Medizinische Daten in der Cloud?

Gesundheitscloud © natali_mis/ Adobe.Stock.com

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Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter so sehr wie die Idee einer Gesundheitscloud. Droht mit der – potenziellen – Datenhaltung „in der Wolke“ eine hochriskante Totalvernetzung mit komplettem Kontrollverlust oder würde sie gar zur Selbstbestimmung beitragen und obendrein die Patientensicherheit erhöhen? Datenhaltung ist die Grundlage aller Wissensmanagement-Prozesse und die Basis für Digitalisierung. Noch fehlt es an einer Lösung, um medizinische Daten zeit-, orts- sowie geräteunabhängig und gleichzeitig sicher abzulegen. Ist die Cloud eine Option?

Die gesamte Patientenhistorie auf einen Klick

Die Vitalwerte vom Fitnessarmband, die Laborergebnisse vom letzten Bluttest und Röntgenaufnahmen, die nach einem Sturz entstanden sind. Bei Arztbesuchen werden permanent Daten erhoben. Im Zuge der Quantified-Self-Bewegung arbeiten gesundheitsbewusste Menschen zudem tagtäglich daran, Informationen rund um ihren Körper zu sammeln. Kommt es allerdings zu einem Notfall, sind die Daten im Krankenhaus in der Regel nicht verfügbar. Die CD mit den MRT-Ergebnissen liegt beim Hausarzt oder in der heimischen Ablage. Wann die letzte Blutuntersuchung stattgefunden hat, welche Impfungen aktuell sind und ob es bekannte Wirkstoffunverträglichkeiten gibt, bleibt ungewiss. Vor allem dann, wenn der Patient gar nicht ansprechbar ist.

Datenhaltung ist Wissensmanagement

Daten gibt es im Grunde genug, sie sind im entscheidenden Moment allerdings meistens nicht verfügbar. Doch genau davon lebt sowohl das Wissensmanagement als auch die Idee der Digitalisierung: 24/7-Zugreifbarkeit auf kritische Informationen. Die Cloud macht das möglich, prinzipiell. In der Medizin tut sie sich allerdings noch schwer. Zwar arbeitet das renommierte Hasso-Plattner-Institut an einer Gesundheitscloud, dennoch steht die „Datenhaltung in der Wolke“ immer wieder in der Kritik. Skeptiker sorgen sich um die Datensicherheit und den Datenschutz. Eine Totalvernetzung würde die Patienten entmündigen und die Schweigepflicht untergraben.

Selbstbestimmung nach geltendem Recht

Selbstverständlich dürfen Daten nicht wahllos Eingang finden in eine x-beliebige Cloud-Lösung. Das ist auch gar nicht das Ziel. Vielmehr geht es darum, dass der Patient – eigenverantwortlich und selbstbestimmt – festlegen darf, welche Daten gespeichert werden und wer Zugriff darauf bekommt. Neben ihm selbst sind das vor allem Ärzte, Kliniken und Angehörige. Sie dürfen einsehen, ändern oder eigene Daten einspeisen. Natürlich alles entsprechend geltenden Rechts.

Bessere Forschung dank anonymisierter Cloud-Daten

Noch einen Schritt weiter geht die Idee der anonymisierten Datennutzung. Willigt nämlich der Patient ein, dass seine Daten anonymisiert für die Forschung verwendet werden dürfen, wären ganz neue Einblicke und Erkenntnisse denkbar. Natürlich stets unter der Prämisse höchster Sicherheitsanforderungen.

Fazit

Will man das Potenzial des medizinisch Machbaren mit den Möglichkeiten der Digitalisierung koppeln, wird man bereits mittelfristig nicht am digitalen Datenmanagement vorbeikommen. IT-Sicherheit und Datenschutz müssen dabei natürlich stets an erster Stelle stehen. Ist eine sichere Cloud-Lösung gefunden, werden die dort gespeicherten Daten – den bewussten Umgang mit den sensiblen Informationen vorausgesetzt – aber in der Regel besser geschützt sein als in jedem Kellerarchiv oder Serverraum.

nl/KWM
Bildquelle: © natali_mis/ Adobe.Stock.com

 

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