Klinik ohne Kippen

Anlässlich des Weltnichtrauchertages, der morgen zum 30. Mal stattfindet, werfen wir einen Blick in die Raucherecken deutscher Gesundheitseinrichtungen. Diese werden nach wie vor von Patienten und vom Personal stark frequentiert. Insbesondere unter den Pflegekräften greifen viele zur Zigarette. Welche Wege Kliniken können gehen, um den Dunst um Patienten und Personal zu lichten? Zwei Initiativen stellen wir Ihnen hier vor.

Viele Pflegekräfte rauchen. Den Angaben des Tabakatlas 2015 zufolge greifen allein unter den erwerbstätigen Frauen gut 41 Prozent der Krankenpflegehelferinnen, rund 40 Prozent der Altenpflegerinnen und fast 29 Prozent der Krankenschwestern regelmäßig zur Zigarette – auch im Dienst. Auch unter den Ärzten wird geraucht. Im Vergleich jedoch deutlich weniger: Etwa 11 Prozent der Ärztinnen und rund 14 Prozent der Ärzte konsumieren regelmäßig Zigaretten.

Das Rauchen aufgeben – ohne Stress

Wachsende Arbeitsanforderungen bei gleichzeitig angespannter Personalsituation, so schildern viele Pflegende ihren Arbeitsalltag. Rauchen ist eine Möglichkeit, sich dem belastenden Stationsalltag kurz zu entziehen. Die Zigarette fungiert hier als probates Mittel zum Stressabbau und ist in vielen Fällen als solches akzeptiert.

An diesem Punkt setzt das Projekt „astra – Aktive Stressprävention durch Rauchfreiheit in der Pflege“ an. Die Initiative wendet sich gezielt an Pflegeschulen und Ausbildungsstationen, und bindet damit auch den Klinikbetrieb mit ein. Das Programm hat sich zum Ziel gesetzt, im günstigsten Fall den Raucheinstieg zu verhindern beziehungsweise Raucher davon zu überzeugen, ihren Zigarettenkonsum zu reduzieren oder im Idealfall aufzugeben. Damit die Umsetzung auch in der Praxis gelingt, sind die teilnehmenden Klinikstationen ein wichtiger Bestandteil des Projekts.

Einer der insgesamt fünf Bausteine des Programms widmet sich der „aktiven Stressprävention“. Hier analysieren die Teilnehmer ihre persönlichen Stressquellen, suchen nach konkreten Lösungen und lernen besser damit umzugehen. Des Weiteren üben sie, standfest zu bleiben, in schwierigen Situationen Rauchangebote abzulehnen und Erholungspausen einzufordern. Darüber hinaus können die Schüler an einem „Rauch-Stopp-Kurs“ teilnehmen.

Alternativ dazu gibt es das „astra-aktiv-Projekt“. Hier entwickeln die Teilnehmer gemeinsam Konzepte für den Arbeitsalltag ohne Zigarette, wie beispielsweise die Gestaltung attraktiver Pausenräume in der Klinik. Damit solche Vorhaben in der Praxis auch umgesetzt werden können, ist es wichtig, dass die Pflegedienstleitung hinter dem Vorhaben steht. Wenn sich eine Klinik für seine angehenden Pflegekräfte mit einer Modellstation einbringen möchte, sollte das vorab geklärt sein. Steht die Rauchfreiheit hier nicht hoch im Kurs, steht das Gelingen des Projekts im wahrsten Sinne des Wortes auf der „Kippe“.

Eine rauchfreie Klinik bietet mehr als nur Nichtraucherschutz

Noch einen Schritt weiter geht das Deutsche Netz Rauchfreier Krankenhäuser & Gesundheitseinrichtungen DNRfK e.V.. Es ist ein Zusammenschluss von Einrichtungen, die sich nicht nur für den allgemeinen Nichtraucherschutz engagieren, sondern auch Patienten oder Heimbewohner aktiv dabei unterstützen, das Rauchen aufzugeben.

Das Netzwerk bietet seinen Mitgliedern Schulungen an, in denen Pflegekräfte, Therapeuten, aber auch Lehrkräfte und Praxisanleiter der Pflegeausbildung das „ABC-Der Raucherberatung“ lernen. Für Hebammen sowie Kinderkrankenschwestern und -pfleger gibt es mit „WIM – Rauchfrei von Anfang an“ ein gesondertes Schulungsmodul, um Mütter und Familien zu beraten.

Mitglieder des Netzwerks können sich ihre Beratungsleistungen zertifizieren lassen. Bewertungsgrundlage sind die sogenannten ENSH-Standards. Diese basieren auf internationalen Empfehlungen der Mitglieder aus rauchfreien Gesundheitseinrichtungen und Tabakkontrollexperten. Je nach Grad der Umsetzung können Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen Zertifikate in Bronze, Silber oder die Mitgliedschaft im ENSH-Gold Forum erwerben.

Beide Initiativen setzen auf Aufklärung und die Möglichkeit eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Stößt das Vorhaben auf offene Ohren ist das sicherlich für Klinik, Mitarbeiter und Patienten die beste und gesündeste Lösung. Ansonsten gibt es natürlich gesetzliche Vorgaben für das Rauchen am Arbeitsplatz.

Wichtige Fakten für Arbeitgeber

  1. Rauchfreier Arbeitsplatz
    Laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) hat jeder Anspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz. Arbeitgeber haben die Pflicht, Nichtraucher vor Tabakrauch und möglichen gesundheitlichen Folgen zu schützen.
  2. Unzulässige Arbeitsunterbrechung
    Einen gesetzlichen Anspruch auf Raucherpausen gibt es nicht. Die Zigarette während der Arbeitszeit ist keine zulässige Arbeitsunterbrechung wie der Gang zur Kaffeeküche oder zur Toilette.
  3. Keine extra Rauchpausen
    Ein Unternehmen ist nur verpflichtet, die im Arbeitszeitgesetz festgelegten Ruhepausen einzuhalten.
  4. Der Arbeitgeber hat das Hausrecht
    Es liegt in seinem Ermessen, ob er ein generelles Rauchverbot ausspricht oder die Zigarette am Arbeitsplatz in den gesetzlich oder tariflich geregelten Ruhepausen erlaubt.
  5. Raucher-Räume kein Muss
    Die Verpflichtung, Raucher-Räume oder -Bereiche einzurichten gibt es rechtlich nicht. Allerdings verbessert es das Arbeitsklima nicht, wenn Raucher das Gelände komplett verlassen müssen, um eine Zigarette rauchen zu können. Arbeitgeber sollten sich hier möglichst flexibel zeigen, um nicht gegen das Persönlichkeitsrecht zu verstoßen.
  6. Zigarette als Kündigungsgrund
    Wird ein generelles Rauchverbot im Unternehmen missachtet, kann das – nach vorheriger Abmahnung – ein Kündigungsgrund sein.

Quellen:
Deutsches Netz Rauchfreier Krankenhäuser & Gesundheitseinrichtungen (DNRfK)
astra – Aktive Stressbewältigung durch Rauchfreiheit in der Pflege
Tabakatlas 2015

Deutsches Krebsinformationszentrum: Rauchfreies Krankenhaus
www.marktundmittelstand.de: Rauchen am Arbeitsplatz: Was ist erlaubt?

cp/KWM

Ein Gedanke zu „Klinik ohne Kippen

  1. Anna Antworten

    Ich finde es wirklich klasse, dass Sie sich all diese Mühe machen und die Informationen aufbereitet und diese uns mitteilt. Danke dafür. Eine Rauchfreie Welt wäre viel schöner.
    Gruß Anna

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