Medienkompetenz & Digital Literacy: Smarte Skills für das Gesundheitswesen 4.0

Behördengänge, Kommunikation, sogar der Wocheneinkauf – Deutschland agiert zunehmend digital. Auch das Gesundheitswesen muss sich den Bedürfnissen seiner „Kunden“ anpassen: online Termine vereinbaren, Rezepte per E-Mail anfordern oder Fragen in einer App stellen – elektronische Prozesse lösen derzeit vielerorts bislang analoge Workflows und papiergebundene Kommunikation ab. Kein Wunder: Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Gesellschaft deutlich digitaler geworden und erreicht im aktuellen D21-Digital-Index mit 60 von maximal 100 Punkten einen neuen Höchstwert.[1] Doch die zunehmende Digitalisierung erfordert von Ärzten und Pflegern, von Therapeuten und Verwaltungsmitarbeitern ein agileres Mindset, in dem eine ausgeprägte Medienkompetenz zur Basis allen Handelns wird. Vor allem die Ausbildungsstätten sind geordert, das Gesundheitspersonal von morgen fit zu machen für eine hochdigitalisierte Zukunft.

Medienkompetenz in Zeiten des Information Overloads

Valides Fachwissen, neueste Forschungsergebnisse oder aktuelle Patientendaten sind heute immer nur ein paar Mausklicks entfernt. Natürlich gibt es vielerorts noch den klassischen Zeitschriftenumlauf oder die Printauslage in der Kaffeeküche. Um zeitnah informiert zu sein, eignen sich analoge Medien allerdings nur noch wenig. Wer schnellen Wissenszugriff benötigt, der sucht ihn digital. Idealerweise sogar direkt am Patientenbett. Allerdings ist der digitale Abruf von Informationen nur die eine Seite der Medaille, denn dass Wissen immer und überall verfügbar ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Viel wichtiger ist in diesem Kontext, die Spreu vom Weizen zu trennen – also Wissenswertes von Nichtigkeiten zu unterscheiden, Fake News zu entlarven und Quellen hinsichtlich ihrer Vertrauenswürdigkeit überprüfen zu können. Diese Fähigkeiten sind nicht nur die Grundlage für richtiges, datenbasiertes Entscheiden, sondern erweisen sich auch als essenziell für digitalbasiertes lebenslanges Lernen.

Mit Kreativität, kritischem Denken, Kollaboration und Kommunikation zum smarten Health Worker

Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, benötigen Health Worker in Zukunft nicht nur eine solide Fachausbildung, sondern müssen zudem über die so genannten 4K-Skills[2] verfügen: Kreativität, kritisches Denken, kollaboratives Handeln und kommunikative Stärke sind für das persönliche und berufliche Fortkommen des 21. Jahrhunderts erfolgsrelevant. Im Gesundheitssektor entscheiden diese Fähigkeiten auch maßgeblich darüber, ob Patientenversorgung und Patientensicherheit dauerhaft auf einem hohen bis sehr hohen Niveau gewährleistet werden können.

Aufgabe von Schulen und Universitäten ist es folglich, diese vier Basiskompetenzen bei ihren Schülern bzw. Studenten bestmöglich auszubilden. Auch Kliniken müssen ihren aktuellen und künftigen Fachkräften diese Skills mit an die Hand geben bzw. vorhandene Fähigkeiten weiter ausprägen.

Von konstruktiv bis zuversichtlich: Soft Skills für die Zukunft

Neben dem 4K-Modell sind es die „8 Cs“[3], die auf eine Zukunft in der volatilen, unsicheren, komplexen und mehrdeutigen VUKA-Welt vorbereiten. Um für die unvorhersehbaren Herausforderungen im Gesundheitssektor gerüstet zu sein, muss medizinisches Fachpersonal künftig mehr denn je darauf achten, die Dimensionen

  • cultural,
  • creative,
  • constructive,
  • communicative,
  • confident,
  • cognitive,
  • ciritical und
  • civic

zur Grundlage von Entscheidungen zu machen.

Die Unsicherheit beherrschbar machen

Doch ob man nun von 4K spricht oder von 8Cs – es geht darum, die Unvorhersehbarkeit beherrschbar zu machen und die künftigen Akteure im Gesundheitswesen darauf vorzubereiten, mit Unsicherheiten und sich schnell wandelnden Rahmenbedingungen umgehen zu können. Mit dem richtigen Rüstzeug gelingt es, sich den Herausforderungen in den Klinikprozessen tagtäglich zu stellen und den Wandel im Gesundheitssektor nicht nur mitzutragen, sondern ihn durch vorausschauendes Denken und Handeln aktiv mitzubestimmen.


Quellen:

[1] https://initiatived21.de/app/uploads/2021/02/d21-digital-index-2020_2021.pdf

[2] https://www.oecd.org/site/educeri21st/40756908.pdf

[3] http://etheses.dur.ac.uk/3446/

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