Microlearning als smarter Weiterbildungsbaustein

Mehrtägige Präsenzweiterbildungen außer Haus? Oder berufsbegleitender Kompetenzaufbau nach Feierabend? Im Klinikalltag ist es nahezu unmöglich, Mitarbeiter über mehrere Tage für den Wissenserwerb freizustellen. So wichtig neues Know-how auch ist: Die Personaldecke ist dermaßen dünn, dass jede Kraft vor Ort gebraucht wird. Und eine Doppelbelastung aus Arbeitsalltag und abendlicher Weiterbildung ist angesichts der regelmäßig anfallenden Überstunden kaum durchhaltbar. Wie also können sich Mitarbeiter dringend erforderliches Know-how aneignen, ohne das Tagesgeschäft zu beeinträchtigen? Die Lösung liegt im Microlearning!

Bedarfsgerechtes Lernen ist erfolgreiches Lernen

Wie erwerben Sie im Privatleben neues Wissen, beispielsweise wenn ein Heizkörper nur zur Hälfte warm wird oder ein bisher unbekanntes rotes Lämpchen an der Spülmaschine leuchtet? Entweder Sie suchen die Bedienungsanleitung heraus und schauen nach. Oder sie rufen die Kundenhotline an. Sie können „Problem“ aber auch googeln und finden dann in einschlägigen Internetvorgehen Lösungsvorschläge. Am hilfreichsten erweisen sich allerdings oft YouTube-Videos, die sich genau mit Ihrer aktuellen Herausforderung beschäftigen und Sie Schritt für Schritt bei der Fehlersuche und -behebung anleiten. Schnell, unabhängig von Ort bzw. Zeit und vor allem bedarfsgerecht. Sie erhalten die Lösung in dem Moment, in dem Sie sie benötigen. Nicht auf Vorrat oder auf Verdacht, sondern direkt am „Point of Need“.

Privates Lernverhalten in den Klinikkontext überragen

Genau solche How-to-Videos weisen auch in Krankenhäusern aus dem Dilemma zwischen hoher Arbeitsbelastung und Wissensdurst. Gerade im Softwareumfeld, beispielsweise im Krankenhaus-Informations-System (KIS), gibt es solche Mini-Tutorials bereits schon. Im einfachsten Fall handelt es sich um eine schlichte FAQ-Sammlung. Mitunter erhält man durch ein Mouse-Over aber auch direkt im Anwendungskontext Hilfestellungen angezeigt. Und sogar kurze Demos sind teilweise verfügbar.

Dieser Ansatz muss vom Personalmanagement, insbesondere von der Weiterbildungsabteilung, auf weitere Klinikbereiche ausgeweitet werden. Nach und nach gilt es, für kritische Bereiche How-to-Anleitungen selbst zu erstellen oder extern produzieren zu lassen. Der Startschuss könnte anhand einer bereits existierenden FAQ-Liste erfolgen. Oder indem der Helpdesk die häufigsten Fragen analysiert. Auch die Mitarbeiter selbst müssen Themen einreichen können, bei denen sie sich Unterstützung wünschen.

Weiterbildung in einzelne Wissensbausteine aufgliedern

Und schließlich gilt es, sich von der reinen Problemlösung hin zum echten Wissenserwerb zu entwickeln. Dabei werden große Wissensgebiete in kleine, leicht verdauliche Wissensnuggets aufgeteilt und mit Audio- und Videosequenzen oder durch digital-gestützte Animationen aufbereitet. Das Ergebnis sollten Wissenseinheiten sein, die maximal 10 – 15 Minuten dauern und die sich auch unterwegs in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in der Mittagspause absolvieren lassen. Idealerweise bestehen sie aus neuem praxisbezogenem Wissen, dessen erfolgreicher Erwerb sich anschließend mit einem kurzen Quiz überprüfen lässt. So gelingt Kompetenzaufbau quasi nebenbei – und mit einem hohen Return on Education, denn das Erlernte lässt sich direkt im Klinikalltag anwenden und ausprobieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.