Mehr Barrierefreiheit: Klinikführer in Leichter Sprache

Klinilführer in Leichter Sprache © magele-picture – Fotolia.com

© magele-picture – Fotolia.com

Eine exklusive Patientenversorgung ist gut, eine inklusive noch besser! Wer seine Türen wirklich allen Menschen öffnen möchte, sollte deshalb nicht nur bauliche Barrieren abbauen, sondern auch für freien Zugang zu verständlichen Informationen sorgen. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie es geht: Das Universitätsklinikum Jena stellte im Frühsommer einen „Radiologie-Führer“ in leicht verständlicher Sprache vor. Eine ausgezeichnete Idee, befand auch der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, der die Broschüre kürzlich erst als „Hochschulperle“ ausgezeichnet hat.

Wie läuft eine Ultraschalluntersuchung ab? Tut Röntgen weh? Und weshalb ist es bei einer Magnetresonanztomographie (MRT) eigentlich so laut? Antworten auf diese und andere Fragen erhalten die Patienten des Universitätsklinikums Jena (UKJ) seit Ende Mai dieses Jahres in einem „Radiologie-Führer“ der besonderen Art. In einem inklusiven Projekt der Staatlichen Berufsbildenden Schule für Gesundheit und Soziales Jena (SBBS), der Saale Betreuungswerk der Lebenshilfe Jena gGmbH und des Jenaer Uniklinikums haben Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam eine Broschüre in einer gut verständlichen Ausdrucksweise, der sogenannten Leichten Sprache, erarbeitet. Erklärungen in kurzen Sätzen und einfachen Worten helfen vor allem Menschen mit Lernschwierigkeiten oder geistigen Behinderungen dabei, die oft komplexen medizinischen Sachverhalte leichter zu verstehen.

Ein entscheidender Beitrag zu mehr Inklusion

Die Broschüre verhilft ihnen damit zu mehr Teilhabe und Selbständigkeit in einem wichtigen Lebensbereich: ihrer Gesundheit. Ein entscheidender Beitrag zu mehr Inklusion. Das sah auch der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft so und würdigte den Klinikführer deshalb als „Hochschulperle Divers“ im Monat September. Die Auszeichnung vergibt der Verband jeden Monat an innovative Projekte deutscher Hochschulen, die sich der gesellschaftlichen Vielfalt (Diversität) annehmen und diese fördern. „Der Radiologie-Führer bietet eine verständliche Aufbereitung komplexer medizinischer Sachverhalte und Maschinen. Er gibt einfache Antworten auf Fragen, die sich so mancher Patient oftmals nicht zu fragen trauen würde, erst recht nicht, im einschüchternden Krankenhauskontext“, so die Jury.

Der Bedarf an verständlichen Informationen ist hoch

Der Klinikführer ist jedoch nicht nur an Menschen mit Lernschwierigkeiten beziehungsweise geistigen Behinderungen gerichtet. Auch Kindern, älteren Personen oder Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, kann der Radiologieführer mit besonders großer Schrift, großem Zeilenabstand und anschaulichen Grafiken helfen, die Untersuchungen besser zu verstehen. Das schafft seitens der Patienten ein Gefühl der Sicherheit. Gleichzeitig entlasten gute Patienteninformationen Pflegekräfte und Ärzte, da viele Fragen vorab schon beantwortet sind.

Wenn Sie sich für die Aufbereitung von Patienteninformationen in Leichter Sprache interessieren, können Sie hier einen Blick in den „Radiologie-Führer“ werfen. Zudem hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Zusammenarbeit mit dem „Netzwerk Leichte Sprache“ eine Broschüre erstellt, in denen Regeln und Tipps für Leichte Sprache zusammengefasst sind.

Quellen:
Uniklinik Jena präsentiert Deutschlands ersten inklusiven Klinikführer, idw online, 30.5.2016
Klinikführer in Leichter Sprache ist „Hochschulperle“, Ärzte Zeitung online, 21.09.2016

cp/KWM
Bildquelle: © magele-picture – Fotolia.com

Hinterlassen Sie einen Kommentar