Mehrwert oder Mehrarbeit? Was bringt der digitale Wandel?

In der Medizin klafft eine riesige Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Ärzte versprechen sich von der Digitalisierung immense Mehrwerte. Im Klinikalltag steckt die Umsetzung jedoch noch in den Kinderschuhen. Das ist gefährlich! Schließlich ist die Digitalisierung längst keine Frage mehr des „Ob“, sondern vielmehr des „Wann“ und des „Wie“. Antworten darauf finden sich insbesondere im Wissensmanagement.

Problem erkannt, Gefahr gebannt? Von wegen!

Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom und des Hartmannbunds ergab, dass mehr als zwei Drittel aller Ärzte erhebliche finanzielle Einsparpotenziale mit der Digitalisierung verbinden. Zudem erwarten sie eine bessere Prävention. 34 Prozent sind sogar der Ansicht, dass sich mit den richtigen Technologien die Lebenserwartung erhöhen lässt. Die Mehrwerte für die Medizin stehen also außer Frage. Umso mehr überrascht es, dass selbst elementare Bausteine einer Digitalstrategie nur sehr zögerlich umgesetzt werden: Nur jedes zehnte Krankenhaus bietet eine telemedizinische Überwachung seiner Patienten. Gleiches gilt für Online-Terminvereinbarungen. Woran liegt das?

In Schweden ist Digital Health längst Realität

Es sind unter anderem fehlende finanzielle Mittel, die die Digitalisierung hemmen. Zudem sehen Mediziner die Digitalisierung offenbar immer noch als Zukunftsmusik. Laut Umfrage ist fast jeder Zweite der Auffassung, dass die verfügbaren Lösungen noch nicht praxisreif seien. Ein Blick über den Tellerrand oder die Landesgrenzen hinweg zeigen allerdings, dass Digital Health anderswo bereits gelebte Realität ist. In Schweden beispielsweise ist die elektronische Patientenakte mittlerweile landesweit im Einsatz und telemedizinische Angebote erleichtern die Versorgung insbesondere im ländlichen Gebiet. Selbst Reha-Termine lassen sich hier per Video-Schalte realisieren. Elektronische Rezepte, intelligente Krankenwagen sowie vernetzte Patienten- und Pflegeinformationsmanagegement-Systeme weisen den Weg in eine digitale Zukunft.

Es geht ums Geld

So weit sind wir hierzulande noch längst nicht. Die Frage, ob Digitalisierung in der Medizin heute überhaupt schon gelebt werden kann, erübrigt sich mit dem Blick nach Skandinavien aber. Und auch die finanziellen Bedenken lassen sich widerlegen. Schließlich ist es gerade der wirtschaftliche Druck, der die Kliniken zum Handeln zwingt. Laut Krankenhaus Rating Report kann bereits in zwei Jahren fast jedem vierten Krankenhaus die Insolvenz drohen. Daher gilt es jetzt, intelligent zu investieren. Bei Wissensmanagement-Projekten, wie der Einführung digitaler Lösungen, amortisieren sich die Kosten innerhalb weniger Jahre. Die Mehrwerte sind allerdings bereits direkt nach der Einführung spürbar: unmittelbarer Datenzugriff, vernetzte Systeme und mobile Nutzung führen zu einer vorher oft ungeahnten Zeitersparnis.

Es geht um den Menschen

Wie so oft im Wissensmanagement sind es also nicht die finanziellen Effekte, dies sich als erstes zeigen. Werden die medizinischen Fachkräfte durch intelligente IT-Lösungen entlastet, bleibt ihnen mehr Zeit für die Patienten. Zudem wirkt es sich auf die Motivation aus, wenn sich Ärzte und Pfleger um ihr Kerngeschäft kümmern können – statt um nachgelagerte, administrative Aufgaben. Sie sehen wieder einen Sinn in ihrem Handeln. Überforderungen werden damit abgebaut. Und wer gern zur Arbeit kommt, ist auch seltener krank.

HR als wichtiger Indikator

Der Bereich Human Resources ist daher oft ein Punkt, an dem sich die positive Wirkung von Wissensmanagement-Initiativen, zu denen auch die Digitalisierung gehört, messen lässt. Sinken Krankenstand und Fluktuationsrate? Wächst die Betreuungs- und Versorgungsqualität? Steigen vielleicht sogar die Fallzahlen? Frühestens ein Jahr nach der Einführung von digitalen Lösungen lässt sich zum ersten Mal Bilanz ziehen. Und die fällt in der Regel positiv aus – auf Seiten der Mitarbeiter ebenso wie auf Seiten der Patienten. Im nächsten Schritt folgen dann auch monetäre Mehrwerte.

Digital Health braucht Mut

Die Zukunft der Medizin ist digital. Damit Digital Health auch hierzulande Realität wird – und die Kliniklandschaft nicht den Anschluss verliert, braucht es vor allem eines: Mut! Mut zum Invest, Mut zur Umsetzung und Mut, das eigene Krankenhaus in eine wirtschaftliche, weil digitale, Zukunft zu führen.

nl/KWM

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