Medizinisches Wissen: Wissensmanagement im Chefarztbüro

Chefärzte sind hoch dotierte Mediziner. Aber auch Führungskräfte. Und Manager. Sie müssen Konzepte entwickeln, wirtschaftlich handeln und vorausschauend planen. Chefärzte sind Vorbild und Vermittler zugleich. Sie müssen Visionen haben und dennoch realistisch bleiben. Damit sie den Spagat zwischen medizinischen Aufgaben und dem immer größeren Anteil an strategischen Herausforderungen gerecht zu werden, kommt noch eine weitere Aufgabe zu ihrem Portfolio dazu: Chefärzte sollten auch Wissensmanager sein, indem sie ihr medizinisches Wissen sichern und so ihre Klinik zukunftsfähig machen.

Medizinisches Wissen weitergeben

Chefärzte stehen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Sie verfügen oft über jahrzehntelange Erfahrung und eine hohe Reputation. Gerade jüngere Mitarbeiter können daher viel von ihren Vorgesetzten lernen. Doch meist gelingt der gewünschte Wissenstransfer nur unzureichend. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen vom „Wissen ist Macht“-Gedanken bis hin zum Zeitmangel. Angesichts des Fachkräftemangels wird die unzureichende Weitergabe von medizinischem Wissen zur ernsten Gefahr für die Kliniklandschaft. Viele qualifizierte Chefärzte stammen aus der Generation der Babyboomer und gehen innerhalb der nächsten Jahre in den wohlverdienten Ruhestand. Das Risiko ist hoch, dass sie ohne strategische Maßnahmen zum Wissensmanagement den Großteil ihres wertvollen Wissens mitnehmen. Immerhin liegt bis zu 90 Prozent des menschlichen Wissens in implizierter Form vor. Das heißt: Es handelt sich um Erfahrungen, die eng mit dem Erlebnishorizont des Arztes verbunden sind und – ohne gezielte Wissenssicherung – nur im Kopf des Wissensträgers gespeichert werden. Für alle anderen ist dieses Know-how nicht zugänglich.

Klinisches Wissensmanagement muss diese Zusammenhänge erkennen und die Gefahr eindämmen, indem es entsprechende Maßnahmen für die Wissenssicherung integriert und zu einem Umdenken anregt.

Wissen teilen ist Macht

Chefärzte sind Führungspersönlichkeiten. Ihre Aufgabe ist es auch, die Mitarbeiter zu Höchstleistungen zu motivieren. Sie müssen dafür sorgen, dass alle in einem Boot sitzen bzw. an einem Strang ziehen. Gerade in Umbruchsituationen ist es wichtig, das Fachpersonal hinter sich zu wissen. Der erste Schritt hin zu einem kollegialen Miteinander ist die Kommunikation. Mitarbeiter werden ungern vor vollendete Tatsachen gestellt. Auch sollten sie Neuerungen nicht über den Flurfunk erfahren.

Chefärzte sind also gefordert, eindeutig und offen zu kommunizieren. Doch Vorsicht: Kommunikation darf dabei keine Einbahnstraße sein. Vielmehr gilt es, wissensförderliche Rahmenbedingungen zu etablieren. Das schließt Kommunikation auf Augenhöhe ebenso ein wie eine Fehler- und Feedbackkultur.

Wissensmanagement als Must-have

Aber auch Chefärzte sind selbstverständlich nur Menschen. Zwischen strategischer Planung, medizinischen Aufgaben und administrativen Verpflichtungen fällt es oft schwer, noch ausreichend Zeit für Wissensmanagement zu finden. Doch das ist zu kurz gedacht:

  • Ohne Wissensmanagement wird das medizinische Fachpersonal nach attraktiveren Arbeitgebern Ausschau halten.
  • Und ohne Wissensmanagement wird der dringend erforderliche digitale Wandel im Krankenhaus nicht gelingen.

Die Sicherung und Bereitstellung von medizinischem Wissen ist längst zum Must-have geworden. Industrie und Wirtschaft machen es vor. Jetzt gilt es, als Chefarzt die Weichen für eine wissensintensive Zukunft zu stellen und entsprechende Maßnahmen aktiv voranzutreiben.

 

nl/KWM

Hinterlassen Sie einen Kommentar