Krankenhaus 4.0 – Vorteile der Digitalisierung im Gesundheitswesen

Digitalisierung © Goss Vitalij/ Adobe.stock.com

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Der Weg hin zum Krankenhaus 4.0 ist ein längerer Prozess. Das Krankenhauspersonal ist unzufrieden – mit den Arbeitsbedingungen und der Behandlungsqualität. Die Stimmung der Ärzte befindet sich dabei in einer Abwärtsspirale. Steigende Fallzahlen und sinkende Fachkräfteverfügbarkeit führen dazu, dass die Patientenversorgung ernsthaft in Gefahr ist.[1] Wie kann es gelingen, den digitalen Change in Kliniken rechtzeitig herbeizuführen?

Aktueller Stand der Digitalisierung im Krankenhaus

Veraltete Strukturen, überholte Prozesse und fehlende digitale Tools erschweren dem Klinikpersonal ihren Arbeitsalltag. Es wird nicht ausreichend kommuniziert, Daten sind unvollständig, nicht mehr aktuell oder im heterogenen Informationsdschungel der Kliniken schlichtweg verschwunden. Hinzu kommen Budgetkürzungen und -restriktionen. Es mangelt an personellen und monetären Ressourcen, aber auch am eisernen Willen, den dringend erforderlichen Modernisierungsprozess nicht nur zu planen, sondern auch aktiv zu realisieren.

Die Vorteile des Krankenhaus 4.0

Die Digitalisierung liefert die notwendigen Werkzeuge und Methoden, um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden – allen voran der alternden Bevölkerung und der steigenden Zahl an Infektionskrankheiten. Die höchsten Mehrwerte versprechen sich Mediziner dabei von der Digitalisierung der Patientendaten (75 Prozent). Fast drei Viertel halten es für sinnvoll Apps und Wearables wie Fitness-Armbänder in die Behandlung einzubinden. Hinzu kommen telemedizinische Lösungen (65 Prozent) und künstliche Intelligenz (53 Prozent).[2] Mit solchen digitalen Systemen können Prozesse verschlankt, Abläufe automatisiert und das Personal entlastet werden. Damit würde die Anzahl der routinierten und administrativen Tätigkeiten sinken – die Zeit für den Patienten hingegen zunehmen.

Der digitale Wandel braucht Wissensmanagement

In der Praxis erfolgt die Einführung von smarter IT bisher sehr zögerlich. Zu hohe Kosten, eine unsichere Nutzenperspektive, eine heterogene IT-Landschaft und fehlende personelle Ressourcen sind die Hauptgründe. Diese Argumentation führt am Ziel vorbei – es bedarf einer anderen Sichtweise:

  • Digitalisierung ist nicht zwangsläufig mit hohen Kosten verbunden. Webbasierte Lösungen, zum Beispiel zur Verwaltung von Patientendaten, haben einen nutzerorientierten Ansatz. Bezahlt wird nur, was auch tatsächlich verwendet wird.
  • Die Nutzenperspektiven sind zweifelsfrei groß. Ein Blick in einschlägige Studien, zu unseren skandinavischen Nachbarn oder in die Industrie liefert die erforderlichen Belege.
  • Heterogene IT-Systeme lassen sich konsolidieren und mit den richtigen Schnittstellen vernetzen.
  • Die Digitalisierung braucht einen federführenden Projektverantwortlichen, idealerweise in der Person eines hauptberuflichen Wissensmanagers.

Mit der Erwähnung des Wissensmanagers sind wir auch beim eigentlichen Hemmschuh. Der Digitalisierung im Gesundheitswesen, speziell in der Kliniklandschaft, fehlt es an Wissensmanagement. Denn:

  • Daten müssen erst digitalisiert sein, um dann intelligent vernetzt zu werden.
  • Und Mitarbeiter müssen bereit sein, ihr Wissen zu teilen – ohne negative Konsequenzen infolge von Fehlern oder unerwünschter Meinung befürchten zu müssen.

Digitalisierung gelingt nicht ohne Wissensmanagement. Die entsprechenden Strukturen gilt es zunächst, auf organisationaler Ebene zu etablieren (Stichwort: Wissenskultur). Erst wenn wissensförderliche Rahmenbedingungen bestehen und die Digitalisierung in den Köpfen der Mitarbeiter verankert ist, können technische Lösungen greifen und den Wandel Realität werden lassen.

Der Erfolgsfaktor Wissenskultur

Entscheider sollten ihr Engagement schnellstmöglich bündeln und eine Wissenskultur etablieren, die den Weg für eine erfolgreiche Digitalisierung ebnet. Der Change ist möglich! Jetzt gilt es, ihn auch in die Tat umzusetzen. Diskussionen über Zuständigkeiten oder politische, gesellschaftliche und finanzielle Beschränkungen für die aktuell unzureichende Innovationskraft, bringen das Gesundheitswesen nicht voran. Sie kosten nur wertvolle Zeit. Zeit, die weder der Gesundheitssektor noch die alternde Gesellschaft haben. Mit einer Veränderung hin zur Wissenskultur wird die Entwicklung des Krankenhaus 4.0 deutlich erleichtert.

Quelle:
Rising Physician Dissatisfaction in Europe Signals an Urgent Need for Change

nl/KWM
Bildquelle: © Goss Vitalij/ Adobe.stock.com

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