Diskussion um Abklärungspauschale: Notfall oder nicht? Eine Entscheidung von zwei Minuten?

Kosten © Zerbor – Fotolia.com

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Seit dem 1. April 2017 gelten für die Notfallversorgung in Klinikambulanzen neue Abrechnungsnummern. Sie beinhalten diagnose- und aufwandabhängige Schweregradzuschläge sowie eine neue „Abklärungspauschale“ für Patienten, die keinen Notfall darstellen und deshalb an die reguläre vertragsärztliche Versorgung verwiesen werden können. Die Höhe dieser Pauschale sorgt aktuell für Streit zwischen Vertretern der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Reformvorgabe im Krankenhaustrukturgesetz

Seit Jahren steigen die Patientenzahlen in deutschen Notaufnahmen. Um dies zu ändern, wurde im Krankenhausstrukturgesetz zum einen festgelegt, bis Ende 2016 die Abrechnungsziffern des einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) für die Notfall- und Notdienstversorgung nach Schweregraden der Fälle zu differenzieren. Zum anderen wurde eine „Abklärungspauschale“ für Patienten geschaffen, die medizinisch unbegründet in der Notaufnahme erscheinen. Sie umfasst:

GOP 01205 – für Patientenkontakte an Wochentagen und tagsüber; 45 Punkte, entspricht 4,74 Euro.

GOP 01207 – für Patientenkontakte nachts, an Wochenenden sowie an Feiertagen; 80 Punkte, entspricht 8,42 Euro.

Diese Beträge dürfen Notfallärzte nach ihrer Ersteinschätzung abrechnen, wenn es aus ihrer Sicht möglich und vertretbar ist, dass der jeweilige Patient durch einen Vertragsarzt außerhalb der Notfallversorgung anstatt in der Klinik behandelt werden kann.

Erhöhter Zeitdruck für Ärzte oder Beitrag zur Entlastung der Notfallambulanzen?

Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) decken die Beträge der Pauschale gerade einmal zwei Minuten Patientenkontakt ab. Dadurch würden Ärzte bei ihrer Ersteinschätzung unter massiven Zeitdruck geraten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) argumentieren dagegen, dass es bislang keinerlei Vergütung dieser Ersteinschätzung an sich gegeben habe. Die Honorierung trage somit zur Entlastung der Notfallambulanzen bei. Es gehe dabei nicht darum, in zwei Minuten alle medizinischen Entscheidungen rund um einen Patienten zu treffen, sondern um die reine Unterscheidung, ob Notfall oder nicht. Die „Krankenhauslobby“ würde Patienten und Ärzte mit „Schreckensmeldungen“ verunsichern. Die DKG fordert vom Gesetzgeber in der nächsten Legislaturperiode eine grundsätzliche Neuordnung der ambulanten Nothilfeleistungen in den Krankenhäusern. Bis dahin sollten die Pauschalen sofort gesetzlich um zehn Euro erhöht werden.

Quellen:
Für schwere Fälle gibt es jetzt Zuschläge, Ärztezeitung online, 31.3.2017
KBV, Kassen und Kliniken streiten weiter, Ärzte Zeitung online, 20.4.2017
Neue Pauschale entfacht Streit zwischen Ärzten, Kliniken und Kassen, Spiegel online, 20.4.2017
Kliniken und Kassenärzte im Streit über Notfallversorgung, Augsburger Allgemeine online, 21.4.2017
Kliniken, Kassenärzte und Kassen streiten wegen Notfallversorgung, kma-online, 20.4.2017
Kassenärztliche Bundesvereinigung: Online Version des EBM

jh/KWM
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