KI im Gesundheitswesen: Was sie kann und braucht!

Gruppenbild © Plattform Lernende Systeme

Experten der Plattform Lernende Systeme übergeben auf der Jahreskonferenz der Plattform ihre aktuellen Veröffentlichungen an Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. © Lernende Systeme

Wie Patienten und medizinisches Fachpersonal von künstlicher Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen profitieren, zeigt der Bericht der Plattform Lernende Systeme. Auf ihrer jährlichen Konferenz letzte Woche in Berlin hat die Arbeitsgruppe „Gesundheit, Medizintechnik, Pflege“ das technische Potenzial für das Gesundheitswesen hervorgehoben. Gleichzeitig fassten die Experten zentrale Herausforderungen für den Einsatz von Lernenden Systemen zusammen: Dazu gehören Daten in ausreichender Menge und Qualität sowie ein umfassender Aufbau von Kompetenzen im Bereich Digital Health für Ärzte, Pflegepersonal und Patienten.

Wissensbasierte Systeme für Diagnose und Dokumentation

Anhand von Beispielen aus der Forschung und einem Szenario zum Thema Lungenkrebs zeigten die Experten, welche Möglichkeiten die Arbeit mit wissensbasierten Systemen eröffnen: „Ärzte können beispielsweise bildgebende Verfahren präziser auswerten oder sich bei der Auswahl der passenden Therapie von Lernenden Systemen beraten lassen – die Entscheidungshoheit muss aber beim Fachpersonal liegen“, sagt Klemens Budde, Standortleiter des Campus Charité Mitte.

Der Bericht beleuchtet auch das Zusammenspiel von Mensch und Maschine in der Pflege: Dort kann eine wissensbasierte Spracherfassung Pflegekräfte bei alltäglichen Aufgaben wie der Dokumentation entlasten. Das schafft mehr Zeit für den persönlichen Kontakt zum Patienten.

Künstliche Intelligenz in der Prävention

Nicht nur Erkrankte profitieren von Künstlicher Intelligenz: Smartphone-Apps oder Wearables bieten auch Gesunden die Möglichkeit, die eigenen gesundheitsbezogenen Daten zu erfassen und auszuwerten. Auf dieser Basis können Menschen ihren Alltag gesünder gestalten oder Anzeichen für eine Erkrankung früh erkennen. Gerade in der medizinischen Prävention und Früherkennung birgt KI ein großes Potential.

Grundlage für KI: Repräsentative und kontrollierte Daten

Die zentrale Herausforderung, um Lernende Systeme in Gesundheit und Pflege einzusetzen, sind qualitative Daten in ausreichender Menge. Im Gesundheitswesen wird daher eine Datenbasis mit sektorenübergreifenden Informationen benötigt. „Ein Digital Health Institute nach dem Vorbild einiger europäischer Länder ist dafür ein sinnvoller Ansatz. Auch über Optionen einer sicheren, selbstbestimmten Datenspende sollten wir diskutieren“, sagt Klemens Budde.

KI-Systeme verändern Berufsbilder und Beziehung zwischen Arzt und Patient

Zudem betonen die Experten, dass sich berufliche Profile durch neue technologische Optionen langfristig verändern. Um wissensbasierte Anwendungen für die Diagnostik oder die Therapie verantwortungsvoll zu nutzen, sind grundlegende Kenntnisse zum Maschinellen Lernen und der Informationstechnik erforderlich. Auch die Beziehung zwischen Arzt und Patient wird sich wandeln. Nicht zuletzt, weil Algorithmen Entscheidungsprozesse unterstützen, sondern auch durch Patienten, die aktiv an der Erfassung und Auswertung ihrer Daten teilnehmen.

KI erfordert Digitale Kompetenz und angepasste Rechtsgrundlage

Um zukünftig gut aufgestellt zu sein, mahnen die Experten einen umfassenderen Aufbau an Kompetenzen an. Zum Beispiel durch Digital-Health-Studiengänge oder -Ausbildungsprogramme und deren Ausbau. Ebenso sind Weiterbildungen für das Personal und Schulungen für Patienten unerlässlich.

Darüber hinaus stellen sich regulatorische Fragen, die die Zulassung Lernender Systeme betreffen. Bisherige Regelungen – wie sie für die Zulassung von medizinischen Geräten oder klinischen Studien bestehen – sind darauf nicht anwendbar, da sie sich im laufenden Betrieb verändern. Das fordern auch die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Gesundheit, Medizintechnik, Pflege“. Denn ohne entsprechende rechtliche Sicherheit für Unternehmen können innovative Systeme nicht bestehen bzw. weiterentwickelt werden.

Künstliche Intelligenz ersetzt nicht – sie unterstützt

Im Mittelpunkt muss der Nutzen für Patienten und Pflegebedürftige stehen, betonen die Autoren. Das Ziel solcher Anwendungen ist es, die Mitarbeiter in Krankenhäusern bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Insbesondere der Aspekt des zwischenmenschlichen Kontakts, ist nicht durch KI-Systeme zu ersetzen. Vielmehr trägt sie dazu bei Mitarbeiter von täglich wiederkehrenden Aufgaben zu entlasten, um Raum für den Austausch mit Patienten zu schaffen.

 

Der Bericht der Arbeitsgruppe „Gesundheit, Medizintechnik und Pflege“ kann hier heruntergeladen werden.

Über die Plattform Lernende Systeme

Die Plattform Lernende Systeme wurde 2017 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gegründet. Sie vereint Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft aus dem Bereich Künstliche Intelligenz. In Arbeitsgruppen entwickeln sie Handlungsoptionen und Empfehlungen für den verantwortlichen Einsatz von Lernenden Systemen. Die Leitung der Plattform liegt bei Bundesministerin Anja Karliczek (BMBF) und Karl-Heinz Streibich (Präsident acatech).

Quelle:
Lernende Systeme – Die Plattform für Künstliche Intelligenz

cp/KWM
Bildquelle:
 © Plattform Lernende Systeme und santiago silver/ Adobe.Stock.com

 

 

 

 

 

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