Künstliche Intelligenz in der Pflege? Ja, aber nicht ohne Wissensmanagement!

KI in der Pflege © M.Dörr & M.Frommherz/ Adobe.Stock.com

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Klinikarbeit wird immer komplexer: Die Verweildauer im Krankenhaus sinkt. Dafür wächst die Zahl der polymorbiden Patienten. Diagnostische und therapeutische Maßnahmen gewinnen an Vielfalt, aber es gibt immer weniger Personal, das diese Möglichkeiten ausschöpfen kann. Knappe Ressourcen und steigender Behandlungsbedarf stoßen dabei aufeinander. Die Arbeitsverdichtung für die diensthabenden Mitarbeiter steigt. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil! Wo soll das hinführen? Ein Ausweg aus dieser Spirale ist dringend erforderlich und in Form von künstlicher Intelligenz sogar realistisch.

Künstliche Intelligenz in Therapie und Pflege

Intelligent vernetzte Helfer können vor allem in der Pflege Entlastung bieten, aber auch zur Therapie sowie zur Sicherheit beitragen. Die Möglichkeiten reichen von smarten Fußböden, die bei einem Sturz eigeninitiativ den Notruf wählen bis hin zu Kuscheltieren, die Demenzpatienten emotional unterstützen. Die Bevölkerung zeigt sich diesem Trend weitgehend aufgeschlossen. Eine Umfrage von Porsche Consulting ergab, dass sich sogar mehr als jeder Zweite von einem Roboter pflegen lassen würde.

Für den Menschen und gegen den Fachkräftemangel

Die Chancen, die sich daraus ergeben sind vielfältig, im Grunde dienen sie zwei grundlegenden Herausforderungen: Zum einen kommt künstliche Intelligenz den Menschen zugute. Sie können im Alter viel länger selbstständig und vor allem in ihrer gewohnten Umgebung leben. Zum anderen hilft sie im Kampf gegen den demografischen Wandel, allen voran dem Fachkräftemangel (Stichwort: drohender Pflegenotstand). So sind intelligente Assistenten in der Lage, vor allem Routinearbeiten zu übernehmen und den Kollegen Mensch von körperlich schwerer Arbeit zu entlasten. Den Pflegern bleibt damit mehr Zeit für ihre eigentliche Arbeit – die emotionale Betreuung der Patienten. Das ist der Grund, weshalb sie sich ursprünglich für ihren Beruf entschieden haben. Verschiebt sich der Fokus wieder auf diese Kernkompetenz, könnten Pflegeberufe auch wieder attraktiver werden.

Japan macht es vor

Was demografischer Wandel in der gesellschaftlichen Praxis bedeutet, das zeigt ein Blick nach Japan, wo unsere Zukunft bereits heute Realität ist. Hier treffen immer mehr und immer ältere Menschen auf eine quantitativ weit unterlegene junge Generation, die dem hohen Pflegebedarf nicht gerecht werden kann. Die dadurch entstehende Versorgungslücke schließen sogenannte Senior Robots – smarte Assistenten, die sich um die Älteren kümmern. Sie richten bettlägerige Patienten auf oder tragen sie. Sie schlagen bei Inkontinenz Alarm und helfen beim Waschen.

Heute Japan, morgen Deutschland?

In Deutschland ist das derzeit noch undenkbar. Neben Datenschutzfragen stehen vor allem finanzielle Aspekte im Raum. Doch angesichts von Schätzungen zur demografischen Entwicklung – das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass es bis 2050 hierzulande 4,5 Millionen Pflegebedürftige (heute: 2,6 Millionen) geben wird – müssen solche Szenarien tatsächlich weiter durchdacht werden. Zumal sich die Kosten pro Patient auf mehr als 1.500 Euro belaufen, bei der Intensivpflege ist es das Zehnfache.

Keine künstliche Intelligenz ohne digitalisierte Daten

Die technischen Möglichkeiten für den Einsatz künstlicher Intelligenz gibt es bereits. Und sie reifen immer weiter. Es sind vor allem ethische Fragen, die es zu klären gilt. Doch es ist nicht nur eine Frage von Können oder Wollen. Denn um den Einsatz künstlicher Intelligenz tatsächlich realisierbar zu machen, bedarf es eines wichtigen Bausteins, der häufig außer Acht bleibt: das Wissen. Roboter beziehungsweise künstliche Assistenzsysteme brauchen – egal wie weit ausgereift und hoch spezialisiert sie sind – digitalisierte Daten, um arbeiten zu können. Genau die fehlen aber. Um sich für die Zukunft zu rüsten, müssen Kliniken folglich zunächst Wissensmanagement einführen – also ihre papiergebundenen Wissensschätze digitalisieren und vernetzen. So schaffen sie die Basis für künftige Digitalisierungsvorhaben.

nl/KWM
Bildquelle: © M.Dörr & M.Frommherz/ Adobe.Stock.com

 

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