Mehr Handhygiene – weniger Krankenhausinfektionen

Helicoph_ITS © Helios Hanseklinikum Stralsund/Bonatz

Die Mitarbeiter der Intensivstation erhalten bei jeder Händedesinfektion eine positive Rückmeldung © Helios Hanseklinikum Stralsund/Bonatz

Eine gute Handhygiene verringert das Risiko von Krankenhausinfektionen. Aber wie können Mitarbeiter dazu motiviert werden, sich die Hände vorschriftsmäßig zu desinfizieren? Das Helios Hanseklinikum Stralsund geht hier eigene innovative Wege. Seit Dezember 2018 testet das Krankenhaus ein selbstentwickeltes System. Es misst, wie oft sich die Mitarbeiter die Hände desinfizieren und gibt ihnen ein positives Feedback. Gut ein Jahr nach der Einführung zeigen sich messbare Erfolge.

Dr. Ingo Klempien leitet die Klinische Hygiene und Infektiologie. Gemeinsam mit der leitenden Hygiene-Schwester Kathrin Meyer-Bothling hat er das System mitentwickelt. Beide haben es sich zum Ziel gesetzt, das Hygienebewusstsein der Klinikmitarbeiter zu verbessern. Mit Hilfe von HELICOPH (HELios Interne Compliance OPtimierung Händehygiene) kommen sie diesem nun ein Stück näher.

Handhygiene mit System

An den Desinfektionsmittelspendern sitzt ein Sender. In den Namensschildern der Mitarbeiter ist ein Display mit Empfänger integriert. Desinfiziert sich ein Mitarbeiter die Hände, wird automatisch ein Funksignal übertragen. Das System erfasst genau, wann und wie oft die Hände desinfiziert werden. Gleichzeitig gibt es Auskunft über den Verbrauch des Desinfektionsmittels. Diese Daten können die Verantwortlichen dann mit dem Antibiotikaverbrauch und der Anzahl an aufgetretenen Infektionen vergleichen.

Positive Rückmeldung motiviert

Zudem motiviert das System die Mitarbeiter zur Einhaltung der Händedesinfektion und steigert die Compliance. Denn jede Desinfektion wird auf dem Display des Namensschildes in Echtzeit fortlaufend mitgezählt. Nach jeder Betätigung des Hygienespenders baut sich zusätzlich innerhalb der empfohlenen Dauer einer Händedesinfektion (30 Sekunden) ein animierter Smiley auf dem Namensschild auf. Der Mitarbeiter bekommt sofort positives Feedback. Am Ende des Arbeitstages sieht er, wie oft er sich die Hände desinfiziert hat. „Wir sind so in der Lage, den Mitarbeitern das Hygieneverhalten unmittelbar zurückspiegeln und so motivierend eine dauerhafte Verhaltensmodulation zu erreichen“, erklärt Dr. Klempien.

Maßnahme zeigt messbare Erfolge

Seit Dezember 2018 wird HELICOPH auf der Stralsunder Intensivstation mit 30 Betten getestet. Fast 100 Mitarbeiter sind beteiligt. Die Anzahl der Händedesinfektionen ist von 43,95 (2018) pro Patient und Tag auf 62,28 (09/2019) gestiegen. Das ist ein Plus von 42 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der nosokomialen Erregerfälle von 33 auf 19.

Im gleichen Zeitraum verringerte sich zudem Antibiotikaverbrauch und die Verweildauer der Patienten auf der Intensivstation. „Hygiene ist einer der zentralen Punkte, wenn es um die Patientensicherheit in unserem Krankenhaus geht“, sagt Geschäftsführer Johannes Rasche. „Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend. Wir werden HELICOPH daher im kommenden Jahr auf die chirurgischen, unfallchirurgischen und orthopädischen Stationen unseres Klinikums ausweiten.“

Richtlinien der Händedesinfektion

Rund ein Drittel der in deutschen Krankenhäusern erworbenen nosokomialen Infektionen wäre vermeidbar, wenn das Personal die fünf Richtlinien der Händedesinfektion konsequent einhalten würde. Dazu gehört eine Desinfektion:
1. vor dem Patientenkontakt,
2. vor aseptischen Tätigkeiten,
3. nach Kontakt mit potentiell infektiösen Materialien,
4. nach Patientenkontakt,
5. nach Kontakt mit Oberflächen in unmittelbarer Umgebung des Patienten.

Quelle:
Helios Hanseklinikum Stralsund

cp/KWM
Bildquelle:
© Helios Hanseklinikum Stralsund/Bonatz

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