Meine Daten gehören (zu) mir!

Dr. Johannes Jacubeit © connected-health.eu GmbH

© connected-health.eu GmbH

Dr. med. Johannes Jacubeit ist digitalmedizinischer Unternehmer. Ende 2014 gründete er die connected-health.eu GmbH. Seitdem treibt er den Ausbau der digitalen Kommunikation im Gesundheitssektor kontinuierlich voran. Im Rahmen eines Kurzinterviews mit KWM spricht er unter anderem darüber, wie ein guter Datenaustausch zwischen Arzt und Patient gelingen und was das Klinikmanagement dazu beitragen kann.

KWM: Über welche medizinischen Daten verfügt der durchschnittliche Patient?
Dr. Johannes Jacubeit: Ein Großteil der Patienten verfügt über nur sehr wenige Gesundheitsdaten. Das liegt unter anderem daran, dass Patienten nicht selten ihre Gesundheitsdokumente verlieren. Mit einer steigenden Anzahl an Arztbesuchen wird es zudem immer schwieriger, den Überblick zu behalten.

KWM: Welche Daten sollte jeder jederzeit parat haben?
Dr. Johannes Jacubeit: Für Patienten ist es schwierig einzuschätzen, welche Informationen wann wie wichtig sind. Es ist daher sehr wertvoll, wenn der Patient im richtigen Moment alle seine Gesundheitsdaten parat hat. Dies funktioniert am einfachsten, wenn er sie direkt auf seinem Smartphone speichert und so immer bei sich trägt.

KWM: Und was bedeutet es für dessen Ärzte (oder auch Pfleger, Therapeuten, die Klinik ganz allgemein), wenn der Patient die/alle medizinischen Daten zur Sprechstunde/Therapie mitbringt?
Dr. Johannes Jacubeit: Für eine ganzheitliche Behandlung benötigt der Arzt einen Überblick über die gesamte medizinische Historie eines Patienten. Dafür muss der Patient alle seine ausgedruckten Dokumente zu seinem Arztbesuch mitbringen. Erfahrungen aus der Praxis zeigen jedoch, dass diese Unterlagen oftmals vergessen werden. Zudem fehlt Patienten meist der Überblick über ihre eigene medizinische Historie. Mediziner müssen also bei anderen Ärzten fehlende Dokumente anfragen, was viel Zeit in Anspruch nimmt. Hat der Patient seine Dokumente nicht mitgebracht, müssen zudem Schweigepflichtsentbindungen hin und her gefaxt werden. Eine ganzheitliche Behandlung fällt deutlich leichter, wenn alle Befunde vorliegen. So können auch Doppeluntersuchungen vermieden werden, wovon wiederum die Krankenkasse profitiert.

KWM: Wie kann ein guter Datenaustausch zwischen Arzt und Patient gelingen?
Dr. Johannes Jacubeit: Während auf Patientenseite Smartphones, Computer und Tablets zum Alltag gehören, arbeiten Ärzte weiterhin mit Faxgeräten und Briefen. In der Arzt-Patienten-Kommunikation hat sich bislang noch nichts durchgesetzt, was sich auf beiden Seiten als praktikabel erwiesen hat. Dabei kann das Smartphone ganz einfach genutzt werden, um Dokumente zwischen Arzt und Patienten auszutauschen. Dies funktioniert beispielsweise mit LifeTime. Mit LifeTime können Ärzte ihren Patienten Befunde und Begleitinformationen direkt in eine Smartphone-App übergeben – auch wenn der Patient nicht mehr in der Praxis ist. Patienten haben dann ihre Befunde parat und können diese teilen.

KWM: Was kann Management (z.B. das Praxis- oder Klinikmanagement) dazu beitragen?
Dr. Johannes Jacubeit: Das Management kann eine Unternehmenskultur schaffen, die offen ist für Innovationen. Das sollte nicht nur verbal ausgedrückt, sondern auch innerhalb der eigenen Praxis oder Klinik gelebt werden, zum Beispiel durch das Ausprobieren neuer Hilfsmittel oder die Weiterbildung und Schulung von Mitarbeitern. Dabei ist es wichtig, das Team einzubeziehen und einen Rahmen zu schaffen, in dem Mitarbeiter von dem Wissen untereinander profitieren können. Denn erst, wenn der Mehrwert einer Innovation allen Beteiligten deutlich wird, können neue Lösungen zum Erfolg beitragen.

Treffen Sie Dr. Jacubeit bei den WIMA-Tagen 2017

Dr. Johannes Jacubeit ist als Referent bei den 13. Stuttgarter Wissensmanagementtagen (14.-15. November 2017) zu Gast. Er spricht über „Digitale Medizin – der Weg vom Arztbrief übers Smartphone zu prädiktiven Analysen – Wie mobile Technologien die Arzt-Patientenbeziehung verändert“
Mehr Informationen finden Sie hier

Dr. med. Johannes Jacubeit ist digitalmedizinischer Unternehmer. Bereits als Jugendlicher stellte er mit einem 1. Preis beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert seinen Drang zum Erfolg unter Beweis. Jacubeit promovierte am Institut für Zelluläre und Integrative Physiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Neben einer intrinsisch motivierten Tätigkeit als Software-Entwickler, arbeitete er als orthopädischer Chirurg und als medizinischer Leiter der Beratungsabteilung einer Privatklinik. 2016 wurde er mit dem deutschen Preis “Innovator unter 35” des Massachusetts Institute of Technology (MIT) ausgezeichnet. Ende 2014 gründete Jacubeit die connected-health.eu GmbH, ein Venture Capital finanziertes Unternehmen. Investoren sind der größte deutsche Frühphasen-Investor High-Tech-Gründerfonds (Hauptgesellschafter: BMWI), die EU und die Stadt Hamburg (über den Innovationsstarter Fonds), zahlreichen weitere Investoren (u.a. ehem. DAX-Vorstände, bekannte Ärzte, erfahrene Top-Manager und digitale Pioniere). Mit connected-health.eu widmet sich Jacubeit dem Ausbau der digitalen Kommunikation im Gesundheitssektor. Die ersten LifeTime-Prototypen entwickelte und programmierte er noch selbst. Gemeinsam mit dem connected-health.eu-Team ebnet Jacubeit nun den Weg zu einem verbesserten, sicheren und digitalen Datenaustausch zwischen Arzt und Patient.

src/KWM
Bildquelle: © connected-health.eu GmbH

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar