Mit App zur OP-Vorbereitung die Behandlungsqualität erhöhen

Operationsteam © AntonioDiaz/Adobe.Stock

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Digitale Anwendungen in der Klinik können Mediziner bei ihrer Arbeit unterstützen und die Patientensicherheit erhöhen. Wie das konkret aussehen kann, zeigt ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt zur Entwicklung einer neuen App. CHASER (antiCoagulation Help App for SurgERy) soll künftig klären, ob und wann ein bestimmter Blut-Gerinnungshemmer vor einer OP abgesetzt werden muss.

Rund 65 Millionen Menschen in Europa nehmen Medikamente, die die Blutgerinnung vermindern, etwa um das Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko zu senken. Eine wichtige Frage der OP-Vorbereitung ist deshalb, ob und wann diese Arzneimittel abgesetzt werden müssen. Diese Entscheidung wird zunehmend komplexer: Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Wirkstoffe wächst und die wissenschaftlichen Erkenntnisse ändern sich fortlaufend. Darüber hinaus gilt es, das unterschiedliche Blutungsrisiko bei verschiedenen Eingriffen abschätzen zu können.

Grenz- und fachübergreifende Projektarbeit

Gemeinsam mit Forschern der Klinik für Kardiologie der Medizinischen Universität Warschau (WUM) und Industriepartnern aus den Bereichen Computer-Design und IT entwickeln Ärzte und Forscher der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Freiburg nun eine neue App. Die digitale Anwendung soll die Mediziner bei der Therapieentscheidung unterstützen und Patienten aufklären.

Nutzer können zwischen Arzt- und Patientenmodus wählen

„Aktuell wird die gerinnungshemmende Therapie oft zu früh vor dem Eingriff beendet und die Medikamente mit zum Teil falschen Präparaten ersetzt. Das kann zum Schaden der Patienten sein“, sagt Professor Dr. Arkadiusz Miernik, Geschäftsführender Oberarzt und Leiter der Sektion Urotechnologie der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Freiburg. Die jetzt geplante App soll über einen Patienten- sowie einen Ärztemodus verfügen. „Den Patienten möchten wir allgemeine Informationen rund um das Thema medikamentöse Gerinnungshemmung und Operation zur Verfügung stellen, eventuell auch als Video. Die Ärzte sollen konkrete, evidenzbasierte Informationen zu den geläufigen Standards und eine Behandlungsempfehlung erhalten“, erklärt Miernik.

Informationen via App erreichen Patienten besser

Um die Wünsche und Bedürfnisse der späteren Nutzer von Anfang an zu berücksichtigten, fand kürzlich ein Workshop in Freiburg statt. Teilgenommen haben neben den Projektpartnern auch Klinik- und niedergelassene Ärzte, Pflegekräfte und Patienten. Laut der Projektkoordinatorin Friederike Praus war die Rückmeldung der Beteiligten sehr positiv. „Insgesamt zeigte sich, dass Info-Apps heute besser angenommen werden als normale Websites“, so Praus.

CHASER überzeugte durch fachübergreifendes Projektteam

Die Entwicklung wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der „Deutsch-Polnischen Kooperation zum Technologietransfer in der Digitalen Wirtschaft“ (DPT) mit 300.000 Euro gefördert. Von den rund 100 Anträgen, die im DPT-Förderprogramm des BMBF eingereicht wurden, wurden neun Projekte zur Förderung ausgewählt. Dabei erhielt das Projekt CHASER (antiCoagulation Help App for SurgERy) die besten Bewertungen aller Projekte. Laut Projektleiter Dr. Philippe-Fabian Müller habe das Projekt insbesondere durch das fachübergreifende Projektteam überzeugt. Von Anfang an seien Medizin-Fachleute, Programmierer und Experten für digitale Nutzer-Computer-Interaktion an der Entwicklung beteiligt.

Quelle:
Universitätsklinikum Freiburg

cp/KWM
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