Jeder wie er kann: Konflikten humorvoll begegnen

Auseinandersetzungen mit anderen Menschen – beruflich wie privat – löst jeder seiner Persönlichkeit entsprechend. Der eine offensiv, der andere zurückhaltend. Michael Titze erklärt in seinem Buch „Wer zuletzt lacht…“, wie jeder persönlichkeitsadäquat und witzig auf Kränkungen oder Anfeindungen im Alltag reagieren kann. Dabei geht es vor allem darum, zu erkennen, welche rhetorischen Möglichkeiten uns die eigene Persönlichkeit eröffnet. Ein kurzweiliges Buch für lange Winterabende!

In bedrohlichen Situationen – zu denen auch verbale Angriffe zählen – reagieren wir nicht mehr rational. „Anstelle des vernunftgepolten Großhirns übernehmen nun ältere Hirnregionen im Stammhirn die Regie“, erklärt Michael Titze einführend. Diese impulsiven Reaktionen laufen jedoch nicht bei allen nach demselben Muster ab, sondern richten sich nach dem jeweiligen Temperament. Das ist einerseits genetisch vorgegeben, andererseits durch unsere Erziehung beeinflusst. Die analytische Psychologie kennt hierfür vier Typen, die sich anhand des Aktionsradius (Handlungsspielraum) und des Aktivitätsgrades bestimmen lassen. Extrovertierte Menschen besitzen einen weiteren Aktionsradius (aggressiv) als introvertierte Menschen (regressiv). Beim Aktivitätsgrad wird zwischen aktiv und passiv unterschieden.

Daraus ergeben sich vier Grundformen typischen Verhaltens:

 

  • Der mächtige „Boss“: aktiv und aggressiv
    Grundsatz: „Ich muss mich immer durchsetzen!“
    Merkmale: forsch, schlagfertig und scharfzüngig
  • Der attraktive „Star“: passiv und aggressiv
    Grundsatz: „Ich lächle dich schwach!“
    Merkmale: Frech, frivol und bisweilen anzüglich
  • Der fleißige „Eremit“: aktiv und regressiv
    Grundsatz: „Tritt mir nicht zu nahe!“
    Merkmale: ironische Untertreibung, dummschlau, gibt sich vordergründig selbstkritisch, naiv und nachgiebig
  • Der arme „Lazarus“: passiv und regressiv
    Grundsatz: „Meine Schwäche macht mich stark!“
    Merkmale: beherrscht nonverbale Kommunikation intuitiv, versucht Kontrahenten durch körpersprachliche Signale sanftmütiger zu stimmen

 

Wer sich nicht sicher ist, welchem Typ er entspricht, findet im Buch einen Fragebogen, anhand dessen er diejenigen Verhaltensmuster ermitteln kann, die auf ihn am ehesten beziehungsweise am wenigsten zutreffen.

Nacheinander beschreibt Michael Titze jeden der vier Typen mit seiner Außenwirkung und seiner Sicht auf sich selbst. Beispiele aus Geschichte, Politik und Alltag machen deutlich, mit welchen Mitteln welcher Typ seinem Angreifer erfolgreich den Wind aus den Segeln nimmt und das immer mit einer guten Portion Humor. Dementsprechend empfiehlt er am Ende:

„Setzen Sie Ihr Gegenüber nicht schachmatt, sondern wandeln Sie den Konflikt spielerisch um. Denn ein guter Rhetoriker zeichnet sich durch eine humorvolle Widerrede aus, die effizient und beziehungsfördernd ist.“

Autor:
Michael Titze, Dipl.-Psych. Dr., ist Pionier des therapeutischen Humors im deutschsprachigen Raum. Zahlreiche Veröffentlichungen, Radio- und TV-Beiträge; Gründungsvorsitzender von HumorCare Deutschland-Österreich (HCDA), Initiator der Gelotophobie-Forschung, Leiter der HCDA-Akademie. Psychotherapeut und Psychoanalytiker in eigener Praxis.

Buchcover Wer zuletzt lacht © Schattauer Verlag, StuttgartBuch:
Michael Titze
Wer zuletzt lacht…
Die Kunst humorvoller Selbstbehauptung
Schattauer Verlag, Stuttgart. 2017

 

 

cp/KWM

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