mHealth: Bald so selbstverständlich wie Fiebermessen?

mHealth © Neyro/adobe.stock.com

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Deutschland ist mobil: Laut D21-Digital-Index 2016 besitzen zwei Drittel der Bevölkerung ein internetfähiges Smartphone. Und die Menschen nutzen es auch! Einer Studie der Universität Bonn zufolge beschäftigen sich die Anwender bis zu drei Stunden täglich mit ihrem Handy. Apple hat gemessen, dass iPhone-Nutzer ihr Telefon durchschnittlich 80-mal entsperren – pro Tag! Dieses Nutzerverhalten ist die ideale Voraussetzung, um auch Patienten mobil zu begleiten und zu überwachen. Stichwort: mHealth! In Zeiten von Fachkräftemangel, Pflegenotstand und steigendem Kostendruck können solche Anwendungen Ärzte, Kliniken und Krankenkassen nachhaltig entlasten. Professor Dr. Hartmut Göbel, Direktor der Schmerzklinik Kiel und Mit-Entwickler der Migräne-App, prophezeit sogar, dass das Smartphone zur gesundheitlichen Unterstützung bald genauso selbstverständlich zum Einsatz kommt wie das Fieberthermometer.

mHealth ist Wissensmanagement

Ob Migräne-App, virtueller Gesundheits-Coach oder die mobile Überwachung von Patienten in psychologischer Behandlung – das Smartphone wird immer häufiger Teil der medizinischen Vorsorge und Behandlung. Die Entwicklung und vor allem die effiziente Nutzung von mHealth-Anwendungen bedürfen jedoch einer Wissensmanagement-Strategie. Denn auch wenn sie nicht explizit als solche bezeichnet wird, geht es bei der Realisierung und Implementierung solcher Projekte in den Alltag um wissensintensive Projekte und die Vernetzung verschiedenster Akteure.

Häufig handelt es sich bei den entsprechenden Apps genauer betrachtet nämlich um Big-Data-Anwendungen – einem klassischen Bereich des Wissensmanagements. Big Data ist immer dann im Spiel, wenn große Mengen an Daten nicht nur erfasst, sondern auch systematisch ausgewertet werden. So erfassen beispielsweise Apps zur Unterstützung bei psychischen Erkrankungen regelmäßig die Vital- und andere persönliche Daten des Patienten. Aufgrund von Mustererkennung kann die Anwendung verlässliche Prognosen erstellen und bei akuter Gefahr Ärzte oder Familienangehörige informieren.

Worauf kommt es nun bei der Umsetzung an?

Schon in der Entwicklungsphase spielt natürlich die IT-Sicherheit eine große Rolle. Oder anders gesagt: Ohne Datenschutz gibt es keine seriöse Gesundheits-App. Hinzu kommt Wissen aus verschiedenen Bereichen: In erster Linie sind das die IT, die Forschung und die Medizin mit ihren verschiedenen Fachgebieten. Häufig bringen auch noch Selbsthilfegruppen ihr Know-how ein. In der Anwendung wird dieses Wissen abgeglichen und angereichert mit den persönlichen Daten des Nutzers beziehungsweise Patienten. Daraus entsteht dann ein individuelles Gesundheits- oder Krankenprofil, mit dem sich arbeiten lässt.

Idealerweise bekommt der Nutzer auf Basis seiner Eingaben Sofort-Tipps. Nehmen wir als Beispiel die Migräne-App: Hat der Kopfschmerzpatient in der Vergangenheit sensibel auf Luftdruck- oder Temperaturschwankungen reagiert, kann die App durch Geo-Daten und den aktuellen Wetterbericht – schon bevor Symptome auftreten – auf die erhöhte Kopfschmerzgefahr hinweisen und Maßnahmen zur Vorbeugung vorschlagen.

Auf Anwenderwunsch überträgt die App die Aufzeichnungen, die über die Zeit entstehen, auch an den behandelnden Arzt oder das Krankenhaus – und dienen dann als Grundlage für ein Arzt-Patienten-Gespräch auf Augenhöhe. Denn, das wissen Mediziner aus eigener Erfahrung, das Verhältnis zwischen Arzt und Patient ändert sich derzeit elementar. Patienten kommen mittlerweile gut informiert in die Praxis oder die Klinik. Sie wissen über mögliche Behandlungen Bescheid und möchten in einer gleichberechtigten Diskussion die für sie beste Methode finden. Apps unterstützen sie dabei, helfen aber auch dem Arzt, die richtige Entscheidung zu treffen.

Wissensmanagement wirkt kostensparend und ressourcenschonend

Doch mHealth-Anwendungen können noch viel mehr. Und auch an dieser Stelle zeigt sich wieder, wie viel Wissensmanagement eigentlich in ihnen steckt. Ganz typisch für Wissensmanagement-Anwendungen ist nämlich häufig ein initialer Aufwand, der sich anschließend auf mehreren Ebenen auszahlt. So tragen Gesundheits-Apps nachhaltig zur Kostenreduktion bei. Sie sind ressourcenschonend und durch ihr kontinuierliches Monitoring gleichzeitig hoch effektiv. Zudem fügen sie sich nahezu unbemerkt in den Arzt- und Patientenalltag ein, fallen also nicht zur Last und bedeuten keine wirkliche Mehrarbeit.

nl/KWM
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