Komplexe Therapien: Auf Wissensboom muss der Wissenstransfer folgen

Herausforderung: Wissen in den klinischen Alltag integrieren © Fotolia/ MK-Photo

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Ein wahrer „Forschungs- und Innovationsboom“ und eine dramatische Abnahme der Halbwertszeit medizinischen Wissens machen derzeit Onkologen und Hämatologen auf ihrem Fachgebiet aus. Das zeigt sich auch in steigenden Zulassungen neuer Medikamente gegen Blut- und Krebserkrankungen. Die Wissenszunahme schafft neue Herausforderungen. Therapien werden immer komplexer und passgenauer. Damit Patienten davon profitieren und sicher behandelt werden, muss der Wissenstransfer in den klinischen Alltag gelingen.

„Was wir derzeit erleben, ist nicht das Fehlen von Innovationen, sondern vielmehr die dramatische Zunahme von Wissen, beispielsweise bei der Entwicklung von monoklonalen Antikörpern oder immuntherapeutischen Substanzen. Dabei werden die uns zur Verfügung stehenden Wirkstoffe in ihrer Wirksamkeit immer spezifischer, was wir uns bei der Targeted Therapy zunutze machen“, so beschreibt es Professor Mathias Freund, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V.. Vor dem Hintergrund einer solch zunehmenden Komplexität in der Krebstherapie ist das generierte Wissen zwar von zentraler Bedeutung, bringt aber gleichsam neue Herausforderungen mit sich, ergänzt Professor Diana Lüftner, Vorsitzende der DGHO. Denn die Patienten profitieren nur bei einem vollständigen, zeitgerechten und korrekten Wissenstransfer optimal von den gewaltigen diagnostischen und therapeutischen Fortschritten.

Wissensaufbereitung kann auch zu unterschiedlichen Empfehlungen führen

Am Beispiel des Mammakarzinom-Screenings in der Schweiz macht Dr. Jürg Nadig, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (SGMO), bestehende Konflikte deutlich. „Trotz gleicher Studiendaten könnten die Guidelines zum Mammakarzinom-Screening unterschiedlicher nicht sein.“ Während das Swiss Medical Board empfiehlt, keine weiteren Screening-Programme aufzubauen und die laufenden zeitlich zu begrenzen, unterscheiden sich andere Guidelines sowohl im Beginn (ab 40 oder 50 Jahren), als auch in der Häufigkeit (jährlich oder alle zwei Jahre). Wo sich selbst die Experten uneinig sind, ist es eine zentrale offene Frage, wer festlegt, was „richtig“ ist und wie sich Patienten zurechtfinden.

Fachtagungen sind wichtige Plattformen für Wissenstransfer

Als zentrale Plattformen für den Wissensaustausch betonen die Fachgesellschaften ihre Fachtagungen, die zunehmend alle am Behandlungsprozess beteiligten Berufsgruppen mit einschließen. Wichtig ist anschließend jedoch auch der Transfer in die Klinik. So können Ärzte und Pflegende neues Wissen in regelmäßigen Fallkonferenzen und strukturierten Teambesprechungen teilen und divergierende Empfehlungen diskutieren. Checklisten und Dokumente, auf die Mitarbeiter zentral zugreifen und technisch einfach erstellen und bearbeiten können, erleichtern den Wissenstransfer im Krankenhaus.

 

Quelle: Pressekonferenz zur Jahrestagung 2015 der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie: Aus den Laboren zu unseren Patienten – Wissenstransfer und Patientensicherheit als zentrale Faktoren einer modernen Krebstherapie

Termin: Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie vom 9.-13. Oktober 2015, Basel

srh/KWM
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