Kampf den Erregern: MRSA-Screening sinnvoll oder unnütz?

Wie sinnvoll ist das MRSA-Screening?

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Patienten fürchten Keime mehr als Behandlungsfehler, zu diesem Ergebnis kam eine kürzlich auch hier vorgestellte Studie. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe veröffentlichte im Frühjahr dieses Jahres einen 10-Punkte-Plan gegen multiresistente Erreger. Viel diskutiert wird in diesem Zusammenhang auch die Ausweitung des MRSA-Screenings, wie sie die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch Institut (RKI) fordert. Aber wie sinnvoll ist es, Patienten bei der Krankenhausaufnahme hinsichtlich ihrer MRSA-Besiedelung zu untersuchen? Experten sehen die Notwendigkeit der Maßnahmen durchaus unterschiedlich.

PRO

Professor Dr. med. Mathias Herrmann, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar, erklärt in der Fachzeitschrift DMW:

  • Ein risikobasiertes* MRSA-Screening in Verbindung mit weiteren Maßnahmen ist auch in Zukunft erforderlich.
  • Extreme Ratschläge, wie die Komplettaufgabe des Screenings bis hin zum universellen Screening aller Patienten bei Krankenhausaufnahme sind abzulehnen.

CONTRA

Professor Dr. med. Gerd Fätkenheuer leitet den Schwerpunkt Infektiologie an der Klinik für Innere Medizin I der Universitätsklinik in Köln. Er äußert sich kritisch:

  • Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit des Screenings – Verhinderung von Infektionen – fehlt.
  • Die Kosten sind erheblich (Einzelzimmerversorgung, Sperrung von Betten, zusätzliche Personal- und Materialkosten).
  • Die Isolierung der Patienten kann bei ihnen depressive Verstimmungen auslösen, führt zu einer Stigmatisierung und beeinträchtigt die medizinische Versorgung.
  • Für den Einzelnen hat das Screening keine Vorteile.
  • Die Empfehlungen der KRINKO sollten daher überarbeitet werden.

Angesichts der Studienlage lässt sich die Wirksamkeit des Screenings als isolierte Maßnahme nicht nachweisen, da es immer Teil eines Maßnahmenbündels ist. Fest steht: Eine gut etablierte und konsequent durchgeführte Basishygiene einschließlich Schulung und Information des Personals und der überlegte Einsatz von Antibiotika senkt die Infektionsrate.

*Untersuchung von Risikopatienten, dazu gehören (nach Angaben der KRINKO) beispielsweise Dialysepatienten, Patienten die beruflich direkten Kontakt zu MRSA haben (Beschäftigte in der Nutztierhaltung) oder solche, die unter chronischen Wunden leiden.

Quelle:
M. Herrmann:
MRSA-Screening – wichtig und sinnvoll
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift, 140 (19); S.1447-1448

G. Fätkenheuer:
Screening auf MRSA – unnüzt, teuer und potenziell gefährlich
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift, 140 (19); S.1449-1450

Bundesgesundheitsblatt 6/2014:
Empfehlung zur Prävention und Kontrolle von Methicillin-resistenten Staphyloccos aureus-Stämmen (MRSA) in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen
cp/KWM
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