Mehr digitales Wissensmanagement für Fachleute und Patienten

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Neue Informationsformate, mit deren Hilfe Leitlinienwissen Ärzte aber auch Patienten besser erreicht, haben die Referenten auf der 28. Leitlinienkonferenz der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) gefordert. Neben einer Bestandsaufnahme verfügbarer Technologien, wie Leitlinien-Entwicklungsportalen und „Künstlicher Intelligenz“ ging es um neue Informationsformate, mit deren Hilfe Fachwissen Patienten und Behandelnde besser erreichen soll.

Das Ziel von Leitlinien ist es, die Qualität der medizinischen Versorgung durch Wissensvermittlung zu verbessern. Sie sind wissenschaftlich begründete und praxisorientierte Entscheidungshilfen für die medizinische Behandlung. „Ohne Leitlinien ist eine fundierte ärztliche Behandlung heutzutage fast nicht mehr denkbar. Allerdings müssen Leitlinien sich im Zeitalter der Digitalisierung weiter entwickeln, wenn sie auch zukünftig eine wesentliche Rolle in der Wissensvermittlung für eine evidenzbasierte und individualisierte Gesundheitsversorgung einnehmen wollen. Wir benötigen dazu eine digitale Agenda“, sagt Professor Dr. med. Claudia Spies, Vorsitzende der AWMF-Leitlinienkommission.

Zukunftsweisende Praxisbeispiele vorgestellt

Die AWMF hat vor diesem Hintergrund die technologischen Möglichkeiten, die bei der Leitlinienerstellung und für eine Neuausrichtung der Wissensvermittlung hilfreich sein können, gesichtet und auf der 28. Leitlinienkonferenz Ende November vorgestellt. Dazu gehören Leitlinien-Entwicklungsportale, also Internet-Plattformen die von dem Aufsetzen des Leitlinienprojektes über die Literaturrecherche und -bewertung bis hin zur Fertigstellung und deren Verbreitung den Workflow begleiten. In diesem Zusammenhang wurden auch Nutzungsmöglichkeiten lernender Maschinen („Künstliche Intelligenz“) diskutiert, zum Beispiel zur Unterstützung der Bewertung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus klinischen Studien. Namhafte internationale Referenten haben im Rahmen der Konferenz eine Auswahl zukunftsweisender Praxisbeispiele präsentiert. Darunter Professor Holger Schünemann, Inhaber des Lehrstuhls für Klinische Epidemiologie an der McMaster University, und Chris Mavergames, Leiter des Bereichs Informatik und Wissensmanagement bei Cochrane. Ihre und die Präsentationen weiterer Redner sind auf der Internetseite der AWMF online frei verfügbar.

Professor Dr. med. Ina Kopp vom AWMF-Institut für Medizinisches Wissensmanagement in Marburg erklärt: „Wir werden im nächsten Schritt bei den Fachgesellschaften die Bedarfe abfragen, um eine moderne Strategie zur Synthese und Vermittlung von Wissen unter Nutzung digitaler Lösungen zu entwickeln.“

Evidenzbasiert und verständlich: Informationen für Patienten besser vernetzen

Dazu gehört auch die Frage, wie neues Wissen Patienten und Bürger erreicht. Neue Formate sind aus der Sicht der AWMF-Expertinnen nötig. „Patienten möchten heute in Behandlungsentscheidungen und Management ihrer Erkrankung zunehmend selbst aktiv werden. Das Wissen, das sie dazu benötigen, muss digital verfügbar und natürlich auch fundiert sein, also auf den Kriterien der Evidenz basierten Medizin fußen“, so Kopp. Kurzinformationen für Patienten, laienverständliche Versionen von Leitlinien oder Entscheidungshilfen– diese Formate gebe es bereits, sie müssten aber besser digital verbreitet werden, so die Expertin.

Technische Möglichkeiten nutzen ohne den Patienten aus dem Auge zu verlieren

Inwieweit sich durch die neuen Technologien auch die Rolle der Akteure in den Gesundheitsberufen verändert, ist noch eine offene Frage. „Mehr Zeit für das Gespräch, mehr Zeit dafür, Patienten individuell zu beraten und zu betreuen – das könnte der Anfang einer Rückbesinnung auf die Rolle des Arztes sein, der gerade im digitalen Zeitalter unverzichtbar und durch Technologie nicht ersetzbar ist“, sagt Kopp. In einer Zeit der zunehmenden Ökonomisierung in der Medizin und einem Rückgang der „Sprechenden Medizin“ ist das ein klarer Appell.

Von der Politik wünscht sich die AWMF mehr Unterstützung in Fragen digitaler Transformationsprozesse. „Wir fordern vom Gesetzgeber, eine digitale Agenda der Medizin – Digital Science – zu fördern und zu unterstützen“, so Spies.

Quellen:
AWMF-Leitlinienkonferenz: Mehr digitales Wissensmanagement für Fachleute und Patienten nötig, Pressemeldung der AWMF, idw online vom 18.12.2017
Patientenkommunikation braucht neue Wege, aerzteblatt.de vom 19.12.2017

cp/KWM
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