Neue Daten zu Mangelernährung in Kliniken und Pflegeheimen

Mangelernährung © Hepta/Adobe.Stock

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Im Vorfeld des nutritionDay am 7. November hat die Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) einen aktuellen Ernährungsbericht veröffentlicht. Demnach weist fast ein Drittel der Patienten in deutschen Kliniken Anzeichen einer Mangelernährung auf. In Pflegeheimen ist rund ein Viertel der Bewohner betroffen. Eine bessere ernährungsmedizinische Versorgung ist laut den Experten dringend erforderlich.

Mangelernährung wirkt sich auf den Krankheitsverlauf aus

Im Rahmen des nutritionDay werden jedes Jahr weltweit Daten zur Ernährungssituation von Patienten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen erhoben. Für den aktuellen DGE-Ernährungsbericht wurden nun die seit 2006 erhobenen Daten erstmals systematisch ausgewertet. „Die Daten belegen, dass in deutschen Einrichtungen weiterhin ein großer Anteil der Patienten und Bewohner ein hohes Risiko für Mangelernährung aufweisen beziehungsweise mangelernährt sind“, sagt Professor Dr. med. Johann Ockenga, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM). Fast jeder dritte Patient, der stationär in eine Klinik aufgenommen wird, zeige entsprechende Anzeichen. Das habe Einfluss auf das Wohlbefinden und den Krankheitsverlauf der Betroffenen.

Nur zehn Prozent der in 2018 befragten Kliniken setzen Fachpersonal ein

Der Bericht offenbart zudem Versorgungslücken: Lediglich zehn Prozent der 2018 teilnehmenden Klinikstationen und 30 Prozent der Pflegewohnheimbereiche verfügten über eine Diätassistenz. Diese Fachkräfte sind speziell für die ernährungstherapeutische Betreuung ausgebildet. Da vermutlich vor allem interessierte und engagierte Einrichtungen am nutritionDay teilgenommen haben, gehen die Experten davon aus, dass die Situation insgesamt noch schlechter ist als die Daten zeigen.

Auch der Präsident der DGEM betont, wie wichtig es ist, Fachpersonal einzusetzen und ernährungsmedizinische Maßnahmen zu etablieren. Von einem Ernährungsscreening bei der Aufnahme und einer entsprechenden ernährungsmedizinischen Betreuung würden die Betroffenen enorm profitieren, erklärt PD Dr. med. Frank Jochum.

Aktuelle Studie bestätigt Nutzen ernährungsmedizinischer Maßnahmen

Eine kürzlich in „The Lancet“ veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass eine Ernährungsintervention bei Risikopatienten die Sterblichkeit merklich reduzieren kann und zu einer deutlichen Besserung der Lebensqualität führt (wir berichteten).

Zusatzweiterbildung zum Ernährungsmediziner

Positiv bewerten die Experten deshalb auch den Vorstoß der Landesärztekammer Bremen. Sie folgt als erste der Empfehlung der Bundesärztekammer von 2018, die Zusatzweiterbildung „Ernährungsmedizin“ in die Weiterbildungsordnung aufzunehmen. Die erweiterte Weiterbildungsordnung tritt dort zum 1. Juli 2020 in Kraft.

Zum 14. DGE-Ernährungsbericht

Eine ausführliche Auswertung der nutritionDay-Daten ist im Kapitel „Ernährungssituation in Krankenhäusern und Pflegeheimen – Auswertung der nutritionDay-Daten für Deutschland“ im aktuellen DGE-Ernährungsbericht abgebildet. Der Bericht kann auf der Website der DGE abgerufen werden. Den aktuellen Report haben die DGEM und die DGE gemeinsam initiiert. Das Institut für Biomedizin des Alterns der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat die Daten gemeinsam mit nutritionDay Wien ausgewertet. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat das Vorhaben gefördert.

Der nächste nutritionDay findet am 7. November 2019 statt. Alle Details finden Interessierte auf der Website www.nutritionday.org.

Quelle:
www.dgem.de

cp/KWM
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