Krankenhauskeim MRSA: Neues Antibiotikum entdeckt

Keime Isolation © Studio Blofield/Thieme

© Studio Blofield/Thieme

Die immer stärkere Verbreitung von multiresistenten Bakterien birgt gesundheitliche Risiken für Patienten. Kliniken sehen sich angesichts dessen vor große Herausforderungen gestellt und bemühen sich um entsprechende Schutz- und Interventionsmaßnahmen, zumal das öffentliche Interesse am Thema ungebrochen groß ist. Aktuelle Forschungsergebnisse geben Grund zu der Annahme, dass ein neues Antibiotikum helfen könnte, die resistenten Keime in den Griff zu bekommen.

Zusammen mit der französischen Firma DEINOVE hat ein Wissenschaftlerteam des Fachgebiets Biologische Chemie von der TU Berlin eine neue Klasse von Lipopeptid-Antibiotika entdeckt, die vielversprechende Aktivitäten gegen multiresistente Bakterien aufweist. Die Ergebnisse sind in der jüngsten Ausgabe der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Nature Chemical Biology“ veröffentlicht.

Verbindung des Bakteriums „Microbacterium arborescens“ stark gegen MRSA

„Krankenhauskeime“ sind im klinischen Bereich sehr häufig anzutreffen und stellen eine besondere Gefährdung des Patienten dar. Inzwischen gibt es eine Vielzahl an mehrfach resistenten Bakterien; der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus, kurz MRSA, ist einer der bekanntesten Keime. Er kann vor allem für Patienten mit geschwächtem Immunsystem tödlich sein. Durch die Resistenzen gegen verbreitete Antibiotika ist diesen Infektionen nur schwer bis gar nicht beizukommen.

In Kooperation mit der französischen Firma DEINOVE untersuchte das Wissenschaftlerteam der TU Berlin eine Stammsammlung an Bakterien auf die Produktion von antibakteriell wirksamen Molekülen: Es gelang ihnen, aus einer Kultur des Bakteriums „Microbacterium arborescens“ eine Verbindung mit starker Aktivität gegen MRSA und andere pathogene Bakterien zu isolieren. Die Wissenschaftler gaben dem Molekül den Namen „Microvionin“.

Weitere potenzielle Kandidaten für neue Antibiotika

Aufgrund dieser Entdeckung machten sich die die Wissenschaftler auf die Suche nach weiteren ähnlichen Verbindungen. Das Forscherteam um Roderich Süßmuth konnten mehr als zehn potenzielle Bakterienstämme identifizieren. Aus einem isolierten sie ein weiteres verwandtes Molekül namens „Nocavionin“.

Roderich Süßmuth ist sich sicher, dass sich die inzwischen „Lipolanthine“ getaufte Gruppe an Antibiotika bald noch weiter vergrößern wird: „Wir versuchen natürlich nun auch die anderen Moleküle zu isolieren und dann auch Rückschlüsse zwischen der Struktur und Bioaktivität zu ermitteln. Außerdem ist die Aufklärung der verbleibenden Schritte der Biosynthese für uns sehr interessant. Zu guter Letzt hoffen wir auch die Entwicklung von Microvionin zu einem nutzbaren Medikament vorantreiben zu können.“

Infektionen vorbeugen

Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse lassen Patienten und Kliniken aufhorchen. Dennoch werden jetzt und in Zukunft Hygienemaßnahmen ein wesentlicher Bestandteil des Infektionsschutzes sein. Anlässlich des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufenen „Internationalen Tages der Händehygiene“ am 5. Mai erinnerte die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) daran, dass eine sorgsame Händehygiene das mit Abstand wichtigste und effektivste Mittel ist, um die Übertragung und Ausbreitung von Infektionen zu begrenzen, gerade auch in Kliniken und Gesundheitseinrichtungen. Über hygienebezogene bauliche Planungsempfehlungen für Kliniken berichteten wir hier.

Quellen:
„The anti-staphylococcal lipolanthines are ribosomally synthesized lipopeptides“
Vincent Wiebach, Andi Mainz, Mary-Ann J. Siegert, Natalia A. Jungmann, Guillaume Lesquame, Sophie Tirat, Assia Dreux-Zigha, Jozsef Aszodi, Dominique Le Beller & Roderich D. Süssmuth
Nature Chemical Biology volume 14, pages652–654 (2018), DOI: 10.1038/s41589-018-0068-6
TU Berlin: Krankenhauskeim MRSA: Neues Antibiotikum entdeckt, Pressemitteilung Technische Universität Berlin; idw online 25.6.2018

jh/KWM
Bildquelle: ©
Studio Blofield/ Thieme

 

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar