Niveau führt daher über die Automatisierung von administrativen und Routineprozessen, die nicht in der direkten Interaktion mit dem Patienten stehen. Das Wissensmanagement hat dafür die geeigneten Werkzeuge und Methoden im Portfolio. Welche Maßnahmen einrichtungsbezogen am effizientesten sind, lässt sich beispielsweise mit Hilfe einer Reifegradanalyse herausfinden.

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