New Work im Krankenhaus

New Work

© Thieme & Frohberg GmbH

Ist New Work im Krankenhaus ein Widerspruch? Oder lässt sich die neue Arbeitsweise umsetzen? Neue vernetzte Arbeitsweisen sind derzeit in aller Munde und werden von den Mitarbeitern aktiv eingefordert. Vor allem für die Generation Y gehören Aspekte wie orts- und zeitunabhängige Aufgabenerledigung, leistungsgerechte Entlohnung sowie eine ausgeglichene Work-Life-Balance mittlerweile zu den wichtigsten Entscheidungskriterien bei der Wahl ihres künftigen Arbeitgebers. Auch Kliniken stehen daher in der Pflicht, ihre Organisationsstrukturen auf die neuen Anforderungen hin auszurichten. Doch Vertrauensarbeitszeit und Homeoffice sind für medizinisches und Pflegepersonal schlichtweg nicht realisierbar, schließlich werden sie vor Ort gebraucht. Ist also New Work ein Konzept, das im Health Sector nicht funktioniert und daher niemals umgesetzt werden kann? Weit gefehlt!

Der Change zu New Work im Krankenhaus ist längst überfällig

New Work ist viel mehr als nur flexible Arbeitsplatzgestaltung. Es ist ein Lebensgefühl, eine ganz neue Auffassung von Arbeit. Im Krankenhaus trifft sie – rein theoretisch – auf sehr fruchtbaren Boden. Bisher stehen allerdings starre Strukturen und wenig demokratische Rahmenbedingungen entsprechenden Veränderungsbestrebungen entgegen. Ein einfaches „Weiter so!“ ist angesichts von demografischem Wandel und zunehmendem Fachkräftemangel gerade im Gesundheitswesen jedoch ausgeschlossen. Der erforderliche Change ist längst überfällig. Er hat aber das Potenzial, die Grundfesten der Krankenhausorganisation zu erschüttern. Grund dafür sind die nach wie vor starren, vielerorts geradezu zementierten Hierarchien. Angelehnt an das Militär versinnbildlichen sie Machtstrukturen, an denen nicht gerüttelt und die nicht in Frage gestellt werden dürfen. Zumindest bisher. Denn: „New Work beschreibt einen epochalen Umbruch, der mit der Sinnfrage beginnt und […] die Potenzialentfaltung eines jeden einzelnen Menschen in den Mittelpunkt [stellt].“[1]

Das Ziel: Selbstführung, Ganzheit und evolutionärer Sinn

An dieser Stelle zeigt sich, wie gut New Work zu den Herausforderungen im Krankenhaus passt. Und wie überfällig ein entsprechender Turnaround bereits ist. Den Mitarbeitern muss – hierarchieübergreifend – Raum zur eigenen Entfaltung gegeben werden. Damit das gelingt, müssen Organisationen nach Auffassung des New-Work-Vordenkers Frédéric Laloux in drei Bereichen ansetzen:

  1. Die Beschäftigten benötigen eine ausgeprägte Selbstführungskompetenz. An die Stelle von Führung durch Machtausübung treten Mitbestimmung, Selbstverantwortung und Problemlösungsvermögen.
  2. Organisationen und ihr Management sind gefordert, einen ganzheitlichen Leadership-Ansatz zu wählen, der die Mitarbeiter als facettenreiche Persönlichkeiten in den Fokus stellt, denn „Arbeit steht im Dienst des Menschen: Wir arbeiten nicht mehr, um zu leben, und wir leben nicht mehr, um zu arbeiten.“[2]
  3. Und schließlich muss die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns in den Mittelpunkt rücken. Nur so kann Leidenschaft geweckt und Kreativität gefördert werden. Laloux spricht in diesem Kontext vom „evolutionären Sinn“, der in der Klinik-DNA verankert werden muss.

Wissensmanagement fördert New-Work-Bestrebungen

Co-Working, Service-Ökonomie und Talentismus sind nur einige der Kategorien, die das Zukunftsinstitut dem Megatrend New Work zuordnet. Ihnen gemein ist die Ressource Wissen, die zur unbedingten Erfolgskomponente wird: Wer sein Wissen nicht teilt, kann es nicht vermehren. Wer kein Feedback erhält, kann sich nicht verbessern. Wer keine Fehler macht, kann daraus nicht lernen. Die Etablierung einer Wissenskultur ist daher unbedingte Voraussetzung, um New Work realisieren zu können. Damit einher geht ein offenes Mindset. Beginnend beim Führungsansatz müssen Kooperation und Kollaboration die bisherige Stablinienorganisation und deren Machtgefüge ablösen. Die Herausforderung eines entsprechenden Wandels ist immens. Aber sie ist alternativlos, wenn Kliniken künftig (wieder) als attraktive Arbeitgeber gelten wollen. Und das müssen sie, denn nur so ziehen sie ausreichend gut ausgebildete Fachkräfte an, um ihren Versorgungsauftrag auch morgen noch

erfüllen zu können.

nl/KWM

 

Quellen:

[1] https://www.zukunftsinstitut.de/dossier/megatrend-new-work/

[2] https://www.zukunftsinstitut.de/dossier/megatrend-new-work/

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