Klinik-Digitalisierung gelingt nur gemeinsam mit Personal und Patienten

Doctor with tablet © Kalim/adobe.stock.com

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In Sachen Digitalisierung müssten deutsche Kliniken endlich „raus aus der 2. Liga“, erklärt Dr. Josef Düllings, Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „f&w führen und wirtschaften im Krankenhaus“ fordert er deshalb eine IT-Investitionsoffensive seitens der neuen Bundesregierung. Mit einer staatlichen Finanzspritze ist es jedoch nicht getan. Wer erfolgreich digitale Prozesse in seiner Klinik durchsetzen will, muss diese an den Bedürfnissen der Beschäftigten und der Patienten ausrichten.

Schon heute sind digitale Technologien auf Station tagtäglich im Einsatz. Allerdings würden diese mehr an technischen Möglichkeiten und ökonomischen Zwecken ausgerichtet, erklärt Christoph Bräutigam, Pflegeforscher am Institut Arbeit und Technik (IAT). Im Rahmen seines Vortrags auf dem 18. Forum für Gesundheitswirtschaft betonte er, wie wichtig es sei, dass sich die Digitalstrategie einer Einrichtung an den betrieblichen Herausforderungen und möglichen Problemfeldern orientiere. Wo diese liegen, wissen die Mitarbeiter und Patienten meist am besten. Daher müssten die Verantwortlichen sie bei der Planung von Anfang an miteinbeziehen.

In seinem Vortrag listet er deshalb Dinge auf, die für Mitarbeiter und Patienten durch digitale Technologien verbessert werden sollten, aber auch, welche Befürchtungen mitschwingen. Ernst genommen werden sollte bei der Entwicklung einer Digitalstrategie beides – Wünsche und Ängste.

Digitalisiertes Gesundheitswesen – Wünsche

 

  • Erleichterung der Dokumentation
  • Verbesserung der Organisation und Kommunikation
  • Kostenreduktion
  • Zeitersparnis durch die Entlastung von Routineaufgaben und damit mehr Zeit für den Patientenkontakt
  • Entlastung von körperlich anstrengenden Aufgaben
  • Verbesserung der Versorgungsqualität
  • Überwindung institutioneller Grenzen

Digitalisiertes Gesundheitswesen – Ängste

 

  • Tätigkeiten entfallen und es droht der Arbeitsplatzverlust
  • Zunehmende Fremdbestimmung und Überwachung
  • Überforderung und mangelnde Kompetenz
  • Wachsender Leistungsdruck und zusätzliche Aufgaben
  • Mangelnde Datensicherheit
  • Störanfälligkeit
  • Kompetenzverluste
  • Reduzierung direkter Interaktion
  • „Entmenschlichung“

Mitarbeiter einbinden und für anstehende Veränderungen wappnen

„Die konkreten Auswirkungen digitaler Technik auf die Arbeit sind vielfältig und oft noch nicht erforscht. Zudem sind die Erfahrungen aus dem industriellen Kontext nicht 1:1 auf das Gesundheitswesen übertragbar“, so Bräutigam in seinem Vortrag. So könne beispielsweise in Fertigungsberufen über 70 Prozent der Tätigkeiten bereits durch Computer erledigt werden, in medizinischen und nichtmedizinischen Gesundheitsberufen seien es bislang lediglich 20 Prozent. Sicher sei indes, dass sich die Tätigkeitsprofile der unterschiedlichen Berufsgruppen durch die Digitalisierung verändern werden und die Qualifizierung der Beschäftigten sichergestellt sein muss.

Letzteres sei mitunter ein Problem, denn oft beschränke sich die Fähigkeit der Mitarbeiter darauf, eine bestimmte Anwendung zu bedienen. Vermittelt werde das Wissen oftmals durch die jeweiligen Softwareanbieter oder Gerätehersteller. „Eine kritisch-reflexive Auseinandersetzung mit dem Thema Technologie, Pflege und Medizin findet jedoch kaum statt, ist aber dringend notwendig!“ Soll der Wandel zum digitalen Krankenhaus funktionieren, müssten Beschäftigte deshalb mehr als bisher in Planung, Entwicklung, Auswahl, Einführung und Bewertung von technologischen Innovationen eingebunden werden, ist Christoph Bräutigam überzeugt.

Quellen:
Klinik-Digitalisierung: „Raus aus Liga 2“, www.bibliomedmanager.de, 27.11.2017
Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen Beschäftigte stärker einbeziehen, aerzteblatt.de, 27.11.2017
Digitalisierung interaktiver Arbeit – Wie können Interessen von Beschäftigten und Patient*innen gestärkt werden? IAT stellt Eckpunkte einer Strategie vor, Pressemeldung IAT, 22.11.2017
Digitalisierung und Arbeitsgestaltung im deutschen Krankenhaussektor: Mehr Technik, bessere Arbeit? Christoph Bräutigam, Institut Arbeit und Technik, Forschungsschwerpunkt Arbeit und Wandel, Gelsenkirchen

cp/KWM
Bildquelle: © Kalim/adobe.stock.com

 

 

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