Mehr Vertrauen zu „Dr. Google“ als zum Arzt?

Internetsuche © creative soul/Adobe.Stock

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Immer mehr Menschen googeln ihre Symptome, bevor sie zum Arzt gehen. Hausärzte berichten in einer Umfrage in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2019), dass die Internet-Recherche oft zu falschen Erwartungen führe. Auch verunsichere die Online-Suche Patienten mehr als dass sie ihnen nütze, so die Mediziner.

Das Internet hat das Verhältnis zwischen Arzt und Patient verändert. Zu diesem Ergebnis kommt auch Dr. phil. Julian Wangler. Der Sozialforscher arbeitet am Zentrum für Allgemeinmedizin und Geriatrie der Universitätsmedizin Mainz. Er hat über 800 Hausärzte in Südhessen dazu befragt, ob und wie häufig Patienten in der Sprechstunde Erstdiagnosen aus dem Internet thematisieren. Zwei Drittel der Mediziner gaben an, dass sie häufig damit konfrontiert würden. Patienten kämen bereits mit Informationen zu den Symptomen ihrer möglichen Erkrankung in die Praxis und hätten sich bereits über Therapien Gedanken gemacht.

Online-Suche verunsichert mehr als dass sie hilft

Die Ärzte hatten den Eindruck, dass die Patienten durch die vorherige Internet-Suche eher verwirrt oder verunsichert werden (84 Prozent) und nervöser und ängstlicher wirken (74 Prozent). Dass die Patienten gut informiert sind und daher den Arzt besser verstehen (29 Prozent) oder bei Beschwerden rechtzeitiger in die Praxis kommen (16 Prozent), ist nach Einschätzung der Allgemeinmediziner seltener der Fall. Nur sechs Prozent der Ärzte gaben an, dass die Patienten sich nach einer Internet-Recherche sicherer fühlten und nur vier Prozent der Mediziner erklärten, dass sie dann vernünftiger handelten.

Internet-Recherche erhöht Gesprächsbedarf

Darüber hinaus zeigt die Umfrage, dass eine Internet-Recherche den Gesprächsbedarf seitens der Patienten erhöht: 74 Prozent der Ärzte sagten, dass die Patienten mehr Fragen stellen würden, 64 Prozent sahen sich zunehmender Kritik gegenüber, 32 Prozent empfanden die Patienten als konfliktbereiter.

„Cyberchonder“ verlieren das Vertrauen in ihren Arzt

Suchen Patienten sehr viel häufiger als andere im Internet nach eigenen Symptomen und Beschwerden, sprechen Experten in Anlehnung an die Hypochondrie des eingebildeten Kranken von einer „Cyberchondrie”. Oft bewerten die Patienten die Qualität von Online-Gesundheitsangeboten insgesamt als hoch und haben eine höhere Affinität zur Selbstmedikation. Ist der Unterschied zwischen den Therapievorschlägen des Arztes und den Aussagen im Internet zu groß, verlieren die Betroffenen das Vertrauen in ihren Arzt. Etwa jeder fünfte Arzt gab in der Umfrage an, die Behandlung infolgedessen beendet zu haben.

Ärzte sollten Online-Informationssuche im Gespräch thematisieren

Dr. Wangler rät Ärzten in Klinik und Praxis in jedem Fall, die Online-Informationssuche aktiv im Patientengespräch zu thematisieren. Nur so könnte möglichen negativen Auswirkungen auf das Arzt-Patient-Verhältnis vorgebeugt werden. Er regt an, bereits bei der Anamnese abzufragen, inwieweit sich Patienten bereits online informiert haben. 71 Prozent der befragten Hausärzte erklärten, dass persönliche ausführliche Erläuterungen Patienten davon abhalten könnten, ziellos im Internet zu recherchieren. Dazu müssten Mediziner jedoch auch entsprechend mehr Beratungszeit einplanen. Hinweise auf seriöse Informationsquellen im Internet zu entsprechenden Themengebieten sehen 68 Prozent als sinnvoll an. Prinzipiell von einer Suche im Internet abzuraten, halten nur 16 Prozent für sinnvoll.

Quelle:
J. Wangler und M. Jansky:
Internetassoziierte Gesundheitsängste in der hausärztlichen Versorgung – Ergebnisse einer Befragung unter Allgemeinmedizinern und hausärztlich tätigen Internisten in Hessen
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2019; online erschienen am 1.3.2019

cp/KWM
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