Lohfert-Preis 2018 für Hygieneprojekt der Universitätsmedizin Greifswald

Lohfert Preis 2018 © Christoph Lohfert Stiftung/ Michael Rauhe

Am 19. September fand die feierliche Preisverleihung in Hamburg statt. © Christoph Lohfert Stiftung/ Michael Rauhe

Das Projekt „AHOI–Patient im Boot“ von der Universitätsmedizin Greifswald erhält den Lohfert-Preis 2018, der in diesem Jahr zum sechsten Mal vergeben wird. Mitte der Woche fand die Preisverleihung im Rahmen des Hamburger Gesundheitswirtschaftskongresses statt. Professor Dr. med. habil. Nils-Olaf Hübner nahm den Preis stellvertretend für das gesamte Team entgegen. Das ausgezeichnete Projekt will das Hygieneverhalten in Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen verbessern. Das Besondere: Patienten und deren Angehörige werden verstärkt miteinbezogen.

Nosokomiale Infektionen gehören zu den häufigsten Komplikationen medizinischer Behandlungen. Vor allem die Ausbreitung von multiresistenten Erregern und dadurch bedingte Infektionen sind sowohl im Krankenhaus als auch in der stationären und ambulanten Pflege eine besondere Belastung für Patienten und Pflegebedürftige, ihre Angehörigen und das Pflegepersonal.

Bisherige Präventionsmaßnahmen nehmen vor allem Ärzte und Pflegende in die Pflicht. Das ausgezeichnete Projekt „AHOI-Patient im Boot“ hingegen zielt auf eine stärkere Einbindung von Patienten und Pflegebedürftigen sowie ihrer Angehörigen ab, um Infektionen zu vermeiden. „Gerade vor dem Hintergrund einer Zunahme von Patienten und Pflegebedürftigen mit multiresistenten Erregern, steigendem Lebensalter und kürzeren Krankenhausverweildauern ist eine stärkere Partizipation am Infektionsschutz wichtig“, so Projektleiter Nils-Olaf Hübner, Facharzt am Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Greifswald.

Die drei Säulen des Projekts:

Empowerment: Patienten, Pflegebedürftige und Angehörige sollen in der Lage sein, hygienerelevante Prozesse durch Ärzte und Pfleger wahrzunehmen und auch beurteilen zu können. Nicht zuletzt um eine konstruktive Rückmeldung zu geben und die Einhaltung der Standards aktiv einzufordern.
Akzeptanz: Ärzte und Pfleger sollen Patienten, Pflegebedürftige und Angehörige aktiv mit ins Boot holen, wenn es um die Umsetzung von Hygienemaßnahmen geht. Ihre Anregungen sollen wertgeschätzt und angenommen werden, um eine Verbesserung zu erreichen.
Compliance: Sind Patienten, Pflegebedürftige und Angehörige in der Lage, die hygienerelevanten Prozesse zu erkennen, werden sie diese auch eher anerkennen und umsetzen.

Mit der aktiven Einbeziehung der Pflegebedürftigen, Patienten und ihrer Angehörigen verfolgen die Verantwortlichen das Ziel, infektionsbedingte Aufnahmen beziehungsweise Wiederaufnahmen ins Krankenhaus zu vermeiden und eine bessere Pflege- und Behandlungsqualität zu erreichen. Das verbesserte Verständnis für Präventionsmaßnahmen und medizinische Prozesse fördere die Selbstbestimmung und die Interaktion mit dem Personal und den pflegenden Angehörigen, heißt es in der Projektbeschreibung.

Kulturwandel in der Infektionsprävention

„Das Projekt stößt einen Kulturwandel bei der Infektionsprävention an. Es stellt die Patienten, Pflegebedürftigen und Angehörigen durch aktive Mitarbeit in das Zentrum des Geschehens. Patienten, Pflegebedürftige und Angehörige stehen gleichermaßen in der Eigenverantwortlichkeit, aber auch als Prüfinstanz für das medizinische Personal. Diese Form des Empowerments macht den besonderen Charakter des Hygieneprojekts aus“, ist Dr. Andreas Tecklenburg, Mitglied der Jury, überzeugt.

Über den Lohfert-Preis
Der Lohfert-Preis 2018 war zum Thema „Kulturwandel im Krankenhaus: Multidimensionale Konzepte zur Verbesserung der (Patienten-)Sicherheitskultur“ ausgeschrieben. Wie in den vergangenen Jahren sollten Projekte im Fokus stehen, die in diesem Sinn messbare Qualität am Patienten zeigen und umsetzen.

Die Christoph Lohfert Stiftung prämiert und fördert mit dem Lohfert-Preis praxiserprobte und nachhaltige Konzepte, die den stationären Patienten im Krankenhaus, seine Bedürfnisse und Interessen in den Mittelpunkt stellen.

Bildlegende: V.l.n.r.: Carolina Lohfert Praetorius (Vorstand der Christoph Lohfert Stiftung), Prof. Dr. Nils-Olaf Hübner (Universitätsmedizin Greifswald), Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks (Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg), Dr. Kathleen Dittmann (Universitätsmedizin Greifswald), Prof. Dr. Dr. Kai Zacharowski (Vorstand der Christoph Lohfert Stiftung).

Quellen:
AHOI-Projekt
Christoph Lohfert Stiftung: Lohfert Preis 2018
Lohfert-Preis 2018 geht an „AHOI-Patient im Boot“, Pressemeldung der Lohfert Stiftung Mai 2018

cp/KWM
Bildquelle: ©
Christoph Lohfert Stiftung/ Michael Rauhe

 

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