Mitarbeiter gut führen, heißt….?

Mitarbeiter gut führen

© oatawa Adobe.Stock

In Deutschlands Kliniken ist derzeit vieles im Umbruch: Fachkräftemangel und Digitalisierungsprojekte erfordern Veränderungen auf allen Ebenen. Nur mit guten Führungskräften gelingt es, alle Mitarbeiter mitzunehmen und die anstehenden Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Was aber zeichnet eine gute Führungskraft aus? Das bestimmen in der Regel die Mitarbeitenden. Professor Dr. Jürgen Weibler forscht im Bereich der Personalführung. Seine Forschungen zeigen, dass es Dinge gibt, die berufs- und kulturübergreifend von jeder Führungskraft erwartet werden. Erfüllt diese Person die von ihr erwarteten Attribute und Verhaltensweisen gut, nehmen Mitarbeiter sie positiv wahr.

Gerechtigkeit hat oberste Priorität

Höchste Priorität hat laut empirischen Studien fast immer Gerechtigkeit. Drei „Formen“ sollte man sich, so Weibler, merken:

  • Die „prozedurale Form“:
    Die Führungskraft verwendet zur Beurteilung von Sachverhalten und für die die Mitarbeitenden betreffenden Entscheidungen eine Methodik, die diese nachvollziehen und akzeptieren können.
  • Die „Verteilungsgerechtigkeit“:
    Lob und Anerkennung, aber auch materielle Zuwendungen werden an alle gleich oder nach erbrachter Leistungen verteilt.
  • Die „interaktionelle Form“:
    Höflichkeit, Freundlichkeit, Respekt. Sie fällt als erste ins Gewicht, weil sie allgegenwärtig und unmittelbar ist.

Gruppenmitglieder sind zufriedener, wenn sie Gerechtigkeit wahrnehmen. Sie sind produktiver und es gibt weniger Konflikte. Verhaltensweisen wie besonderes Engagement oder Solidarität, die man nicht per Vertrag einfordern kann, werden gefördert, erklärt Weibler. Ungerechtigkeit beeinflusst die Atmosphäre in der Gruppe dagegen grundsätzlich negativ. „Ungerechte“ Vorgesetzte erzeugen Frustrationen, die wiederum für Schwierigkeiten im Miteinander der Gruppe sorgen. Professor Weibler präzisiert: „Wer frustriert ist, ist selten aufgeschlossen oder gar freundlich und zuvorkommend.“

Inspiration, Entscheidungsfreude und Vorbildfunktion

Des Weiteren erwarten die meisten von einer guten Führungskraft, dass sie einen respektvollen Umgang mit den Mitarbeitern pflegt, und dass sie über Inspirationskraft und Entscheidungsfreude verfügt. Darüber hinaus ergaben die weltweiten Befragungen im Rahmen des GLOBE-Projekts, dass zu führen auch bedeutet, Vorbild zu sein. Wer sich in einer Führungsposition nicht selbst für vorgegebene Ziele einsetzt, ist nicht glaubwürdig. Unbeliebt sind dagegen „Kontrollfreaks“: Denn die Mitarbeitenden wollen eine gewisse Handlungsfreiheit haben. Erwartet wird weltweit auch, dass Vorgesetzte Erfolge anderer nicht für sich verbuchen.

Professor Dr. Jürgen Weibler ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Personalführung und Organisation an der FernUniversität in Hagen. Er ist unter anderem Gründungsmitglied des Forscherverbundes GLOBE (Global Leadership and Organizational Behavior Effectiveness). Bei GLOBE geht es um die Attribute und Verhaltensweisen einer herausragenden Führungskraft im interkulturellen Vergleich, aber auch um Führungsstrategien und Führungserfolg.

Quelle:
Von Vorgesetzten zu guten Führungskräften, idw online, 26.2.2019

cp/KWM
Bildquelle: ©
oatawa /Adobe.Stock.com

Hinterlassen Sie einen Kommentar