Krankenhausstudie 2018: Viele Kliniken sind verschuldet

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zeigt: Mindestens ein Drittel der deutschen Krankenhäuser ist verschuldet – obwohl 94 Prozent der befragten Kliniken in 2017 ein Umsatzwachstum erzielten und keine einzige einen Umsatzrückgang zu verzeichnen hatte.

Die Roland Berger-Krankenhausstudie untersucht die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser. Dazu befragt die Unternehmensberatung jedes Jahr die 500 größten deutschen Kliniken. Für das Kalenderjahr 2017 zieht die Studie die folgende Bilanz: Die Zahl verschuldeter Krankenhäuser stieg von 27 Prozent in 2016 auf 31 Prozent in 2017. Einen Überschuss erzielten 2017 wie auch schon im Vorjahr 59 Prozent. Trotz guter Konjunktur und steigender Umsätze konnten demnach 41 Prozent der Kliniken im vergangen Jahr keinen Überschuss erwirtschaften.

Mehr Kliniken investieren über Kredite

Die Refinanzierung der Kliniken hat sich jedoch um rund zehn Prozent verbessert: Gaben im Vorjahr 43 Prozent an, in ausreichendem Maße zu investieren, so waren es 2017 mit 54 Prozent schon mehr als die Hälfte. 21 Prozent derer, die nicht genügend investieren konnten, gaben an, dass Fördermittel nicht ausreichen, sie zu wenige Einnahmen aus dem laufenden Betrieb erwirtschaften und keine Möglichkeiten zur Schuldenaufnahme sehen. Im Vorjahr waren es noch sechs Prozent mehr. Laut der Analysten der Studie investieren Krankenhäuser vermehrt über Kredite, womit sie hohe langfristige Verpflichtungen eingehen.

Zahlungsfähigkeit, stationäre Erlöse und Personalkostensenkung

Rangierte das Liquiditätsmanagement 2016 noch an fünfter Stelle im Ranking der wichtigsten Maßnahmen zur wirtschaftlichen Ergebnis-Verbesserung, so liegt es jetzt gleichauf mit dem Ziel, die stationären Erlöse zu steigern.

Die Kostenkontrolle beim medizinischen Sachbedarf habe im Vergleich zur Befragung im Vorjahr an Stellenwert verloren und rangiere mit 80 Prozent Zustimmung nun auf Platz drei der wichtigsten wirtschaftlichen Steuerungsinstrumente. Galt 2016 die „Steigerung ambulanter Erlöse“ noch als viert-wichtigste wirtschaftliche Maßnahme, rangiert sie nun an siebter Stelle der am häufigsten genannten.

53 Prozent der Befragten nennen die Personalkostensenkung als wichtigste Maßnahme, um das wirtschaftliche Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr zu verbessern.

Kooperationen mit Medizintechnikunternehmen

Um trotz knapper finanzieller Mittel zukunftsfähig zu sein und den Anschluss an innovative Technologien nicht zu verpassen, setzen mit 93 Prozent deutlich mehr Krankenhäuser als im Vorjahr (58 Prozent) auf Digitalisierung zur Verbesserung ihrer Wirtschaftlichkeit. Außerdem gehen Krankenhausbetreiber zunehmend Kooperationen mit Medizintechnikunternehmen ein, um von Innovationen zu profitieren: 54 Prozent der Befragten sehen entsprechende Firmen als Impulsgeber für moderne Lösungen in der Krankenversorgung. 70 Prozent gaben an, gezielt Kooperationen in diesem Bereich zu schließen.

Quelle:
Roland Berger Krankenhausstudie 2018

jh/KWM

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