Internisten-Initiative: Wissen, was in Kliniken und Praxen zu viel und was zu wenig therapiert wird

Unter- und Überversorgung in der Altersmedizin vermeiden - © Yuri Arcurs – Fotolia.com

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Verzichten Sie auf bildgebende Untersuchungen bei Rückenschmerzen, die nicht länger als sechs Wochen dauern. Setzen Sie keine Stents in Herzkranzgefäße ein, wenn keine Durchblutungsstörung vorliegt. Dies sind Beispiele für medizinische Leistungen, von denen die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) im Rahmen der Initiative „Klug entscheiden“ abrät. Damit will die Fachgesellschaft dafür sensibilisieren, welche medizinischen Leistungen in der Inneren Medizin überflüssig sind, aber auch, welche zu selten zum Einsatz kommen. Bis zum Herbst soll jeder internistische Schwerpunkt für sein Fach zehn Empfehlungen aussprechen.

Beispiele aus der Altersmedizin

Im Rahmen der Initiative „Klug entscheiden“ haben Geriater bereits Beispiele von Über- und Unterversorgung in der Altersmedizin benannt. So sollten Ärzte nicht gleich zum Antibiotikum greifen, wenn der Patient Bakterien im Urin ausscheidet. Denn oft verursachen diese keinerlei Symptome. Antibiotika dagegen können schwere Durchfälle verursachen und tragen dazu bei, dass Bakterien Resistenzen gegen die Medikamente entwickeln. Bei Unter- und Mangelernährung dagegen wäre mehr ärztliche Fürsorge angebracht: „Viele betroffene Senioren in Krankenhäusern und Pflegeheimen bekommen keine professionelle Ernährungstherapie“, so Dr. med. Manfred Gogol, der im Krankenhaus Lindenbrunn Chefarzt der Klinik für Geriatrie ist. Von einer Ernährung von Patienten mit fortgeschrittener Demenz mit einer durch die Bauchwand eingebrachten PEG-Sonde rät er ab, stattdessen ist die intensivierte orale Ernährungsunterstützung angezeigt.

Mitglieder und internistische Fächer sollen Vorschläge machen

Ziel von „Klug entscheiden“ ist, eine übersichtliche Auswahl klar definierter Leistungen benennen. Die DGIM fordert deshalb alle internistischen Fächer dazu auf, jeweils fünf Beispiele für Über- und Unterversorgung zu nennen und entsprechende Empfehlungen zu formulieren. Bis Herbst 2015 sollen die Vorschläge benannt sein. Um die Hintergründe für Über- und Unterversorgung besser zu verstehen, führt die DGIM außerdem eine Mitgliederbefragung zum Thema durch. Ziel ist es zu erfahren, wie häufig überflüssige und unterlassene Leistungen in der täglichen Praxis vorkommen, welche Gründe es dafür gibt und wo die Befragten mögliche Lösungen sehen. Die Ergebnisse dieser Befragung sollen bis zum Spätherbst 2015 vorliegen.

 

Ein tolles Video des US-amerikanischen Vorbildes „Choosing Wisely“ auf Youtube:

 

Quelle:

Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM): „Klug entscheiden in der Inneren Medizin – Über- und Unterversorgung von Patienten vermeiden“, 9. Juli 2015

srh/KWM
Bildquelle: © Yuri Arcurs – Fotolia.com

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